Von Chad Bray
Dow Jones NEWSWIRES
NEW YORK (Dow Jones)--Die Deutsche Bank ist mit sieben weiteren Großbanken in das Visier des New Yorker Generalstaatsanwalts geraten. Zusammen mit den drei großen Ratingagenturen wurden die Institute von Staatsanwalt Andrew Cuomo am Mittwoch zur Beweisauskunft verpflichtet, wie eine mit dem Verfahren vertraute Person am Donnerstag sagte.
Cuomo gehe dem Verdacht nach, dass die Banken den Ratingagenturen gegenüber falsche Angaben zu hypothekenbesicherten Wertpapieren gemacht haben, um bessere Ratings für die Wertpapiere zu bekommen. Noch befänden sich die Ermittlungen in einem frühen Stadium, sagte der Informant. Deshalb sei unklar, ob sie zivilrechtliche oder strafrechtliche Konsequenzen haben werden.
Kern der Untersuchungen ist das wechselseitige Handeln zwischen den Banken und den Ratingagenturen Standard & Poor's (S&P), Moody's und Fitch bei der Bewertung einer Vielzahl von strukturierten Finanzprodukten. Generalstaatsanwalt Cuomo wolle vor allem die direkte Kommunikation via Emails und Instant Messages zwischen Investmentbankern und jenen Analysten genau in den Blick nehmen, die für die Vergabe der Ratings verantwortlich waren, sagte der Informant.
Neben dem deutschen Branchenprimus hätten die US-Banken Merrill Lynch, Citigroup, Morgan Stanley und Goldman Sachs sowie der französische Credit Agricole und die schweizerischen Banken UBS und Credit Suisse so genannte Subpoenas erhalten, die sie zu detaillierten Auskunft verpflichten. Die Deutsche Bank erklärte wie die meisten anderen Banken, sie werde mit der Staatsanwaltschaft in der Angelegenheit kooperieren.
Die juristische Aufarbeitung der Finanzkrise zieht damit weitere Kreise. Bereits seit einiger Zeit beschäftigen sich US-Börsenaufsicht SEC und die Strafverfolger mit der Rolle der Banken beim Vertrieb der in der Krise so gefährlichen Kreditderivate.
Auch hier stehen zunehmend mehr Institute in Verdacht, Investoren bei Geschäften mit so genannten Collateralized-Debt Obligations (CDO) in die Irre geführt zu haben. So berichtete das "Wall Street Journal" am Donnerstag, dass Strafverfolger und SEC ihre vorläufigen Ermittlungen zu diesem Verdacht auf europäische Banken ausgeweitet haben. Betroffen sind auch hier Deutsche Bank und UBS. Ermittelt werde ferner gegen Citigroup und J.P. Morgan Chase & Co.
Bereits bekannt sind vergleichbare Ermittlungen gegen Goldman Sachs und Morgan Stanley. Mitte April hatte die US-Börsenaufsicht SEC als erstes eine zivilrechtliche Klage gegen die Goldman Sachs erhoben. Daraufhin nahm die Staatsanwaltschaft in Manhattan strafrechtliche Ermittlungen gegen Goldman auf.
In ihrer Klage wirft die SEC der US-Bank vor, Derivate auf Hypothekenkredite vertrieben zu haben, obwohl von Anfang an klar gewesen sei, dass die Papiere an Wert verlieren werden. Parallel zum Verkauf soll das Institut auf einen Kursverfall der Papiere gewettet haben. Goldman Sachs und der beklagte Goldman-Händler haben diese Vorwürfe zurückgewiesen. Erst kürzlich musste CEO Lloyd Blankfein mit weiteren ranghohen Managern vor einem Ausschuss des US-Senats Rede und Antwort stehen, bestritt aber gegen die Interessen der eigenen Kunden gehandelt zu haben.
Einer der Geschädigten von Goldman Sachs soll die deutsche Mittelstandsbank IKB sein, die im Jahr 2007 nur mit massiver staatlicher Hilfe vor dem Zusammenbruch gerettet werden konnte. Fast 150 Mio USD habe die IKB mit Goldman-Papieren verloren, heißt es in der Klageschrift der SEC.
Webseiten: www.sec.gov
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- Von Chad Bray, Dow Jones Newswires;
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(Joe Bel Bruno in New York hat an dem Bericht mitgewirkt.)
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