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12.12.2012 09:45

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von Stephan Bauer, €uro am Sonntag

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Bye, bye Pennystocks: Großputz in Frankfurt

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Bye, bye Pennystocks: Großputz in Frankfurt
Die Deutsche Börse räumt das am wenigsten regulierte Handelssegment auf. Mehr als 700 Aktien fallen am 17. Dezember aus dem First ­Quotation Board. Worauf Aktionäre jetzt achten müssen.

von Stephan Bauer, Euro am Sonntag

Die Deutsche Börse fegt kurz vor dem Jahreswechsel kräftig durch: Zum 15. Dezember schließt das sogenannte First Quotation Board in Frankfurt. Im regulatorisch anspruchslosesten Segment des Freiverkehrs werden nach Schließung — neben einer ganzen Reihe von Schuldverschreibungen — die Aktien beziehungsweise Aktien vertretenden Zertifikate (ADRs oder GDRs) von derzeit 710 Firmen zum 17. Dezember von der Kursliste gestrichen.

Für die Aktionäre der betroffenen Firmen — darunter viele Pennystocks aus Großbritannien oder Kanada, die keine Erstnotiz im Heimatmarkt vorweisen können — gilt es jetzt, sich schnellstmöglich über die von den jeweiligen Unternehmen geplanten Schritte zu informieren. Es gehören auch bekannte deutsche Unternehmen wie Solar Millennium dazu, die sich inzwischen in Insolvenz befinden.

Ein Beispiel für ein Delisting eines aktiven Unternehmens ist die Aktie des Bergbauausrüsters Hansen Sicherheitstechnik. Hintergrund für den Abschied von der Frankfurter Börse ist in diesem Fall die Übernahme durch das polnische Unternehmen Kopex. Hier hatten wir bereits im Januar geraten, die Offerte anzunehmen. Wer noch investiert ist, sollte jetzt aussteigen.

Viele Aktien sind auch an anderen deutschen Handelsplätzen gelistet. Der Rauswurf der Papiere in Frankfurt kann indes zur Folge haben, dass ihre Notierung auch an anderen Börsenplätzen eingestellt wird. „Wenn die Voraussetzung für die Zweitnotiz in Stuttgart die Erstnotiz in Frankfurt war, dann verschwinden die Papiere auch hier vom Kurszettel“, sagt etwa Christoph Boschan, Vorstand der Börse Stuttgart.

Anleger sollten trotzdem nicht überhastet verkaufen. Ein Wechsel in stärker regulierte Segmente des Freiverkehrs wie den Entry Standard oder den amtlichen Handel ist — bei Erfüllung strengerer Transparenzanforderungen — möglich.

Daher finden sich in der aktuellen Delisting-Aufstellung der Deutschen Börse (s. Verweis unten) auch Unternehmen, die keinen endgültigen Abschied vom Handelsplatz Frankfurt planen. Ein Beispiel: Der österreichische Wettanbieter Bet-at-Home steht aktuell noch auf der Abschiedsliste. Der Wechsel ins anspruchsvollere Entry-Standard-Segment ist aber laut Unternehmen bereits beantragt.

Die Prüfung der Voraussetzungen der Deutschen Börse und parallel dazu die Beantwortung eines Fragenkatalogs der Finanzmarktaufsicht Bafin laufen. „Wir gehen davon aus, dass wir planmäßig mit 15. Dezember in den Entry Standard der Börse Frankfurt wechseln werden“, verlautbart das Unternehmen, dessen Aktie auch in Wien gelistet ist.

Wildwuchs auf dem Parkett
Auslöser des Großreinemachens des Handelsplatzbetreibers ist der Wildwuchs an unseriösen Firmen, die sich in dem Segment tummelten. Hier wurden auch solche akzeptiert, die keine Internetadresse hatten, geschweige denn regelmäßig Quartalsberichte veröffentlichten. Deshalb häuften sich die Betrugsfälle, wiederholt wurden Kurse von Scheinfirmen, die zwar eine Börsennotiz, aber kein wirkliches Geschäft hatten, über Anzeigen oder Börsenbriefe in die Höhe getrieben. „Es gab massive und häufige Verdachtsfälle auf Marktmanipulation. Die Neusegmentierung verbessert den Anlegerschutz“, sagt ein Börsensprecher.

2008 war das First Quotation Board gegründet worden, um kleine­ren Unternehmen und Mittelständlern den Zugang zum deutschen Kapitalmarkt zu erleichtern. Bereits Anfang 2011 wurden die Anforderungen für die Börsennotierung verschärft.

Ab dem 15. Dezember wird zudem aus dem Second Quotation Board das sogenannte Quotation Board — ein Segment, das weiterhin für Unternehmen gedacht ist, deren Aktien bereits an einem anderen nationalen oder internationalen Handelsplatz zugelassen sind. Für vom Delisting bedrohte Unternehmen gibt es somit auch die Möglichkeit, sich für das Quotation Board zu qualifizieren.

Quotation Board und Entry Standard, der für Erstnotierungen vorgesehen ist, bilden künftig den Freiverkehr der Deutschen Börse.

Hier finden Sie weitere Infos zum Delisting:
www.boerse-frankfurt.de/om

Bildquellen: Wolfgang Kriegbaum

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