von Jörg Lang, €uro
Ein Zimmer mit Blick auf Venedig – beim Besuch der Stadt der Liebenden gehört Romantik zum Gepäck. Vielleicht ist da das Centurion Palace erste Wahl. Das 5-Sterne-Hotel liegt direkt am Canal Grande, der Blick aus dem Fenster streift den Markusturm. Und mit 50 Zimmern ist das Haus auch kein Massenbetrieb. Allerdings sind für eine Suite mehr als 500 Euro pro Nacht fällig.
Zu einem günstigeren Vergnügen wird der luxuriöse Venedig-Besuch bei einer Buchung über die Internetplattform hotel.de. Hier werden Doppelzimmer schon für weniger als die Hälfte der offiziellen Hotelpreise angeboten.Knallhart kalkulierende Anleger legen meist weniger Wert auf Romantik, sie achten auf jeden Cent. 242 Euro dürfte für manchen nicht die ökonomisch beste Summe für eine Nacht in Venedig sein. Aber auch die werden bei Hotel.de fündig – allerdings bei der Aktie. Ganz nach dem Motto: Erst investieren, dann Gewinne erzielen und davon ein Tophotel buchen. Die Chancen dafür stehen gut, denn die Aktien sind sehr niedrig bewertet.
Doch zunächst ein Blick zurück: Das Jahr 2010 hat viele Anleger überrascht. Im Jahr eins nach der Rezession präsentierten sich die deutsche Wirtschaft und die Börse in Hochform. Der Standardwerte-Index DAX legte um 16 Prozent zu, der kleinere MDAX brachte es gar auf 34 Prozent. Aktien wie BASF, Henkel und Lanxess notieren auf Rekordkursniveau.
Erfolg braucht auch Geduld
Bei den Nebenwerten ist der Börsenaufschwung allerdings nur gebremst angekommen. Trotz guter Geschäftszahlen vieler Unternehmen fehlen Käufer für die Aktien – bisher zumindest. Institutionelle Anleger schauen bei ihren Anlagen vor allem auf jene Aktien, die in einem Börsenindex wie eben im DAX oder MDAX vertreten sind. Bei kleinen Werten sind sie relativ wenig engagiert. Das wirkt sich auch auf die Bewertungen dieser Aktien aus: Während Indexwerte zumindest im historischen Vergleich teils schon wieder recht teuer sind, bieten Firmen, deren Börsenwert unter 100 Millionen liegt, lukrative Anlagechancen. €uro hat zehn aussichtsreiche Aktien mit relativ geringem Börsenwert, sogenannte Microcaps, herausgesucht. Neben mehr Risikobereitschaft, die für diese Investments notwendig ist, gehört aber auch Geduld zum Handwerkszeug bei der Schnäppchenjagd.
Manchmal kann es Monate oder Jahre dauern, bis ein Wert von so vielen Investoren entdeckt wird, dass der Kurs nachhaltig steigt. Clevere Anleger haben die Aktie dann aber schon im Depot. 2010 beispielsweise war das Jahr von Zooplus, einer E-Commerce-Firma, die sich auf den Handel mit Heimtierbedarf spezialisiert hat. Vor einem Jahr noch unbekannt, gehören heute große Fonds zum Investorenkreis. Die Aktie verbesserte sich um 88 Prozent und hat beim Börsenwert die Marke von 100 Millionen deutlich durchschritten.
Davon ist hotel.de noch so weit entfernt wie ein €uro-Redakteur von der Luxussuite. An der Börse bringt es die Internetplattform lediglich auf 49 Millionen Euro. Und es spricht vieles dafür, dass die Aktie deutlich unter Wert gehandelt wird.
Die 2001 gegründete Gesellschaft erzielte im vergangen Jahr bei einem Umsatz von rund 37 Millionen einen Nettogewinn von 1,8 Millionen Euro. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) liegt bei 27, dieser Bewertungsmaßstab ist damit rund doppelt so hoch wie bei Standardwerten. Wer tiefer in das Zahlenwerk einsteigt, erkennt aber Ertragsreserven. Internetplattformen haben relativ geringe operative Kosten. Die beschränken sich auf Informationstechnologie, Miete und Personal. Der Löwenanteil der Ausgaben sind Marketingaufwendungen. Das gilt auch für hotel.de.

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Insbesondere die internationale Expansion kostet Geld. 2011 wird das Portal in 37 Sprachen verfügbar sein. Damit ist das Unternehmen auf Augenhöhe mit großen Konkurrenten wie HRS. Während die direkten Kosten rund 40 Prozent der Erlöse ausmachen, verschlingen die sogenannten sonstigen Ausgaben, die auch das Marketing beinhalten, mehr als die Hälfte der Erlöse. Nimmt dieser Kostenblock in Relation zum Umsatz ab, rentiert sich das Geschäftsmodell entsprechend besser. Das dürfte bei stabiler Konjunkturentwicklung 2012 der Fall sein. Ob der Aktienkurs das vorher antizipieren wird, ist unklar. Zumindest dürfte das Rückschlagrisiko gering sein. Die Bilanz ist mehr als solide. Nach dem dritten Quartal 2010, der letzten veröffentlichten Bilanz, betrugen die liquiden und liquidierbaren Mittel rund 22 Millionen Euro – immerhin fast die Hälfte des Börsenwerts.
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Bildquellen: Julian Mezger