10.01.2017 14:33
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Commerzbank: Die Rückkehr der OPEC – der Ölpreis in 2017!

Die Rückkehr der OPEC - der Ölpreis in 2017!

Nach der jüngsten OPEC-Sitzung scheint sich der Brent-Ölpreis nachhaltig über der Marke von 50 US-Dollar je Barrel zu etablieren (Grafik 1 – alle Grafiken finden Sie hier). Denn nach monatelangem zähem Ringen hat sich das Ölkartell Ende November 2016 auf eine Produktionskürzung von 1,2 Millionen auf 32,5 Millionen Barrel pro Tag ab Januar 2017 geeinigt. Diese gilt zunächst für sechs Monate, mit der Option, sie um sechs Monate zu verlängern. Mit der Fixierung von Länderquoten und der Einrichtung eines Komitees zu deren Überprüfung hat die OPEC hohe Transparenz geschaffen und somit ihre Glaubwürdigkeit erhöht. Darüber hinaus haben sich auch einige Nicht-OPEC-Länder bereit erklärt, ihre Ölproduktion um insgesamt 560.000 Barrel pro Tag zu kürzen.

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Die Ölmarktperspektiven für 2017 haben sich deutlich verändert. Denn auch ohne Beteiligung der Nicht-OPEC-Länder würde der Ölmarkt bei vollständiger Umsetzung des OPEC-Beschlusses in der ersten Jahreshälfte 2017 erstmals seit Ende 2013 in ein Angebotsdefizit rutschen (Grafik 2 – alle Grafik finden Sie hier). Schließlich würde die OPEC mit einem Schritt 1,2 Prozent des weltweiten Ölangebots aus dem Markt nehmen.

Die erste Frage, die zweifellos zu stellen ist, ist: Wie realistisch ist eine Umsetzung? Wir gehen mindestens von einer Umsetzung in den ersten Monaten des Jahres aus. Dafür sprechen nicht nur die lange Verhandlungszeit, die verbindlichen Länderquoten und das Einsetzen eines Komitees. Dafür spricht auch, dass Saudi-Arabien wegen des geringeren Eigenbedarfs seine Produktion in den Wintermonaten ohnehin zurückfährt, dies aber wohl aus taktischen Gründen bislang nicht getan hat. Die anderen arabischen Golfanrainerstaaten inklusive Irak dürften sich der Kürzung Saudi-Arabiens anschließen. Lediglich dem Iran, Libyen und Nigeria wurden Ausnahmen zugestanden (Grafik 3 – alle Grafiken erhalten Sie hier). Auch Länder wie Venezuela, die stark auf eine Abmachung gedrängt haben, dürften ihren (kleinen) Beitrag leisten. Fraglich ist allerdings, wie lange die Disziplin währt. Das dürfte nicht nur vom Erfolg, sprich Preis abhängen, sondern wesentlich auch vom Verhalten der Nicht-OPEC-Länder.

Produktideen: Faktor-Zertifikate
WKN Typ Basiswert Merkmale
CD4GWA Long Oil Brent Future Mar 2017 Faktor 3
CD4GWH Short Oil Brent Future Mar 2017 Faktor -3

Produktionskürzung in Russland ungewiss

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Entscheidend ist hier allen voran Russland. Energieminister Nowak hat versprochen, das Land würde seine Förderung in der ersten Jahreshälfte 2017 um 300.000 Barrel pro Tag drosseln. Die Produktionserfolge der jüngsten Vergangenheit lassen aber an der Bereitschaft des mittlerweile weltgrößten Ölproduzenten Zweifel aufkommen: Die russische Ölproduktion klettert derzeit von Rekord zu Rekord und erreichte im November 11,21 Millionen Barrel pro Tag. Selbst wenn Russland auf diesem Niveau um 300.000 Barrel pro Tag kürzen würde, läge die Produktion noch immer deutlich höher als im Sommer. Die Produktionserfolge sind zudem vor allem den privaten Ölunternehmen zu verdanken, die bereits weitere Produktionssteigerungen angekündigt haben und für den freiwilligen Verzicht auf diese Einnahmen entschädigt werden müssten. Von daher wäre ein Einfrieren der russischen Produktion auf dem aktuellen Niveau schon als Zeichen des guten Willens zu werten. Kasachstan und Aserbaidschan zählen ebenfalls zu den Ländern, die sich den Kürzungen anschließen wollen, wobei auch Kasachstan seine Förderung dank der Inbetriebnahme des Kashagan-Ölfelds zuletzt ausweiten konnte. In Summe sollten die ehemaligen Länder der früheren Sowjetunion laut IEA nächstes Jahr immerhin 300.000 Barrel pro Tag mehr fördern. Sollten diese Länder die OPEC-Kürzung für sich ausnutzen, um eigene Marktanteile auszubauen, wäre zweifellos die Gefahr groß, dass die OPEC-Disziplin nachlässt und die Mitgliedsländer den Ölhahn wieder aufdrehen.

In den USA dürfte die Produktion wieder anziehen
Außerhalb der Region »droht« zusätzliches Öl vor allem aus Nordamerika: In den USA zeichnet sich bereits eine Trendwende ab. Die US-Energiebehörde EIA korrigierte unlängst ihre Produktionsschätzung für August um gut 400.000 Barrel pro Tag nach oben. Noch sind die Erfolge zwar »nur« im Golf von Mexiko zu verbuchen, während die Schieferölproduktion wohl noch immer fällt. Aber auch hier hat sich das Tempo des Rückgangs bereits merklich verlangsamt. Die EIA sieht den Wendepunkt erreicht. Bislang ist sie allerdings bezüglich der erwarteten Produktionssteigerungen noch sehr vorsichtig. Die Bohraktivitäten haben jedoch schon merklich angezogen. Die Zahl der aktiven Ölbohrungen ist laut dem Öldienstleister Baker Hughes seit einem halben Jahr nahezu ununterbrochen gestiegen (Grafik 4 – die Grafiken erhalten Sie hier). Die zuletzt deutlich gestiegenen Ölpreise schieben weiter an. Zudem hat der designierte US-Präsident Trump versprochen, die Förderung fossiler Energieträger im eigenen Land zu erleichtern. Das könnte das Investitionsklima in der US-Ölindustrie zusätzlich aufhellen. Auch für Lateinamerika ist die IEA noch recht optimistisch, dass sich in Brasilien die Erfolge bei der Rohölproduktion wohl noch etwas fortsetzen werden. Dagegen könnte die brasilianische Ethanolproduktion sinken, was das Ölangebot insgesamt wieder etwas dämpfen würde. Einzig China könnte zu einem Rückgang des Nicht-OPEC-Angebots beitragen. Dort ist die Ölproduktion seit Jahresbeginn aufgrund zu niedriger Preise und staatlicher Anordnungen um 600.000 Barrel pro Tag auf ein 7½-Jahres-Tief von 3,78 Millionen Barrel pro Tag gefallen. Das Loch, welches die OPEC in der ersten Jahreshälfte ins Angebot reißen dürfte, wird also durch andere Anbieter kaum signifikant verkleinert.

Produktideen: Anlagezertifikate
WKN Typ Basiswert Merkmale
CE29ZY Discount-Zertifikate Oil Brent Future Jun 2017 Cap 50,00 USD
CE29ZZ Discount-Zertifikate Oil Brent Future Jun 2017 Cap 52,00 USD

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Nachfrage bleibt robust

Gleichzeitig ist der Bedarf an Öl weiterhin sehr robust. Die IEA rechnet für das Jahr 2017 mit einem Wachstum der globalen Ölnachfrage um 1,3 Millionen Barrel pro Tag. Damit würde die Nachfragedynamik des laufenden Jahres ungefähr beibehalten. In den Industrieländern dürfte der strukturell fallende Trend durch konjunkturelle Impulse aufgefangen werden, sodass per saldo eine stagnierende Nachfrage erwartet wird. Wachsen dagegen wird weiterhin der Bedarf in den Schwellenländern. China ist mit einem Anstieg der Nachfrage um gut 250.000 Barrel pro Tag wohl noch immer wichtigste Triebfeder, obwohl sich das Wachstum hin zu mehr dienstleistungsorientierter Industrie verschiebt. Nachfragetreibend ist die steigende Autoflotte in China. Indiens Ölbedarf wächst mittlerweile fast gleich stark, obwohl der Markt nur etwas mehr als ein Drittel der Größe des chinesischen Markts umfasst.

Wir gehen davon aus, dass die OPEC den Kürzungsbeschluss zunächst größtenteils umsetzen wird. Saudi-Arabien hat ein großes Interesse daran (siehe Infobox “Saudi-Arabien und der OPEC-Strategiewechsel” hier) und würde seine Produktion ohnehin nur wie im Winter üblich zurückführen (Grafik 5 – die Grafiken erhalten Sie hier). Das Überangebot wäre dadurch zunächst aber vom Markt genommen. Das damit zu Jahresbeginn 2017 höhere Ölpreisniveau von deutlich über 50 US-Dollar je Barrel wird aber zu einem schnelleren Anstieg der US-Ölproduktion führen. Auch sind wir skeptisch, dass sich Russland wie versprochen an einer Produktionskürzung beteiligen wird. Die Disziplin der OPEC dürfte daher nachlassen, sodass wir für den weiteren Verlauf des Jahres 2017 von fallenden Ölpreisen ausgehen. Brent dürfte deshalb Ende 2017 weniger als 50 US-Dollar je Barrel kosten. Das Risiko für unsere Prognose liegt darin, dass die OPEC sich nicht an die Kürzungsabmachung hält und ihre Produktion weiter steigert. In diesem Falle würde der Ölpreis im ersten Halbjahr 2017 in Richtung 40 US-Dollar je Barrel fallen. Der Anstieg der US-Ölproduktion würde dann geringer ausfallen und der Ölpreis im weiteren Jahresverlauf leicht steigen.

Eine Analyse von Barbara Lambrecht, Rohstoffanalyse, CM Research

Produktideen: ETCs
WKN Typ Basiswert Merkmale
ETC027 Daily Long Oil Brent Future Mar 2017 Hebel 1
ETC031 Daily Short Oil Brent Future Mar 2017 Hebel -1

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