aktualisiert: 27.12.2012 10:22
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Kehraus zum Jahresende: Wie Anleger vom Aktien-Ausverkauf profitieren

Depot-Optimierung
In den letzten Sekunden des Jahres kehren Fondsmanager die schlechtesten Aktien aus ihren Depots. Wer pünktlich auf die Verlierer setzt, kann viel gewinnen.
€uro am Sonntag

von Lars Winter, Euro am Sonntag

Wenn sich das Kalenderjahr dem Ende zuneigt, gibt es an der Börse ein festes Ritual: Das sogenannte Window Dressing. Mit gezielten Transaktionen bringt die Fondsbranche kurz vor Silvester ihre Depots noch auf Vordermann. Spätestens zur Schlussauktion des laufenden Jahres — dieses Mal am 28. Dezember — werden die Titel verkauft, die in den vergangenen zwölf Monaten am schlechtesten abgeschnitten haben.

Hinter dieser Portfoliokosmetik steckt ein simpler Grund: Gewiefte Fondsmanager, die eigentlich saure Gurken im Depot hatten, können Anlegern auf diese Weise vorgaukeln, sie hätten im abgelaufenen Börsenjahr erst gar nicht auf die Verlierer der Saison gesetzt. Werden die Aktien noch bis Silvester verkauft, tauchen die Papiere später im jährlichen Rechenschaftsbericht nicht mehr auf.

Der finale Ausverkauf der Rohrkrepierer führt bei vielen Ausschusskandidaten oftmals zu übertrieben hohen, teilweise prozentual zweistelligen Kursverlusten. Die kräftigen Abschläge rufen zu Jahresbeginn Schnäppchenjäger auf den Plan, die mit ihren Aktienkäufen die Kursdellen der Vorjahresverlierer meist schnell wieder ausbügeln. Das bedeutet für diese Titel oft hohe Kursgewinne in den ersten Januar-­Wochen.

Für risikobereite Anleger kann es sich also lohnen, am Jahresende die größten Verlierer zu kaufen und die Papiere innerhalb der ersten Handelstage im neuen Jahr wieder abzustoßen. Wer die „Silvesterwetten“ eingehen will, muss am 28. Dezember unlimitierte Kaufaufträge in der Schlussauktion auf Xetra platzieren. Diese beginnt Punkt 14 Uhr, frühestens fünf Minuten später erfolgt die endgültige Preisfeststellung.

Um Anlegern die Suche nach Aktien für die Jahresendtrades zu erleichtern, stellt €uro am Sonntag acht verlustträchtige Aktien aus DAX, MDAX, SDAX und TecDAX vor.

Attraktive Wertvernichter
Die größten Verlierer 2012 unter den 160 deutschen Indexaktien sind die beiden Solartitel Solarworld und SMA Solar. Beide Aktien büßten auf Jahressicht jeweils mehr als die Hälfte ihres Werts ein und werden deshalb vor Silvester noch aus einigen Profidepots verschwinden. Da beide Papiere auf dem ausgebombten Kursniveau aber immer wieder als heiße Turnaround-Kandidaten gehandelt werden, dürften im neuen Jahr einige spekulative Investoren durchaus erneut zugreifen.

Arg gebeutelt wurden 2012 auch die Aktien von Delticom und Ströer Out-of-Home. Auf Jahressicht haben sich beide SDAX-Titel ebenfalls mehr als halbiert und sind somit für das alljährliche Window Dressing prädes­tiniert. Vor allem beim Reifenspezia­listen Delticom könnte es 2013 wieder aufwärtsgehen. Die Reifenbranche rechnet zumindest wieder mit einem Wachstum von sechs Prozent.

Die größten Verlierer im MDAX sind Wacker Chemie und Metro. Der Handelskonzern gehörte schon im Vorjahr zu den Nieten der Saison. Nachdem er 2011 gut 50 Prozent einbüßte, ging es in diesem Jahr nochmals um 20 Prozent bergab. Kaum ein Fondsmanager wird im Jahresbericht diesen Rohrkrepierer ausweisen wollen. Die niedrigen Kurse dürften aber bald die ersten Schnäppchenjäger auf den Plan rufen.

Eine Wette wert sind auch die Papiere von Eon und der Deutschen Telekom, die einzigen DAX-Aktien mit negativer Entwicklung 2012. Auch wenn beide Konzerne große Probleme haben und sinkende Dividenden in Aussicht stellten, gibt es Lichtblicke. Die Eon-Aktie wird gut ein Fünftel unter Buchwert gehandelt und verfügt allein wegen dieses Bewertungsabschlags über Erholungspotenzial.

Acht Verlierer mit Aufholpotenzial

Delticom ISIN: DE0005146807
Deutsche Telekom ISIN: DE0005557508
Eon ISIN: DE000ENAG999
Metro Stämme ISIN: DE0007257503
SMA Solar Technology  ISIN: DE000A0DJ6J9
Solarworld ISIN: DE0005108401
Ströer Out-of-Home  ISIN: DE0007493991
Wacker Chemie ISIN: DE000WCH8881

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