DAX6.050-3,4%  Dow12.170-1,8%  Euro1,23880,2% 
ESt502.069-2,4%  Nas2.765-2,2%  Öl98,36-3,2% 
TDax730,9-2,7%  Nikkei8.440-1,2%  Gold1.6173,6% 
Kurse + Charts + RealtimeNews + AnalysenFundamentalUnternehmenzugeh. WertpapiereAktion
Kurs + ChartChart (groß)News + AdhocBilanz/GuVTermineZertifikateDepot
Times + SalesChart-AnalyseAnalysenDividende/HVProfilOptionsscheineWatchlist
BörsenplätzeChartvergleichKurszieleVergleichInsidertradesKnock-outsmyHome
OrderbuchRealtime StuttgartRSS FeedAnalyseim ForumFondsSenden/Drucken
HistorischRealtime PushmyNews neuAusblickIR-DatenAnleihen
handeln

aktualisiert: 07.11.2011 16:23

Senden
DEUTSCHE AKTIEN

Kabel fürs Internet: Die Schlacht ums Netz

Deutsche Telekom zu myNews hinzufügen Was ist das?



Das Geschäft von Kabelnetzbetreibern wie Kabel Deutschland gilt als krisenresistent
Mit neuer Software haben Kabelfirmen ihre Netze aufgerüstet und können superschnelles Internet anbieten. Die Telefonkonzerne haben dieser Offensive kaum etwas entgegenzusetzen.

von Klaus Schachinger, €uro am Sonntag

Die nächste große Krise an den Kapitalmärkten sitzt John Malone wohl als Farmer aus. Mit fast einer Million Hektar Land- und Waldbesitz hat der Medienmogul jetzt seinen Freund Ted Turner, den Gründer des US-Nachrichtenkonzerns CNN, als größter Landbesitzer in Amerika überholt. Angeblich will sich Malone, Chef des größten europäischen Kabelnetzbetreibers Liberty Global, mit dem Kauf von Land auch einen Traum verwirklichen und irgendwann zehn Jahre auf einer Ranch verbringen – mit Wald, Weideland und Rindern.

Aber so lange wird es der 70-Jährige aus einem Vorort von Denver dort wohl kaum aushalten. In Europa ist es derzeit besonders spannend. Zu seinem Konzern Liberty Global gehört auch der zweitgrößte deutsche Anbieter Unitymedia. Die Firma betreibt die ehemaligen Kabelnetze der Deutschen Telekom in Nordrhein-Westfalen und Hessen. Mit weiteren Beteiligungen in der Region Benelux (Telenet), in der Schweiz und in Osteuropa ist Kabel-Cowboy Malone mit Liberty Global in Europa bereits die Nummer 1. In einer Branche, die auch in schwachen Konjunkturphasen mit stabilem Wachstum glänzen dürfte.

Krisenresistente Kabelbranche
Für die Ratingagentur Moody’s bleiben die europäischen Kabelnetzbetreiber die einzige Branche mit positivem Ausblick. „Wir erwarten, dass die Kabelnetzbetreiber ihr jährliches Umsatzwachstum von fünf bis sechs Prozent fortsetzen werden“, sagt Moody’s-Analyst Gunjan Dixit. Im Vergleich zum US-Markt sei der Umsatz pro Kunde bei europäischen Anbietern noch sehr gering. Trotz der schwachen Konjunktur geht Moody’s deshalb von einer überdurchschnittlich guten Entwicklung bei Umsatz und Gewinn aus. Die frohe Botschaft für Aktionäre: Durch stabile Margen und einen höheren operativen Gewinn können die Kabelnetzbetreiber ihre zum Teil hohe Verschuldung abbauen und haben zudem Geld für zuverlässige Dividendenzahlungen. Von den Telekomkonzernen, die über schnelle Datenleitungen (VDSL) inzwischen auch Fernsehen via Internet anbieten, drohe auf absehbare Zeit keine stärkere Konkurrenz, sagt Ratingexperte Dixit.

Mit neuer Software böten hochgerüstete Netze der Kabelfirmen im Vergleich zu den schellen Kupferleitungen der Telekoms (DSL) eine 50-fach höhere Kapazität, sagt Hannes Wittig, Analyst bei JP Morgan. Das meiste davon werde zwar für TV-Daten genutzt, für einen gleichzeitig schnelleren Internetzugang mit mehr als 100 Megabit pro Sekunde (siehe Glossar) sei nur ein vergleichsweise geringer Aufwand notwendig, erklärt Branchenexperte Wittig.

Damit könnten Kabelfirmen höhere Geschwindigkeiten, also bessere Qualität, zu günstigeren Preisen anbieten. Im Gegensatz zu VDSL-Netzen aus Kupferkabel, wo die Geschwindig­keit ohne Glasfaser schon ab drei Kilometern Entfernung vom Verteilerkasten stark abnehme, bleibe sie in Kabelnetzen unverändert hoch.

Dank des überschaubaren Aufwands für die Aufrüstung der Datenleitungen können es sich die großen Kabelfirmen leisten, die Angebote der Telekomkonzerne bei schnellen Internetzugängen ohne Einbußen der Profitabilität zu unterbieten. Die Offensive macht sich mit starken Zuwächsen bei Kunden, die ihre TV-Kabel künftig auch als Telefonleitung und schnellen Internetzugang nutzen, deshalb rasch bezahlt. Kabel Deutschland und Kabel BW hatten die Anzahl dieser Kunden bis zum Sommer im Jahresvergleich um jeweils ein Fünftel und ein Viertel erhöht. Wie viel Potenzial für die Telekomherausforderer in den zusätzlichen Diensten für ihre Kunden steckt, zeigt das Beispiel Kabel Deutschland. Von rund 8,8 Millionen TV-Kunden nutzten bis Sommer erst 1,4 Millionen auch Telefonie und Web. Mit dem zusätzlichen Umsatz steigt dank der relativ niedrigen Investitionen auch die Profitabilität. Die Analysten der UBS erwarten eine Verbesserung der operativen Marge vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 23,9 Prozent im aktuellen Geschäftsjahr 2011/12 (bis Ende März) auf mehr als 28 Prozent bis 2014.

Glasfaserleitungen bieten im Vergleich zu den aufgerüsteten Kabel- und VDSL-Netzen höhere Geschwindigkeiten und mehr Datenkapazität. Beim Thema Hochgeschwindigkeits-Glasfasernetze gebe es in Deutschland jedoch gegenläufige Entwicklungen, sagt Andreas Gentner, Telekom- und Medienexperte der Unternehmensberatung Deloitte. Zum einen werde sich der Bedarf an Bandbreite, zum Beispiel durch Videodienste wie Streaming, in den kommenden drei Jahren mehr als verdoppeln. Zum ­anderen wollen die deutschen Verbraucher nicht noch tiefer in die Tasche greifen.


Hier gehts zum aktuellen Heft

Glasfaser ist noch keine Gefahr
Mit etwas mehr als 150.000 vollständigen Glasfaseranschlüssen sind diese Datenleitungen hierzulande kaum verbreitet. Grund: Sie sind viel zu teuer. Während ein Haushalt für 700 Euro an eine VDSL-Leitung angeschlossen werden kann, kostet Glasfaser 1.500 Euro, in einigen Fällen sogar mehr als 3.000 Euro. „Für die heutige Nutzung, hochauflösendes Fernsehen (HDTV) und einen schnellen Internetzugang, reicht die Leistung der Kabelnetze aus. Es ist jedoch schwer abzuschätzen, ob das auch in vier Jahren noch gilt“, meint Gentner.

Ein großer Vorteil der Kabelnetzbetreiber, gegen den vor allem Telekomkonzerne Sturm laufen, sind bisher die exklusiven und langfristigen Vereinbarungen mit vielen Wohnbaugesellschaften. Den Mietern wird damit der Zugang zum Glasfasernetz der Telefongesellschaften oder kommunaler Anbieter verwehrt, weil die Kabelanbieter häufig darauf bestehen, dass nur ihre Leitung fürs Fernsehen genutzt werden darf.

Das ändert sich jetzt offenbar. Im Ringen um die kartellrechtliche Genehmigung der 3,2-Milliarden-Euro-Übernahme von Kabel BW will Malone das Bundeskartellamt mit Zugeständnissen in letzter Minute gnädig stimmen. So sollen die Kabelzugänge für den TV-Empfang nach Ende der Vertragslaufzeit in den Besitz der Wohnungsgesellschaften übergehen. Damit würde der Wohnungseigentümer künftig entscheiden, wer die Dateninfrastruktur nutzen darf. Zudem bietet Malones Tochterfirma Unitymedia an, ihre digitalen TV-Programme nicht mehr zu verschlüsseln. Damit könnten Telekomkonzerne ihr Angebot mit dem des Kabelnetzbetreibers kombinieren.

Bisher ist das Bundeskartellamt der Ansicht, dass die Übernahme von ­Kabel BW ein marktbeherrschendes Oligopol verstärke. Ihr endgültiges Votum wollen die Kartellwächter am 15. Dezember bekannt geben. Sollte die Übernahme scheitern, wäre Kabel BW „ein aussichtsreicher Kan­didat für einen Börsengang“, meint Gentner. Bei der Rendite liegen die Schwaben hierzulande vorn.

Investor-Info

Liberty Global
Poker mit Kartellwächtern

Nach Zugeständnissen hofft Liberty Global auf die Zustimmung des Bundeskartellamts zum Kauf der deutschen Nummer 3 der Branche, Kabel BW. Mit gut 230 Millionen US-Dollar Nettogewinn bei 10,3 Milliarden Umsatz wird Liberty nach Analystenschätzungen 2011 die Verlustzone verlassen. Für das kommende Jahr erwarten Analysten fast eine Verdoppelung des Gewinns auf 400 Millionen Dollar. Keine Dividende.

Kabel Deutschland
Musterschüler der Branche

Fürs laufende Geschäftsjahr (bis Ende März) stellt Kabel Deutschland (KDG) knapp sieben Prozent Wachstum auf 1,7 Milliarden Euro Umsatz in Aussicht. Mit 130 Millionen Euro Nettogewinn soll der Sprung in die schwarzen Zahlen gelingen. Quartalszahlen kommen am 15. November. Mit dem schnellen Abbau der Verschuldung sei der Konzern der Musterschüler der Branche, lobt Credit-Sights-Analyst Chris Ucko. KDG will mindestens 1,50 Euro Dividende zahlen.

Telenet Group
Hohe Dividendenrendite

Nicht nur John Malone, dessen Konzern Liberty Global gut 50 Prozent der Telenet Group gehören, freut sich über mehr als 15 Prozent Dividendenrendite. Zwar erwarten die Belgier nur 5,5 Prozent Umsatzwachstum für 2011 – die Untergrenze der Prognose. Bei der ­Profitabilität will Telenet mit einer operativen Marge (Ebitda) von 52,5 Prozent jedoch stärker zulegen.

Glossar
Bits, Kupfer und Glasfaser

Docsis: Data over Cable Service Interface Specification. Die aktuelle Version der Software für Kabelmodems ermöglicht Datengeschwindigkeiten von bis zu 400 Megabit pro Sekunde (MBit/s). Kabelkonzerne bieten 100 MBit-Leitungen für TV und Internet für etwa 40 Euro im Monat an. Für zwei Kanäle hochauflösenden TV-Empfang (HDTV) reichen 20 bis 30 MBit/s.
VDSL: Very High Speed Digital Subscriber Line. Mit Version 2 können in den Kupferleitungen der Telekom-Anschlüssse (letzte Meile) bis zu 100 MBit/s erreicht werden. Die Datengeschwindigkeit fällt mit zunehmender Entfernung vom Verteilerkasten deutlich ab.
FTTH Fiber to the Home. Verlegen der Glasfaser bis in die Wohnung. Damit sollen Datenraten von bis zu 1000 MBit/s möglich sein. Im Vergleich zu VSDL mit 700 Euro pro Haushalt ist Glasfaser viel teurer (1.500 bis 3.000 Euro). Höchstens in Ballungsgebieten rentabel.

Kommentare zu diesem Artikel

Geben Sie jetzt einen Kommentar zu diesem Artikel ab.
 Kommentar hinzufügen 
  • Relevant
    2
  • Alle
    3
  • vom Unternehmen
  • Sprache:
  • Alle
  • DE
  • EN
  • Sortieren:
  • Datum
  • meistgelesen
Um Ihnen die Übersicht über die große Anzahl an Nachrichten, die jeden Tag für ein Unternehmen erscheinen, etwas zu erleichtern, haben wir den Nachrichtenfeed in folgende Kategorien aufgeteilt:

Relevant: Nachrichten von ausgesuchten Quellen, die sich im Speziellen mit diesem Unternehmen befassen
Alle: Alle Nachrichten, die dieses Unternehmen betreffen. Z.B. auch Marktberichte die außerdem auch andere Unternehmen betreffen
vom Unternehmen: Nachrichten und Adhoc-Meldungen, die vom Unternehmen selbst veröffentlicht werden

Deutsche Telekom AG zu myNews hinzufügen Was ist das?
  • Alle
  • Buy
  • Hold
  • Sell
29.05.12Deutsche Telekom neutralJ.P. Morgan Cazenove
16.05.12Deutsche Telekom haltenHamburger Sparkasse AG (Haspa)
11.05.12Deutsche Telekom holdING
11.05.12Deutsche Telekom kaufenNorddeutsche Landesbank (Nord/LB)
11.05.12Deutsche Telekom haltenIndependent Research GmbH
11.05.12Deutsche Telekom kaufenNorddeutsche Landesbank (Nord/LB)
10.05.12Deutsche Telekom buySociété Générale Group S.A. (SG)
08.05.12Deutsche Telekom buySociété Générale Group S.A. (SG)
24.04.12Deutsche Telekom buyNomura
13.04.12Deutsche Telekom buyNomura
29.05.12Deutsche Telekom neutralJ.P. Morgan Cazenove
16.05.12Deutsche Telekom haltenHamburger Sparkasse AG (Haspa)
11.05.12Deutsche Telekom holdING
11.05.12Deutsche Telekom haltenIndependent Research GmbH
10.05.12Deutsche Telekom neutralSarasin Research
01.02.12Deutsche Telekom underperformCredit Suisse Group
21.12.11Deutsche Telekom underperformCredit Suisse Group
08.11.11Deutsche Telekom sellGoldman Sachs Group Inc.
17.08.11Deutsche Telekom sellGoldman Sachs Group Inc.
05.07.11Deutsche Telekom sellGoldman Sachs Group Inc.
Um die Übersicht zu verbessern, haben Sie die Möglichkeit, die Analysen für Deutsche Telekom AG nach folgenden Kriterien zu filtern.

Alle: Alle Empfehlungen
Buy: Kaufempfehlungen wie z.B. "kaufen" oder "buy"
Hold: Halten-Empfehlungen wie z.B. "halten" oder "neutral"
Sell: Verkaufsempfehlungn wie z.B. "verkaufen" oder "reduce"

AKTIEN IN DIESEM ARTIKEL

ANZEIGE

ANZEIGE

Was halten Sie von nutzergenerierten Chartanalysen auf finanzen.net?
Ich würde liebend gerne mein Wissen über Chartanalyse dem Publikum von finanzen.net zur Verfügung stellen.
Ich kenne mich bei Chartanalyse nicht so gut aus, halte nutzergenerierte Chartanalysen aber für einen echten Mehrwert.
Ich halte nichts von den Methoden der Chartanalyse und habe deshalb auch kein Interesse an nutzergenerierten Analysen.
 Abstimmen