07.11.2012 20:55
Bewerten
 (3)

'Das Beste kommt noch' - Obama mit Versprechen

    WASHINGTON (dpa-AFX) - Die Amerikaner haben Barack Obama eine zweite Chance gegeben - und der wiedergewählte US-Präsident will die nächsten vier Jahre im Weißen Haus für einen neuen Aufbruch nutzen. "Das Beste kommt noch", rief Obama in der Nacht zum Mittwoch Tausenden Anhängern bei der Wahlfeier in seiner Heimatstadt Chicago zu. Um seine Bestätigung trotz durchwachsener Bilanz hatte der 51-Jährige bis zur letzten Minute kämpfen müssen. Am Ende fiel das Wahlergebnis dann überraschend klar aus. Der republikanische Herausforderer Mitt Romney musste seine Niederlage einräumen.

 

    Obama sicherte sich mindestens 303 von insgesamt 538 Wahlmännerstimmen und damit einen komfortablen Vorsprung. Auf das letzte auch am Mittwochabend noch offene Ergebnis aus Florida kam es nicht mehr an. Obamas Wiederwahl wurde weltweit begrüßt.

 

REPULIKANER HABEN WEITER MEHRHEIT IM REPRÄSENTANTENHAUS

 

     Sein Versprechen, es besser als in der ersten Amtszeit zu machen, ist für Obama eine echte Herausforderung: Er muss weiter mit einer republikanischen Mehrheit im Repräsentantenhaus um Kompromisse bei wichtigen Gesetzesvorhaben ringen. "Ich bete für den Erfolg des Präsidenten bei der Führung unserer Nation", sagte Wahlverlierer Romney (65).

 

    Es waren vor allem die Stimmen von Frauen, Latinos und Schwarzen, die den ersten Afroamerikaner im Weißen Haus zur zweiten und letzten Amtszeit trugen. Obama beschwor die Einheit des amerikanischen Volkes: "Wir sind die Vereinigten Staaten von Amerika. Wir leben in dem großartigsten Land der Welt", rief der Präsident den Millionen vor den Bildschirmen zu. "Egal, woran Du glaubst, wo Du herkommst, ob Du weiß oder schwarz bist, Latino oder Indianer, schwul oder hetero: Du kannst es hier schaffen."

 

STEUERSENKUNGEN, SCHULDENBEGRENZUNG UND DAS EINWANDERUNGSGESETZ

 

    Seinem Widersacher Romney gratulierte Obama zu einem harten Wahlkampf: "Wir haben erbittert gekämpft, aber nur weil wir dieses Land so sehr lieben und weil wir so sehr um seine Zukunft besorgt sind." An der Seite von Ehefrau Michelle und den beiden Töchtern Malia und Sasha versprach Obama, sich mit den Parteiführern von Republikanern und Demokraten zusammenzusetzen, um Steuersenkungen, Schuldenbegrenzung und das Einwanderungsgesetz voranzubringen.

 

    In Obamas Heimatstadt Chicago feierten Zehntausende den Sieg. Viele hatten im Veranstaltungszentrum McCormick Place stundenlang mitgefiebert und Obamas Auftritt herbeigesehnt. Vor dem Weißen Haus in Washington fielen Menschen einander in die Arme, schwenkten US-Flaggen und Plakate. Auch am New Yorker Times Square, wo Hunderte die Wahl auf Großleinwänden verfolgt hatten, brach Jubel aus.

 

OBAMA ERFOLGREICHER BEI FRAUEN

 

    Der im Geschäftsleben erfolgsverwöhnte Romney räumte seine Niederlage zögerlich, aber gefasst ein. Erst mehr als eineinhalb Stunden nach der Entscheidung trat der Hoffnungsträger der Republikaner in Boston vor seine enttäuschten Anhänger und gratulierte Obama zur Wiederwahl. Die Wahl sei vorbei, "aber unsere Prinzipien haben weiter Bestand", sagte Romney. Er habe sich so sehr gewünscht, das Land in eine andere Richtung zu führen. Romney bedankte sich auch bei seiner Frau Ann. "Sie wäre eine wundervolle First Lady gewesen."

 

    Wie schon 2008 konnte Obama seinen republikanischen Kontrahenten vor allem bei den Frauen ausstechen. Nach einer Erhebung des Senders CNN stimmten 55 Prozent der Wählerinnen für Obama und nur 44 Prozent für Romney - von den Männern gaben 45 Prozent dem Amtsinhaber ihre Stimme. Allerdings verlor der Präsident sechs Prozentpunkte bei den Wählern unter 30.

 

WEIßE WÄHLTEN MEHRHEITLICH ROMNEY

 

    Abermals sicherte Obamas starker Rückhalt bei den Nicht-Weißen den Demokraten wertvolle Stimmen. Aus der besonders schnell wachsenden Bevölkerungsgruppe der Latinos stimmten 71 Prozent für Obama. Weiße Wähler, die auch diesmal wieder mehrheitlich den Republikaner unterstützten (59 Prozent), machen in den USA nur noch 72 Prozent aller Stimmberechtigten aus - vor 20 Jahren waren es fast 90 Prozent.

 

    Um US-Präsident zu werden, braucht ein Kandidat mindestens 270 der insgesamt 538 Wahlmännerstimmen. In letzten Umfragen hatten Amtsinhaber und Herausforderer sich noch ein Kopf-an-Kopf-Rennen geliefert. Romney schaffte es allerdings bis zuletzt nicht, eine breite Wechselstimmung zu entfachen. Aber auch Obama hatte nach der Euphorie 2008 zeitweise Mühe, die eigene Basis zu mobilisieren. Wirbelsturm "Sandy" half ihm schließlich, sich als zupackender Landesvater und Krisenmanager zu profilieren.

 

DEMOKRATEN HALTEN WEITER MEHRHEIT IM SENAT

 

    Auch in seiner zweiten Amtszeit wird Obama darum kämpfen müssen, Gesetzesvorhaben durch den Kongress zu bringen. Gewählt wurden am Dienstag nicht nur der Präsident, sondern auch alle 435 Mitglieder des Repräsentantenhauses und 33 von 100 Senatoren. Nach vorläufigen Ergebnissen der US-Sender kontrollieren die Republikaner weiter das Repräsentantenhaus. Die Demokraten halten ihre Mehrheit im Senat.

 

    Bis zum Mittwochmittag (Ortszeit) hatten die Demokraten im Abgeordnetenhaus laut dem TV-Sender CNN 192 Sitze, die Republikaner 232. Die restlichen 11 Mandate waren noch offen. Im Senat kamen die Demokraten auf 52 Sitze, die Republikaner auf 45. Außerdem gibt es zwei Unabhängige. Ein Sitz war noch offen.

 

MEHRHEITSFÜHRER IM SENAT BLEIBT DER DEMOKRAT HARRY REID

 

    Der Präsident des Abgeordnetenhauses, der Republikaner John Boehner, konnte seinen Sitz behaupten. Mehrheitsführer im Senat bleibt der Demokrat Harry Reid. "Nun, wo die Wahl vorbei ist, ist es Zeit, (...) zusammenzuarbeiten und Lösungen zu finden", erklärte Reid. "Das amerikanische Volk hat der Strategie der Behinderung, des Stillstands und der Verzögerung eine deutliche Absage erteilt."

 

    Die Republikaner hatten bei den Kongresswahlen 2010 die Mehrheit übernommen und konnten Obamas Politik dadurch mehrfach ausbremsen. Der US-Präsident ist zwar mit einer Fülle von Kompetenzen und Aufgaben ausgestattet. Allerdings darf selbst der mächtigste Mann der Welt im eigenen Land keine Gesetze ins Parlament einbringen.

 

FISCAL CLIFF

 

    Auf den wiedergewählten Präsidenten warten enorme finanzielle Probleme. Sollten sich Republikaner und Demokraten nicht bis zum Jahresende auf einen Sparkompromiss einigen, treten 2013 automatisch Steuererhöhungen sowie Ausgabenkürzungen in Milliardenhöhe (fiscal cliff) in Kraft. Diese Maßnahmen dürften das Wirtschaftswachstum zusätzlich behindern.

 

    Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gratulierte Obama und lud ihn zu einem Besuch ein. Sie freue sich auf die Fortsetzung der engen und freundschaftlichen Zusammenarbeit, schrieb Merkel am Mittwoch. Als gemeinsame Aufgaben hob sie besonders die Bewältigung der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise, das Engagement in Afghanistan und die Herausforderung durch das iranische Nuklearprogramm hervor.

 

REAKTIONEN AUS ALLER WELT

 

    UN-Generalsekretär Ban Ki Moon erinnerte Obama an die vielen aktuellen Herausforderungen der Weltgemeinschaft wie die Konflikte in Syrien und Nahost. Kremlchef Wladimir Putin nahm Obamas Wiederwahl nach Aussage seines Sprechers "sehr positiv" auf. Russlands Regierungschef Dmitri Medwedew sagte in Anspielung auf den unterlegenen Romney: "Ich bin froh, dass an der Spitze des größten und einflussreichsten Staates nicht ein Mensch steht, der Russland für den größten Feind hält."

 

    Chinas Staats- und Parteichef Hu Jintao schrieb Obama, die Beziehungen zwischen China und den USA hätten in dessen Amtszeit "positive Fortschritte" gemacht. Frankreichs Präsident François Hollande bezeichnete Obamas Wahlsieg als "wichtigen Moment nicht nur für die USA, sondern für die ganze Welt". Der britische Premier David Cameron sagte über Obama: "Ich habe in den letzten vier Jahren gern mit ihm zusammengearbeitet. Und ich freue mich, auch die kommenden vier Jahre mit ihm zu arbeiten. Es gibt viel, was wir tun müssen."/pm/DP/he

 

Anzeige
Anzeige
Börse Stuttgart Anlegerclub

Familienunternehmen: Rendite und Sicherheit!

Zwischen Eigentümern und Managern eines Unternehmens besteht häufig ein Interessenskonflikt hinsichtlich kurz- und langfristiger Ziele. Familien- und eigentümergeführte Unternehmen haben solche Konflikte meist nicht. Für Aktionäre sind solche Unternehmen daher meist eine lohnenswerte Investitionsmöglichkeit. Im neuen Anlegermagazin lesen Sie, welche drei Familienunternehmen einen näheren Blick wert sind.
Anlegermagazin kostenlos erhalten

Heute im Fokus

DAX fester -- Dow im Plus -- Merck-Mittel Avelumab erhält FDA Zulassung zur Behandlung von MCC -- Infineon-Aktie auf 15-Jahreshoch: Ausblick überzeugt -- Aumann, Deutsche Börse im Fokus

Reederei Hapag-Lloyd macht Verlust. Theranos verschenkt Aktien an Investoren - wenn die versprechen, nicht zu klagen. Fondsmanager weiterhin optimistisch für Aktien. Das läuft bei der Deutschen Bank falsch. LEONI-Aktie schließt Gap aus 2015. Russische Notenbank senkt Leitzins. Bundestag beschließt Pkw-Maut.

Umfrage

Welche Risikopräferenz haben Sie beim Kauf eines Wertpapiers? Welcher der drei folgenden Risikoklassen würden Sie sich persönlich zuordnen?

Online Brokerage über finanzen.net

Das Beste aus zwei Welten: Handeln Sie für nur 5 Euro Orderprovision* pro Trade unmittelbar aus der Informationswelt von finanzen.net!
Beliebte Suchen
DAX 30
Öl
Euro US-Dollar
Goldpreis
Meistgesucht
Deutsche Bank AG514000
Daimler AG710000
Volkswagen AG Vz. (VW AG)766403
CommerzbankCBK100
Infineon Technologies AG623100
Allianz840400
E.ON SEENAG99
SAP SE716460
Apple Inc.865985
BASFBASF11
Nordex AGA0D655
Deutsche Telekom AG555750
BayerBAY001
BMW AG519000
Volkswagen St. (VW)766400