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14.10.2010 06:00

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DEVISENMARKT

Weltwirtschaft im Währungskrieg


Ausweitung der Geldmenge und Eingriffe am Devisenmarkt: China, Japan und die USA führen den Kampf um Weltmarktanteile zunehmend über ihre Währungen. Wie Anleger damit Gewinne machen können.

von Günter Heismann

Lange war er der Prügelknabe der Devisenmärkte: Im Juni sank der Euro auf ein Tief von 1,20 US-Dollar. Jetzt ist er wieder auferstanden wie Phönix aus der Asche. In den vergangenen vier Monaten hat die Gemeinschaftswährung um rund 17 Prozent auf 1,39 Dollar zugelegt. Auch gegenüber dem chinesischen Yuan und dem japanischen Yen ist der Kurs deutlich gestiegen.Für den Höhenflug des Euro gibt es viele Gründe. In Deutschland und anderen EU-Staaten hat sich die Konjunktur überraschend kräftig erholt. Die anhaltende Flaute in den USA hat sich bislang nicht nach Europa ausgeweitet. Überdies haben sich erst einmal Befürchtungen zerstreut, die Schuldenkrise Griechenlands könne die Währungsunion sprengen.

Die wichtigste Ursache für die Eurostärke besteht aber darin, dass sich die drei stärksten Wirtschaftsmächte der Welt – die USA, China und Japan – anscheinend gegen die Eurozone verschworen haben. Alle drei Länder verfolgen das Ziel, den Wert der eigenen Währung möglichst niedrig zu halten. Sie unterscheiden sich dabei lediglich in ihren Methoden.Der Zweck der Maßnahmen ist stets derselbe: Eine schwache Währung verbilligt die im Land produzierten Güter auf den Weltmärkten; dies verspricht steigende Ausfuhren und sichere Arbeitsplätze. Im Gegenzug verteuern sich aber die Währungen anderer Länder, sodass dort die Ausfuhren sinken und die Beschäftigung gefährdet ist. Aktuell ist vor allem die Eurozone betroffen.

Droht ein Abwertungswettlauf, der die Finanzmärkte abermals in eine schwere Krise stürzen könnte? Dies befürchtet zumindest Dominique Strauss-Kahn, der Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF): Es verbreite sich die Idee, Abwertungen als „Waffe der Politik“ einzusetzen. Brasiliens Finanzminister Guido Mantega spricht gar von einem „weltweiten Währungskrieg“. Auch Europas Politiker sind alarmiert. Man müsse möglichst schnell über eine „Währungsordnung mit ­realistischen Wechselkursen“ sprechen, fordert Bundeskanzlerin Angela Merkel. Und Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy will Gespräche über eine neue Währungsordnung ganz oben auf die Agenda der G 20 setzen, deren Vorsitz er im November übernimmt.

Experten raten freilich dazu, die Dinge nüchtern zu betrachten. „Eine gezielte Manipulation von Wechselkursen können wir bisher nur in Einzelfällen feststellen“, gibt Jörn Quitzau, Volkswirt bei der Berenberg-Bank, zu bedenken. „Man darf nicht alle Staaten über einen Kamm scheren“, meint auch Armin Mekelburg, Devisenexperte bei der Unicredit. „Die grundsätzliche Gefahr eines Abwertungswettlaufs ist freilich nicht von der Hand zu weisen.“ Indizien hierfür gibt es zur Genüge. Zum ersten Mal seit sechs Jahren hat Japans Notenbank kürzlich massiv Dollar angekauft, um die US-Devise zu stärken und gleichzeitig den Yen zu schwächen. Überdies hat die Zentralbank vergangene Woche die Leitzinsen auf null gesenkt. Jetzt können sich Japans Geschäftsbanken kostenlos und fast unbeschränkt mit Liquidität versorgen. Schon vor Japan hat die Notenbank der Schweiz an den Devisenmärkten interveniert, um die Aufwertung des Franken zu stoppen. Letztlich konnten sich die Währungshüter aber nicht gegen die Kräfte des Marktes durchsetzen.

Als ärgster Sünder in der Währungspolitik gilt allerdings China. Nach wie vor ist der Yuan nicht frei handelbar. Die Behörden setzen den Kurs der Währung innerhalb eines schmalen Preisbands fest. Ökonomieprofessor Fred Bergsten, Chef des Peterson-Instituts in Washington, fordert, der Yuan müsse gegenüber dem Dollar um 20 bis 25 Prozent aufgewertet werden. Damit könnten in den USA eine halbe Million neuer Arbeitsplätze entstehen. Die Yuan-Schwäche hat freilich System. „Das chinesische Wirtschaftsmodell beruht auf niedrigen Wechselkursen“, erläutert Berenberg-Experte Quitzau. Die Chinesen überschwemmen die Weltmärkte mit Spielzeug, Bekleidung und Unterhaltungselektronik, die sie vor allem über den Preis verkaufen, nicht über die Qualität. Unter der Flut der Billig­exporte leiden vor allem die USA, die im Handel mit China 2010 voraussichtlich ein Minus von 250 Milliarden Dollar hinnehmen müssen.


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Chinas Regierung verspricht zwar immer wieder, die Wechselkurse zu flexibilisieren. Doch der Yuan wird nur in kleinsten Schritten aufgewertet – seit Juni stieg der Kurs gegenüber dem Dollar gerade einmal um zwei Prozent. Jetzt sind die Amerikaner mit ihrer Geduld am Ende. Am 29. September verabschiedete das Repräsentantenhaus ein Gesetz, das Strafzölle gegen Länder vorsieht, die sich mit der Manipulation ihrer Währungen unfaire Handelsvorteile verschaffen. Das Gesetz muss allerdings noch den Senat passieren.

Freilich tun auch die Amerikaner einiges, um den Wert ihrer Währung möglichst niedrig zu halten. Die US-Regierung interveniert zwar nicht unmittelbar am Devisenmarkt. Doch sie betrachtet mit stillem Wohlwollen, wie die US-Notenbank (Fed) nach Kräften die Geldmenge ausweitet und damit den Dollar schwächt. Experten sind besorgt. „Sollte die Federal Reserve sich auf den Kurs einer weiteren aggressiven quantitativen Lockerung einlassen, kann dies einen destabilisierenden Kollaps des Dollar hervorrufen“, warnt das Institute of International Finance (IIF), in dem mehr als 400 Banken und andere Finanzinstitute vertreten sind.

Das Beispiel zeigt: Bei einem globalen Abwertungswettlauf gibt es im Allgemeinen keine Gewinner, sondern nur Verlierer. Sinken die Wechselkurse, dann verbilligen sich nicht nur die Exporte; zugleich werden die eingeführten Waren teurer. „Die gleichen Menschen, die als Arbeitnehmer von einer Abwertung profitieren, leiden darunter als Konsumenten“, konstatiert Chefvolkswirt Jörg Krämer von der Commerzbank. Ohnehin halten die günstigen Auswirkungen, die eine Abwertung auf Export, Wachstum und Beschäftigung hat, selten lange vor. „In vielen Fällen haben sich diese Effekte bereits nach einem Jahr erschöpft“, sagt Krämer. Denn zum Ausgleich der verteuerten Importgüter fordern die Arbeitnehmer höhere Löhne. Damit aber wird Inflation erzeugt, die ungünstige Auswirkungen auf die gesamte Volkswirtschaft hat.

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Bildquellen: Ursula Dodel
Seite: 12

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Kommentare zu diesem Artikel

kha schrieb:
14.10.2010 17:31:25

China manövrierte sich mit dem Erfolg ihrer Währungspolitik in eine Sackgasse. Eine Revision ist nur sehr langsam möglich wie jede Liberalisierung bei zu hohem Tempo das Land in der Tat in Unruhen stürzen würde. Wer will das?

magicX schrieb:
14.10.2010 09:38:38

Das egoistische Verhalten der Chinesen am Weltmarkt ist typisch und nur der Anfang der Ausnutzung gewonnener Marktmacht. Der Westen blendet noch immer aus, dass es sich dort um ein völlig korruptes System auf Basis einer Partei-Diktatur handelt. Das rächt sich sicherlich. Mut zum Boykott.

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