02.01.2013 14:31

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Deutsche lassen sich Konsum mehr kosten


   Von Hans Bentzien

   Die Inflationsentwicklung in Deutschland hat Ende 2012 unerwartet deutlich an Schwung gewonnen, weil die Konsumenten mehr für Reisen und Textilien bezahlen mussten. Der von einigen Beobachtern befürchtete große Inflationsschub steht jedoch nicht bevor. Im Jahresdurchschnitt 2012 ging der Inflationsdruck zurück.

   Getrieben von höheren Preisen einer ganzen Reihe von Waren und Dienstleistungen stiegen die deutschen Verbraucherpreise im Dezember mit einer Jahresrate von 2,1 Prozent. Erwartet worden war eine Inflationsrate auf dem Vormonatsniveau von 1,9 Prozent. Gegenüber dem Vormonat erhöhten sich die Lebenshaltungskosten der Verbraucher um 0,9 Prozent, erwartet worden war ein Anstieg um nur 0,7 Prozent. Die um Energie- und Nahrungsmittelpreise bereinigte "Kernteuerung" erreichte das höchste Niveau seit dreieinhalb Jahren.

   "Für diesen überraschenden und auch für Dezember ungewöhnlich hohen Sprung sind neben den Nahrungsmittelpreisen die Preise für Bekleidung und Reisen verantwortlich. Haushaltsenergie und Treibstoff wurden hingegen erneut billiger", sagte Commerzbank-Volkswirtin Ulrike Rondorf. Sie verwies darauf, dass der Anstieg der Reisepreise im Dezember etwas deutlicher als sonst üblich ausgefallen sei. Dagegen seien die Benzin- und Heizölpreise wie erwartet gesunken.

   Rondorf erwartet, dass sich diese Preissprünge in den nächsten Monaten zumindest teilweise korrigieren werden. Allerdings deutet der Anstieg der Kerninflationsrate auf 1,6 Prozent aus ihrer Sicht darauf hin, dass die Inflation in Deutschland insgesamt an Schwung gewinnt. 2010 hatte diese Rate noch unter 1 Prozent gelegen und im Jahresdurchschnitt von 2012 bei 1,3 Prozent. "Für dieses Jahr erwarten wir nicht zuletzt wegen der schneller steigenden Lohnstückkosten bereits 1,7 Prozent. Dies ist zwar noch kein besorgniserregender Wert, allerdings lässt die für Deutschland zu expansive Geldpolitik befürchten, dass die Raten in den kommenden Jahren über 2% steigen", erläuterte sie.

   Evelyn Herrmann, Volkwirtin bei BNP Paribas, findet vor allem die Entwicklung der Textil- und Schuhpreise bemerkenswert. "Normalerweise sind diese Preise im Dezember von Schlussverkäufen geprägt, aber dieses Mal sieht die Sache anders aus", sagte sie. Auf Basis der vorliegenden Länderdaten sind die Textil- und Schuhpreise nach Herrmanns Berechnung gegenüber dem Vormonat um 1,1 Prozent gestiegen, was der stärkste Anstieg seit Beginn dieser Datenreihe wäre.

   Der für europäische Vergleichszwecke berechnete harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) erhöhte sich gegenüber dem Vormonat um 1,0 Prozent und auf Jahressicht um 2,1 Prozent.

   Trotz des starken Anstiegs im Dezember, im Durchschnitt des vergangenen Jahres ging der Inflationsdruck in Deutschland noch zurück: Gemessen am Verbraucherpreisindex von 2,3 auf 2,0 Prozent und gemessen am HVPI von 2,5 auf 2,1 Prozent.

   Kontakt zum Autor: hans.bentzien@dowjones.com

   DJG/hab/jhe

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   January 02, 2013 08:00 ET (13:00 GMT)

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