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31.01.2012 11:45

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Deutscher Einzelhandel trotz niedriger Arbeitslosigkeit schwach


--Arbeitslosenquote sinkt überraschend auf neues Rekordtief --milde Witterung verstärkt Arbeitsmarkterholung --Schwaches Weihnachtsgeschäft belastet Einzelhandel im Dezember --Einzelhandelsverband erwartet für 2012 erneut Umsatzzuwächse

Von Hans Bentzien Dow Jones NEWSWIRES FRANKFURT (Dow Jones)--Die Lage am deutschen Arbeitsmarkt hat sich zu Jahresbeginn deutlicher als erwartet verbessert, wobei die Arbeitslosenquote ein neues Rekordtief erreichte. Damit setzte sich die seit dem Ende der Rezession 2009 zu beobachtende Entwicklung fort, was sich jüngsten Daten zufolge aber nicht spürbar positiv auf die Einzelhandelsumsätze auswirkte: Das Weihnachtsgeschäft lief nach Einschätzung des Branchenverbands HDE unterdurchschnittlich, der Einzelhandelsumsatz sank im Dezember entgegen den Erwartungen, womit für das vierte Quartal insgesamt ein Minus zu Buche steht.

   Allerdings besteht der private Konsum nicht nur aus dem Einzelhandel. Hoffnung geben zudem das noch immer sehr robuste GfK-Konsumklima und die Erfahrung, dass die Einzelhandelsdaten des Statistischen Bundesamts sehr revisionsanfällig sind, so dass der Dezember möglicherweise etwas besser gewesen ist als bisher angenommen.

   Wie die Bundesagentur für Arbeit mitteilte, sank die Zahl der Arbeitslosen im Januar gegenüber dem Vormonat saisonbereinigt um 34.000. Die von Dow Jones Newswires befragten Volkswirte hatten einen Rückgang um nur 10.000 prognostiziert. Zudem war der Rückgang der Arbeitslosenzahl im Dezember nach revidierten Angaben mit 25.000 noch etwas stärker als zunächst mit minus 22.000 angenommen. Die saisonbereinigte Arbeitslosenquote sank auf 6,7 Prozent. Das war der niedrigste Stand in der 1991 begonnenen gesamtdeutschen Datenreihe. Volkswirte hatten eine Bestätigung des Vormonatswerts von 6,8 Prozent prognostiziert.

   Zwar erhöhte sich die Gesamtzahl der Arbeitslosen im Januar aus jahreszeitlichen Gründen auf 3,082 Millionen von 2,780 Millionen im Dezember, doch fiel dieser Anstieg wegen der bisher milden Witterung nicht so stark aus wie in den Vorjahren. "Das wird natürlich in den nächsten Monaten eine Gegenbewegung verursachen, dafür gibt es auch klare Hinweise von Frühindikatoren", sagte Alexander Krüger, Chefvolkswirt des Bankhauses Lampe. Gleichwohl halte sich der Arbeitsmarkt sehr robust.

   Jörg Zeuner, Chefökonom der Liechtensteiner VP Bank Gruppe, glaubt jedoch nicht, dass das so bleiben wird. "Der Abschwung in Europa wird auch Deutschlands Arbeitsmarkt bald erreichen. Die nachlassende Auslandsnachfrage und die Zurückhaltung im Inland werden sich zunehmend in den Arbeitsmarktzahlen niederschlagen", prognostizierte er.

   Derzeit jedoch ist die Lage außerordentlich gut: Noch nie war die Arbeitslosigkeit in den vergangenen 20 Jahren so niedrig wie jetzt - warum merkt man davon nichts beim Einzelhandel? Ökonom Krüger warnt, dass sich von den Zahlen der BA nicht auf die Qualität der Beschäftigung schließen lasse. "Wir haben keinen Konsumboom zu erwarten", meinte er. Mehr als moderate Wachstumsbeiträge seien nicht drin.

   Commerzbank-Volkswirtin Ulrike Rohndorf verwies zudem darauf, dass der Einzelhandel nicht mal ein Viertel des gesamten Konsums ausmache. "Wir erwarten, dass der private Konsum auch im vierten Quartal leicht gewachsen ist. Die spürbar gestiegene Beschäftigung und ordentliche Lohnzuwächse dürften dafür sorgen, dass der private Konsum die deutsche Wirtschaft 2012 mit einem geschätzten Wachstum von 1,25 Prozent stabilisieren wird", prognostizierte sie. +

   Auch Ökonom Thomas Harjes von Barclays Capital rechnet wegen des guten Konsumklimas damit, dass der private Konsum im laufenden Jahr eine wichtige Wachstumsstütze sein wird. Das GfK-Konsumklima war zuletzt entgegen den Erwartungen deutlich gestiegen. Laut GfK sorgte die gute Beschäftigungsentwicklung unter den Arbeitnehmern für eine sinkende Angst vor Arbeitslosigkeit, was größere Anschaffungen begünstige. Zum anderen stütze die rückläufige Inflation die Konsumneigung.

   Schließlich wirke sich auch die Banken- und Schuldenkrise indirekt auf den Handel aus. Vor dem Hintergrund des fehlenden Vertrauens der Bundesbürger in den Finanzmarkt sowie der historisch niedrigen Zinsen tendierten die Verbraucher eher dazu, ihre finanziellen Mittel in werthaltige Anschaffungen zu stecken, anstatt sie auf die hohe Kante zu legen, analysierten die GfK-Experten.

   Vor diesem Hintergrund erwartet der Einzelhandelsverband HDE, dass die Umsätze im laufenden Jahr preisbereinigt um 0,5 Prozent zulegen werden. Sie würden damit allerdings nur halb so stark wie 2011 zunehmen, als ein Zuwachs von 1,2 Prozent verzeichnet wurde.

-Von Hans Bentzien, Dow Jones Newswires, +49 (0)69 29725 300, Hans.Bentzien@dowjones.com (Natali Schwab hat zu diesem Bericht beigetragen) DJG/hab/sgs (END) Dow Jones Newswires

   January 31, 2012 05:15 ET (10:15 GMT)

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