FRANKFURT (Dow Jones)--Die Deutsche Börse AG will den vergleichsweise wenig regulierten Freiverkehr transparenter machen und so die Anleger besser vor Betrug schützen. Dazu will sie das so genannte First Quotation Board im Open Market der Frankfurter Wertpapierbörse Ende September einstellen. Hier konnten Unternehmen bisher weitgehend unreguliert ihr Erst- oder Haupt-Listing durchführen. Emittenten, wie Aktiengesellschaften, sollen nun zum Wechsel in das strenger regulierte Segment Entry Standard bewegt werden.
Zugleich sollen dort die Anforderungen weiter verschärft werden. Entsprechende Informationen von Dow Jones Newswires hat die Deutsche Börse am Montag auf einer Veranstaltung in Frankfurt bestätigt. "Damit wollen wir die Transparenz erhöhen", sagte Alexander Höptner, zuständig für Market Services bei der Deutschen Börse. Bisherige Maßnahmen hätten nicht ausgereicht.
Michael Zollweg, Leiter der Handelsüberwachung, sagte, es gebe seit zwei bis drei Jahren vermehrt Fälle, die auf hohe kriminelle Energie hindeuteten und weit über das bekannte Maß an Kurs- oder Marktmanipulationen hinausgingen. Diese Fälle zeigten ein "systemisches Risiko" für das Segment an. Ein Marktbetreiber dürfe nicht in den Verruf geraten, dass er das vermeintlich unterstütze, so der Leiter der Handelsüberwachung.
Im Quotation Board des Open Market herrschen bislang die niedrigsten Anforderungen für gelistete Unternehmen. Die Börse will nun, dass im Aktienbereich künftig nur noch solche Titel in diesem Segment gehandelt werden, die ihr Erst-Listing an anderen anerkannten aus- oder inländischen Börsenplätzen haben. Im Entry Standard werden im Unterschied zum Quotation Board des Open Market unter anderem testierte Konzernabschlüsse, Zwischenberichte und detaillierte Lageberichte verlangt. "Wir fordern nichts, was die Unternehmen nicht sowieso schon haben", sagte Höptner. "Allerdings sollen die Unternehmen die geschäftsrelevanten Informationen nun zeitnah in den Markt geben", ergänzt er.
Zusätzlich will die Börse die Transparenz weiter verbessern, indem sie für den Entry Standard eine Prospektpflicht einführt. Dort weisen laut Höptner derzeit bereits etwa 90 Prozent der Unternehmen einen Prospekt vor. Die Prospekte sollen das Gütesiegel der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht BaFin bekommen. Allerdings verweisen Marktteilnehmer darauf, dass die BaFin nur die Vollständigkeit des Prospekts prüft, aber nicht die Richtigkeit der Inhalte. Deshalb könnte ein solches Siegel die Anleger wieder in die Irre führen.
Im Gegensatz zum öffentlich-rechtlich regulierten Markt ist der Open Market ein nicht amtliches, privatrechtliches Segment. Im Open Market der Frankfurter Wertpapierbörse werden neben deutschen Aktien überwiegend ausländische Aktien, Renten deutscher und ausländischer Emittenten, Zertifikate und Optionsscheine gehandelt. Aktien aus über 60 Ländern sind im Open Market notiert.
Die BaFin hat zuletzt vor Wertpapiergeschäften gewarnt, die nicht von den berechtigten Personen in Auftrag gegeben wurden. Dies betrifft laut BaFin insbesondere Geschäfte in illiquiden ausländischen Freiverkehrswerten. Die BaFin hat derzeit 13 betroffene Titel auf ihrer Web-Site angeführt.
-Von Herbert Rude, Dow Jones Newswires;
+49 (0)69 29 725 217, herbert.rude@dowjones.com
(Zu dem Bericht hat Ulrike Dauer beigetragen)
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February 06, 2012 07:39 ET (12:39 GMT)
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