Die eigenen Morgen-Gaben (EuramS)
von Claudia Marwede-Dengg
Ausgerechnet der ehemalige Bundesbeamte und versierte Staatsrechtler poltert los: "Die gerechteste und sauberste Regelung wäre es, die Pensionen abzuschaffen. Dann müsste der Staat allerdings die Beamtenbezüge deutlich erhöhen, damit diese für ihre Altersversorgung selbst aufkommen können", fordert Rupert Scholz. Schon jetzt gehören die gepäppelten Beamten allerdings zu der Berufsgruppe, die nach den Selbstständigen auch privat vorsorgen (siehe Grafik S. 35). Angestellte, die es eigentlich nötiger hätten, hinken hinterher. Doch soll der gewohnte Lebensstandard im Ruhestand auch nur annähernd beibehalten werden, muss zusätzlich fürs Alter vorgesorgt, sprich gespart werden. Als Faustregel gilt: Ein Betrag zwischen vier und acht Prozent des Jahresbruttolohns sollte gespart werden.
Derzeit geben die Bundesbürger für ihre Altersvorsorge im Schnitt etwa 180 Euro pro Monat aus. Geringverdiener erreichen nur rund 80 Euro pro Monat, Spitzenverdiener kommen auf 450 Euro. Das haben Bernd Raffelhüschen und Oliver Ehrentraut vom Forschungszentrum Generationenverträge in ihrer Untersuchung zur Vorsorgementalität der Deutschen festgestellt, die sie im Auftrag der Versicherungsgesellschaft Neue Leben durchgeführt haben. Diejenigen, die am meisten sparen, sind mit rund 222 beziehungsweise 219 Euro die Alterklassen der 40- bis 49-Jährigen und der 50- bis 59-Jährigen.
Ein Blick auf die Deutschland-Karte zeigt zudem, dass es bei der Altersvorsorge ein Süd-Nord-Gefälle gibt: Im wohlhabenden Süden, wo das durchschnittliche Haushaltseinkommen am höchsten ist, wird auch am meisten gespart. Im armen Nordosten liegt der monatliche Sparaufwand um gut ein Drittel niedriger.
Wer allein auf eine Absicherung à la Riester oder Rürup setzt, kann damit allerdings noch keine großen Sprünge machen. Diese staatlich geförderten privaten Altersvorsorgeprodukte dienen in erster Linie dazu, die Absenkung der gesetzlichen Rente aufzufangen beziehungsweise eine Grundversorgung sicherzustellen. Ein vorgezogener Ruhestand oder Geld für Extras wie große Reisen lässt sich nur mit zusätzlichem Sparaufwand umsetzen. Doch was ist die beste Lösung für die eigene Altersversorgung, und welche Anlage rentiert am höchsten? Für Stefan Albers, Präsident des Bundesverbands der Versicherungsberater (BVV) und im Hauptberuf Versicherungs- und Rentenberater für betriebliche Altersversorgung, ist die Sache im Prinzip einfach: "Die wichtigste Frage – und das gilt für alle Variationsmöglichkeiten – lautet: Wie bekomme ich eine Verzinsung, die real mehr als null, besser jedoch drei Prozent beträgt?" Auch wenn die Palette der Möglichkeiten, Geld fürs Alter rentierlich anzulegen, inzwischen unübersehbar ist, im Grunde gibt es zwei Kategorien: Zielsparfonds und private Rentenversicherungen. Bei Zielsparfonds wird das Kapital bis zum vereinbarten Auszahlungszeitpunkt in einem Mix von Anlagen mit unterschiedlichem Risiko und Zeithorizont angelegt. Je näher das Zieljahr rückt, desto stärker schichtet das Fondsmanagement von risikoreichen Anlagen wie Aktien in wertstabile Investments wie Anleihen um. Ist das Zieljahr erreicht, erhält der Anleger für eine bestimmte, vorher fest vereinbarte Zeit eine monatliche Auszahlung – so lange, bis das Kapital komplett verzehrt ist. Einen Überblick über die besten Zielsparfonds gibt die Tabelle auf Seite 38.
Inzwischen sind Zielsparfonds noch flexibler geworden: Sie investieren nicht nur in Aktien, sondern auch in Hedgefonds, Private Equity, Rohstoffe oder Emerging-Markets-Anleihen. Und als wertstabile Anlagen kommen neben klassischen Anleihen auch Wandelanleihen, Renten, der liquide Geldmarkt und Immobilien infrage. Zur Flexibilität gehört auch, dass sich der Anleger nicht nur auf das Fondsmanagement verlassen muss, sondern selbst mitmischen kann. So hat er die Chance, zwischen den einzelnen Fonds umzuschichten. Ein Beispiel ist der Allianz-dit-finanzPlan. Wichtig: Zielsparpläne unterliegen ab 2009 der Abgeltungsteuer und sind vererbbar. Wen die Sorge umtreibt, dass er sehr alt wird und das Finanzpolster nicht bis zum Lebensende reichen könnte, der ist mit einer privaten Rentenversicherung gut bedient. Sie garantiert lebenslang eine feste Rente.
Private Rentenversicherungen gibt es zum einen als Einmalzahlung mit sofort beginnender oder als Variante mit aufgeschobener Rente. Hier werden über lange Zeit monatlich oder pro Quartal feste Beiträge angespart, ehe die Auszahlungsphase beginnt. Oft beinhaltet diese Option vor Beginn der Rentenphase ein einmaliges Kapitalwahlrecht, sodass man sich das Angesparte auch ganz oder teilweise auszahlen lassen kann.
Vater Staat fördert private Leibrenten, da sie eine lebenslange Versorgung garantieren: So wird in der Auszahlungsphase nicht der komplette Ertrag besteuert, sondern nur ein kleiner Teil. Wer sich beispielsweise mit 65 oder 66 Jahren seine private Rente auszahlen lässt, muss nur 18 Prozent des Ertrags mit seinem persönlichen Steuersatz versteuern. Bei der Kapitaloption gilt der günstige hälftige Steuersatz, wenn der Vertrag mindestens zwölf Jahre bestanden hat und nicht vor dem 60. Lebensjahr ausgezahlt wird. Im Unterschied zu den Zielsparfonds gibt es bei der privaten Rentenversicherung zusätzlich die Option, die Familie für den Todesfall abzusichern. Die Optionen heißen Rentengarantiezeit, Beitragsrückerstattung oder zusätzliche Hinterbliebenenversicherung. Der Nachteil solcher Kombinationen: Die Zusatzabsicherung kostet Geld und mindert je nach Ausgestaltung kräftig die Rendite. "Wir empfehlen ausdrücklich die Trennung von Risikoschutz und Sparvorgang", meint Silke Barth, Altersvorsorgeexpertin der Cosmosdirekt.
In puncto Anlagepolitik gibt’s bei privaten Rentenversicherungen zwei Varianten: eine klassische und eine fondsgebundene. Die erste Variante ist ein Vertrag, bei dem sich der Sparanteil über die Jahre verzinst – derzeit liegt die Mindestverzinsung bei 2,25 Prozent pro Jahr. Die Gesamtverzinsung ist durch die zusätzliche Beteiligung an den Überschüssen höher und bewegt sich derzeit im Schnitt um die 4,5 Prozent.


