aktualisiert: 06.02.2013 21:30
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US-Leitindex S&P 500: Zehn heiße Aktien-Stars

Das unbekannte Universum: US-Leitindex S&P 500: Zehn heiße Aktien-Stars | Nachricht | finanzen.net
Das unbekannte Universum
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Sie sind Börsenschwergewichte, doch kaum ein deutscher Anleger kennt die Titel. Dabei haben einige der Aktien viel Potenzial. Zehn lukrative Titel.
€uro
von Georg Pröbstl, €uro Magazin

Er ist der eigentliche Leitidex der USA. Er läuft besser als der bekanntere Dow Jones. Und er enthält etliche Perlen, die hierzulande allenfalls eingefleischten Börsianern ein Begriff sind: Der S & P 500 ist ein riesiges, aber deutschen Anlegern weitgehend unbekanntes Universum.

Wie aus dem Namen unschwer zu schließen ist, enthält der von der Ratingagentur Standard & Poor’s berechnete Index die Aktien der 500 größten Firmen aus den wichtigsten Wirtschaftszweigen der USA. Dazu zählen Dow-Jones-Giganten wie ExxonMobil, IBM, Walmart oder Apple, das teuerste Unternehmen der Welt. Aber eben auch 470 Unternehmen aus der zweiten Reihe.

Da in den USA alles ein bisschen größer ist als bei uns, hat die zweite Reihe dort nichts mit Mittelständlern zu tun, wie sie im MDAX und SDAX zu finden sind. Allein 390 S & P-Mitglieder kommen auf einen Börsenwert von über fünf Milliarden Euro und würden damit den kleinsten DAX-Konzern Lanxess aus dem deutschen Leitindex verdrängen.

Da der Dow Jones wie der DAX nur 30 Mitglieder zählt, aber an der US-Börse mehr als 30 Firmen über 100 Milliarden Dollar wert sind, bleibt im Bluechip-Index sogar manches Mega-Unternehmen außen vor: Berkshire Hathaway etwa bringt mit einer Marktkapitalisierung von über 200 Milliarden Dollar doppelt so viel auf die Börsenwaage wie Volkswagen — der einzige deutsche Konzern, der in US-Dollar gerechnet mehr als 100 Milliarden wert ist.

Die Wucht in Dosen.
Während über Berkshire Hathaway wegen des legendären Gründers und Unternehmenslenkers Warren Buffett in deutschen Medien noch recht häufig berichtet wird, muss man nur ein klein wenig weiter unten ansetzen, um auf Firmen zu stoßen, die in Europa nur Spezialisten bekannt sind.
Und das, obwohl sie — wie etwa die Ball Corporation — Produkte herstellen, die jeder kennt. Ob Coca-Cola oder Pepsi, ob Löwenbräu oder Warsteiner, ob Mineralwasser oder Red Bull: Alkohol, Mischgetränke und Energizer werden nicht nur in Flaschen verkauft, sondern häufig auch in Dosen. Aus dem Alltag sind sie nicht wegzudenken. Ball ist der weltweit größte Dosenproduzent. 2011 wurden in Europa 51,6 Milliarden Getränkedosen verbraucht, von der 250-Milli-liter-Slimline-Büchse bis zum Fünf-Liter-Partyfass. In Nordamerika waren es 95,2 Milliarden.

Sogar in Schwellenländern wie China und Brasilien sind es jeweils 20 Milliarden Stück im Jahr. In den Industrieländern gibt es wohl kaum einen Verbraucher, der nicht Tag für Tag eine Dose in der Hand hält. Das Unternehmen aus Broomfield in Colorado hat in Europa einen Marktanteil von 30 Prozent. In Brasilien und China sind es zwischen 20 und 30 Prozent, in Nordamerika sogar 41 Prozent. Weit über 60 Milliarden Dosen im Jahr kommen von Ball.

Und nicht nur bei Getränkedosen trumpft das Unternehmen auf. Ball spielt auch eine wichtige Rolle bei der Herstellung von Spraydosen, bei der Produktion von Antennen und technischen Gerätschaften für die Luft- und Raumfahrt. Die Aktie ist seit 1973 an der New York Stock Exchange gelistet — splitbereinigt kostete sie damals 27 US-Cent. Heute notiert der Titel bei 45 Dollar und brachte Anlegern damit seit Notierungsaufnahme ein jährliches Plus von 14 Prozent.

Reihenweise Weltmarktführer.
Unter den potenziellen „DAX-Anwärtern“ im S & P 500 ist gleich eine ganze Reihe von Weltmarktführern zu finden. So wurde der Glas- und Chemiekonzern PPG Industries — ebenfalls nicht im Dow Jones — im Dezember durch den Kauf des US-Farbengeschäfts von Akzo Nobel zum größten Farbenproduzenten der Welt.

PPG übertrifft mit einer Marktkapitalisierung von 21 Milliarden Dollar den Börsenwert der Hälfte aller DAX-Konzerne — zum Teil um das Zwei- bis Dreifache. Auch die Performance der Aktie in den vergangenen zwei Jahrzehnten kann sich sehen lassen: Inklusive Dividenden waren es glatte zehn Prozent im Jahr.

Etwas bekannter ist der Autozulieferer Johnson Controls. Das Unternehmen aus Milwaukee im US-Staat Wisconsin ist mit einem Marktanteil von rund 30 Prozent der weltweit größte Anbieter von Bleibatterien und nahm als erster Hersteller eine Fabrik zur Serienfertigung von Lithium-Ionen-Batterien für Hybrid- und Elektrofahrzeuge in Betrieb.
Firmengründer Warren S. Johnson erfand übrigens 1883 den elektrischen Thermostat. Langfristanleger verbuchten auch mit dieser Aktie ansehnliche Gewinne. In den vergangenen 40 Jahren warf der Wert inklusive Dividende eine Rendite von durchschnittlich acht Prozent ab.

Auch künftig sollte es für Ball, PPG und Johnson gut laufen. Zehn von 27 befragten Analysten empfehlen Johnson Controls zum Kauf, keiner rät zum Verkauf. Bei Ball sagen sechs von zwölf Analysten „kaufen“, sechs Experten „halten“. Noch besser schneidet PPG ab. 14 von 20 Analysten raten zum Kauf.

Auch die weiteren Empfehlungen sind nicht zu verachten: Da findet sich mit Bard der Weltmarktführer für Biopsie — die Untersuchung von menschlichem Gewebe auf Tumore —, ebenso wie Cummins, der weltgrößte Hersteller von Dieselmotoren. Oder die Dover Corporation: Der Mischkonzern setzt auf die vier Segmente Telekommunikation, Energie, Kühlsysteme für Handel und Industrie sowie Produktkennzeichnung. In jedem dieser Segmente strebt Dover die Marktführerschaft an. Das hat die hierzulande fast völlig unbekannte Illinois Tool Works schon geschafft: Das Unternehmen ist zum Bespiel Weltmarktführer bei Wischtüchern.

McKesson wiederum hat sich auf Dienstleistungen und IT im Gesundheitsbereich spezialisiert. Und Praxair spielt in einer Liga mit Linde: Der US-Konzern ist in vielen Regionen Marktführer bei Industriegasen — auch wenn kaum ein deutscher Anleger den Titel kennt, geschweige denn im Depot hat. Bei Whirlpool ist das anders: Zumindest den Namen des weltweit größten Herstellers von Küchengeräten, Waschmaschinen und Trocknern kennt man in Europa.

Positive Stimmung.
Nicht nur für einzelne S & P-500-Werte sind die Analysten zuversichtlich, sie trauen auch dem gesamten Index einiges zu. „Für 2013 erwarten wir einen Anstieg der operativen Umsätze der S & P-500-Mitglieder um mehr als vier Prozent, die Gewinne dürften um über sechs Prozent zulegen“, sagt David J. Kostin, Analyst bei Goldman Sachs. Den Anstieg des kumulierten Gewinns je Aktie taxiert er — unter anderem wegen der in Amerika beliebten Rückkaufprogramme — sogar noch etwas höher, auf etwa sieben Prozent. Daraus errechnet Kostin ein durchschnittliches Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 13,7, was ziemlich exakt dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre entspricht.

Dabei zahlten Anleger schon viel mehr für den S & P 500. Zum Allzeithoch bei 1.565 Punkten im Oktober 2007 lag das durchschnittliche KGV bei 17,2. Und im März 2000 — der Index notierte bei 1.527 Punkten — betrug es sogar 26,8.

„Im Jahr 2014 rechnen wir mit einem Wirtschaftswachstum in den USA von 2,9 Prozent und einem Gewinnanstieg im S & P 500 um weitere 6,5 Prozent“, berichtet der Goldman-Sachs-Analyst. Nicht die schlechtesten Aussichten.

Doch zurück in die Gegenwart: Für dieses Jahr geht der Experte von einem Anstieg des Index auf 1.575 Punkte aus. Zusammen mit erwarteten Dividenden von 2,3 Prozent wäre das eine Jahresrendite von zehn Prozent. Und das muss nicht das Ende der Fahnenstange sein. Denn die Experten von Goldman Sachs unterstellen bei den Indexmitgliedern für dieses und nächstes Jahr nur eine konstante Gewinnmarge von neun Prozent.
Optimistischere Schätzungen gehen von einem Anstieg der Margen der 500 S & P-Konzerne auf bis zu 10,1 Prozent im kommenden Jahr und einem Gewinn von umgerechnet 126 Indexpunkten aus. Selbst wenn keine Börseneuphorie aufkommt und der Markt nur zum aktuellen KGV bewertet wird, wären damit im nächsten Jahr Indexstände von 1.750 Punkten drin. Der S & P-500-Index ist also nicht nur eine wahre Fundgrube für Einzelwerte, sondern dürfte auch insgesamt weiterlaufen.

Mehr Power als der Dow.
Wer nicht auf Einzelwerte setzen will, für den gibt es übrigens noch eine weitere in Deutschland kaum bekannte Anlage: Spiders. Das sind ETFs auf den S & P 500 im Verhältnis 1:10. Für Anleger, die auf den gesamten Index setzen wollen, ist der Spider (ISIN: US 784 62F 103 0) wegen der enormen Liquidität ideal. Täglich werden an der New York Stock Exchange Spiders im Wert von über 15 Milliarden Dollar gehandelt. Sie können übrigens auch in Deutschland geordert werden.

Und das dürfte sich lohnen. Denn seit dem Start bei zehn Punkten anno 1941 kletterte der Index um das 145-Fache. Das entspricht einem Plus von 7,4 Prozent im Jahr. Da die Dividenden beim S & P 500 nicht miteingerechnet werden, kommen noch mal gut zwei Prozent Dividende obendrauf — zusammen also rund 9,5 Prozent jährliche Rendite.

Damit lässt der S & P 500 sogar den prominenteren Dow Jones hinter sich. Der weltweit bekannteste Index brachte es im selben Zeitraum ohne Dividenden „nur“ auf ein jährliches Plus von 6,8 Prozent im Jahr. Der S & P 500 ist und bleibt eben der eigentliche US-Leitindex.

Bildquellen: Odua Images / Shutterstock.com, justasc / Shutterstock.com

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