von Wolfgang Ehrensberger, Euro am Sonntag
Der sogenannte Finanzstabilitätsrat (FSB) hat im Auftrag der G 20-Staaten die Deutsche Bank als eines der vier gefährlichsten Geldhäuser der Welt eingestuft — und deshalb zusätzliche Eigenkapitalpuffer verlangt. Nach Einschätzung von Experten erhöht das jedoch nicht den Druck auf das Geldhaus zu weiteren Kapitalmaßnahmen, über die seit Monaten spekuliert wird. „Laut FSB müsste die Deutsche Bank von 2016 an einen zusätzlichen Kernkapitalpuffer von 2,5 Prozent aufbauen, um bis 2019 auf eine Mindestausstattung von 9,5 Prozent zu kommen“, erläutert Konrad Becker von Merck Finck. „Nach eigener Planung will die Deutsche Bank jedoch bis März 2015 auf eine Kernkapitalquote nach Basel III von über zehn Prozent kommen; sie liegt also bereits zwei Jahre früher über den neuen Anforderungen.“
Munition für Kritiker
Gravierendere Auswirkungen könnten sich laut Becker jedoch im Hinblick auf die öffentliche Wahrnehmung des Instituts ergeben: „Die Bank darf also auf keinen Fall in Konkurs gehen, das heißt, sie wird auch mit allen Mitteln — auch staatlichen — gerettet werden. Die Einstufung könnte auch Kritikern der Bank neue Munition liefern, nach dem Motto: Da sieht man mal wieder, dass die Bank mit ihrem Investmentbanking ein sehr riskantes Geschäft betreibt.“
Der FSB hatte am Donnerstagabend eine Liste der weltweit systemrelevanten Banken veröffentlicht. In der höchsten Kategorie tauchen vier Häuser auf: Neben der Deutschen Bank sind das noch die US-Institute Citigroup und JP Morgan Chase sowie die britische HSBC. Diese Banken stellen demnach bei einem Zusammenbruch eine Gefahr für das weltweite Finanzsystem dar.
Für die Einstufung spielte nicht nur Größe eine Rolle, sondern auch internationale Vernetzung. Bemerkenswert ist, dass ausgerechnet Universalbanken mit Privatkundensparte in diese Kategorie fielen, reine Investmentbanken aber nicht.
Diskussion über Geschäftsmodell
Nach Einschätzung von Bankenprofessor Hans-Peter Burghof wird die Deutsche Bank nun selbst verstärkt darauf achten, ob sie einige kapitalintensive Geschäfte lieber zurückfährt oder aufgibt. Für Wirbel haben diese Woche Äußerungen des Bankanalysten Dieter Hein gesorgt, der der Deutschen Bank Schönrechnerei ihres Investmentbankings vorwarf und eine Aufgabe dieses Geschäftsfelds forderte.
Analyst Becker dazu: „Ich halte nichts davon, wenn jetzt Forderungen aufkommen, die Bank solle sich vom Investmentbanking trennen, weil damit kein Geld mehr verdient werden kann. Der Universalbankansatz ist bei allen Mängeln grundsätzlich ein sinnvolles Geschäftsmodell. Und die Deutsche Bank kann vom gerade angekündigten Rückzug der UBS aus dem Investmentbanking profitieren und selbst in einem schrumpfenden Markt Marktanteile gewinnen.“
Wohin treibt die Commerzbank?
In der Rangliste der 28 global systemrelevanten Institute taucht die längst auf Deutschland fokussierte Commerzbank nicht mehr auf. Nach Einschätzung von Beobachtern nimmt die Herabstufung Druck von der Bank, was deren Kapitalausstattung angeht. Dennoch gilt sie weiterhin als „national systemrelevant“ und dürfte deshalb von den deutschen und europäischen Aufsehern genau beobachtet werden.
Am Donnerstag will das Haus nicht nur die Zahlen zum dritten Quartal 2012 veröffentlichen, sondern seine seit Monaten erwartete neue Strategie vorstellen. Experten vermissen insbesondere eine Strategie, wie das Geldhaus im Privatkundengeschäft mit seinen schwachen Margen Geld verdienen will.