TOKIO (dpa-AFX) - Der Computerhersteller Dell verspricht sich von der erwarteten Übernahme des Konkurrenten Sun Microsystems gute Geschäfte. "Alleine die Spekulation, dass IBM möglicherweise Sun kaufe, birgt eine enorme Chance für uns", sagte Konzernchef Michael Dell am Dienstag in Tokio. "Alle Sun-Kunden sind sehr besorgt darüber, was mit der Solaris-Plattform und den Sparc-Prozessoren passieren wird." Dell erwartet, dass in der Folge viele Anwender von der speziellen Sun-Hardware zur Standard-Technik aus dem eigenen Hause überlaufen.
Laut "Wall Street Journal" prüft IBM derzeit die Bücher des Wettbewerbers Sun. Die Zeitung erwartet in Kürze ein Angebot über mindestens 6,5 Milliarden Dollar. Das wäre mehr als das Doppelte des Börsenwerts vor Bekanntwerden der IBM-Ambitionen. Laut dem Blatt hat Sun selbst seit Monaten nach einem Käufer gesucht. IBM biss demnach an. Der Konzern hat den Abschwung dank seines starken Servicegeschäfts wesentlich besser verkraftet als die schon seit Jahren schwankende Sun.
STANDARD-TECHNIK HÄLT EINZUG
Beide Konzerne stellen Hochleistungsrechner her. Die leistungsstarken Computer kommen in Unternehmen zum Einsatz, über sie läuft auch der Datenverkehr im Internet. IBM ist nach Angaben des Marktforschers IDC mit gut 30 Prozent der Marktführer, dicht gefolgt von Hewlett-Packard . Dahinter folgen nahezu gleichauf mit jeweils etwas mehr als 10 Prozent Dell und Sun.
Die Gewinne in dem Geschäft sind jedoch in den vergangenen Jahren stetig geschrumpft, weil sich die Technik der großen Computer immer mehr der von Heimrechnern annähert. Das macht es auch Quereinsteigern wie Dell möglich, ein Stück vom Markt erobern. Kürzlich hatte auch noch der Netzwerkausrüster Cisco Systems bekanntgegeben, künftig Server bauen zu wollen. Cisco hat sich dafür unter anderem mit Intel und dem Windows-Hersteller Microsoft verbündet. IBM und Sun hingegen entwickeln ihre Prozessoren und Software zum Großen teil selbst./RX/das/wiz