Versorgeraktien sind eine sichere Bank. Diese Börsenweisheit hält sich hartnäckig, auch wenn sie nicht unbedingt den Tatsachen entspricht. Versorgerunternehmen sind den Konjunkturzyklen unterworfen wie andere Unternehmen auch. Sie müssen eine Vielzahl regulatorischer Maßnahmen über sich ergehen lassen und schieben oftmals einen großen Schuldenberg vor sich her. Dennoch gehören Versorgeraktien zur Grundausstattung vieler Depots. So auch die italienische Enel.
Italiens Branchenprimus
Enel ist der größte Energieversorger in Italien und zugleich der zweitgrößte Versorger Europas. Allerdings gehört Enel auch zu der Gattung von Unternehmen, die in den letzten Jahren stark im Ausland expandierten – z. B. Endesa in Spanien – und das ganze auf Pump finanzierten. Nun sitzt das Unternehmen, das noch zu rund einem Drittel dem italienischen Staat gehört, auf dem gigantischen Schuldenberg von 61,7 Milliarden Euro und muss um sein Single-A-Rating bangen, nicht zuletzt weil 2010 ein Kredit von elf Milliarden Euro fällig wird. Nun hat der Konzern die Notbremse gezogen.
Kapitalerhöhung und Verkäufe
Eine große Erleichterung ist eine neue Regelung bei der Übernahme der restlichen Endesa-Anteile von Acciona. Die neue Finanzierung läuft nun bis 2016 und verschafft Enel damit wertvolle Zeit. Durch eine Kapitalerhöhung kamen zudem acht Milliarden Euro in die Kassen und durch den Verkauf von 80 Prozent an der Enel-Gasnetzinfrastruktur nochmals 480 Millionen Euro. Allerdings ist der Preis hoch. Die Kapitalerhöhung wird zu einem sehr hohen Abschlag durchgeführt. Offenbar sah die Unternehmensleitung ansonsten keine Möglichkeit, sie voll zu platzieren. Dennoch ist Enel immer noch ein attraktives Investment. Trotz sinkender Umsätze konnte im ersten Quartal 2009 der operative Gewinn (EBITDA) um zwölf Prozent gesteigert werden. Auch die hohe Dividendenrendite sollte sich stützend auswirken. Sollte es dem Unternehmen gelingen, die Investoren von der Nachhaltigkeit des Schuldenabbaus zu überzeugen, dann könnte dies die Basis für ein Ende des Abwärtstrends sein.
Fazit:
Enel ist zwar keine sichere Bank, aber dennoch einen Blick wert. Schuldenstand und Konjunkturabschwung auf der einen Seite sowie hohe Margen und Dividenden auf der anderen Seite stehen sich gegenüber. Charttechnisch hat die Enel-Aktie eine lange Talfahrt hinter sich. Bei drei Euro konnte jedoch ein Boden gefunden werden. Ausgehend von diesem Niveau hat die Aktie einen Angriff auf den langfristigen Abwärtstrend gestartet. Im DaxVestor zeigen wir Ihnen, wie Sie mit einem Bonus-Zertifikat mit der Enel-Aktie bis zum Jahresende eine Rendite von mehr als 25 Prozent erzielen können.
Stefan Böhm (Diplom-Volkswirt) ist Chef-Redakteur des DaxVestor Börsenbriefs. Weitere Informationen finden Sie unter: www.dax-vestor.de
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