10.12.2012 12:33
Bewerten
(1)

Wenn der 'Autopapst' von Rabatten predigt

Dorn im Auge: Wenn der 'Autopapst' von Rabatten predigt | Nachricht | finanzen.net
Dorn im Auge
Dem handfesten Streit mangelte es nicht an Aggressivität: Im Herbst gerieten der Autokonzern Volkswagen und der in deutschen Medien wohl meistzitierte Branchenexperte, Professor Ferdinand Dudenhöffer, aneinander.
Anlass gaben Dudenhöffers Studien über Rabatte auf dem Pkw-Privatkundenmarkt, die sein Institut an der Uni Duisburg-Essen auflegt. Burkhard Weller, Chef einer der größten Autohändlergruppen hierzulande, nannte diese Untersuchungsreihe eine "Unwahrheit", die die "Branche massiv schädigt". Volkswagen leistete Schützenhilfe mit einer Pressemitteilung und stimmte der Kritik darin "voll und ganz" zu. Medien schrieben vom Angriff auf den "Autopapst".

   Der Professor hielt "objektiv nachzuvollziehende Marktdaten" dagegen und warf VW Scheinheiligkeit vor. Der Kern des Streits dreht sich um zwei der aktuell spannendsten Fragen in der kriselnden Branche: Befeuert der mit praller Kriegskasse ausgestattete Autoriese aus Wolfsburg künstlich den Wettbewerb mit hohen Händlerprämien, um mit dem längeren Atem den Verdrängungswettbewerb anzukurbeln? Und: Können Neuwagenkäufer bei gängigen Modellen tatsächlich Schnäppchen machen, bei denen die Listenpreise um gut ein Viertel schrumpfen?

   Fakt ist: Dudenhöffers Studien sind VW und Händlerkettenchefs wie Weller ein Dorn im Auge. Das Problem: Dudenhöffers Team wertet auch die Bestände der Internet-Vermittler wie autohaus24.de oder meinauto.de aus. Die sammeln Händlerangebote ganzer Regionen, gleichen sie gegen die Kundenwünsche ab und kassieren beim Kauf Provisionen. Auch wenn das manchem Händler einen größeren Kundenkreis bescheren mag, ist die Kehrseite der Medaille klar: Autokäufer begnügen sich nicht mehr mit dem Vergleich bei Händlern um die Ecke, sondern halten denen gleich das Online-Rabattangebot unter die Nase und sagen: "Und bei Ihnen?"

   VW und Weller werfen Dudenhöffer vor, in seinen Studien Ausnahmen in der Rabattstruktur zur Regel zu erklären und damit den Eindruck zu erwecken, Neuwagenkäufer mit einstelligen Rabatten hätten sich übers Ohr hauen lassen. Das führe zu überzogenen Erwartungen - und am Ende verschiebe der gefrustete Kunde den Kauf, was Schaden anrichte.

   Soweit die Lage vor den Kulissen. Und dahinter? "Die Marge des Autohändlers bildet grundsätzlich seinen Spielraum, aber neben dem Einkaufspreis und dem späteren Verkaufspreis gibt es noch eine ganze Reihe an weiteren Prämien und Sonderkonditionen von Seiten der Hersteller", sagt Rainer Meckes von der Beraterfirma Simon-Kucher & Partners - nach eigenen Angaben Weltmarktführer in der Preisberatung.

   "Das wird über einen großen Instrumentenkasten gesteuert, in dem ein Bündel an Rabatten und Boni enthalten ist", sagt Meckes' Kollege Martin Gehring. So seien etwa Volumenprämien für Absatzziele ebenso gängig wie subventionierte Leasing- oder Finanzierungsmodelle. "Der Endkunde kann unter Umständen durchaus 30 Prozent auf den Listenpreis kriegen. Aber das zahlt dann eben nicht der Händler allein. Es ist das Gesamtpaket an möglichen Nachlässen", berichten die Experten. "Timing spielt eine große Rolle." Feilschen lohne sich aktuell sehr, denn konjunkturelle Absatzprobleme hätten natürlich Auswirkungen.

   Eine entscheidende Frage für die Autokonzerne und ihre Kunden lautet dabei: Sind hohe Nachlässe - notfalls bei längerer Suche - immer möglich oder ist die Rabattkultur eher schwankend und zyklisch? Im Oktober meldete Dudenhöffer den bisher höchsten Rabattindex in den seit rund seit sieben Jahren laufenden Untersuchungen.

  Branchenanalyst Christoph Stürmer von IHS Automotive sagt: "Rabatte sind keine langfristige Strategie, sondern immer ein Notnagel. Ein taktisches Manöver, das zeitlich begrenzt angewendet wird." Ursache seien falsche Volumenplanung oder Preisgestaltung. "Im Prinzip versucht man, Kunden zu bestechen." Das Problem beginne, wenn die reine Händlerspanne nötige Rabatte nicht mehr hergebe. Wie es aus der Branche übereinstimmend heißt, liegen zwischen Listenpreis und reinem Händler-Einkaufspreis meist zwischen 15 und 20 Prozent Marge.

   Doch wie schnell subventionieren Autobauer den Vertrieb in Krisen? "Händler und Hersteller sind eine Schicksalsgemeinschaft", betont Stürmer. Zuletzt sei man eher zu optimistisch gewesen. "Die Branche musste hart bremsen im vierten Quartal."

   Auf lange Sicht bringt diese Lage ein Steuerungsproblem. "Wenn Kunden gewohnt sind, 20 Prozent zu kriegen, lässt sich das nicht mehr so einfach auf 10 Prozent zurückdrehen", sagt Stratege Meckes. Als Folge drohen Marktverwerfungen, bei denen die Schwächsten sterben könnten. So hatte der Chef des angeschlagenen Autobauers Fiat, Sergio Marchionne, VW vor einiger Zeit vorgeworfen, mit aggressiven Rabatten ein "Blutbad" anzurichten. Die Wolfsburger wehrten sich heftig.

    Mit dauerhaft kaputten Preisen würde Europas Autoprimus am eigenen Ast sägen. "VW hätte doch in einem Preiskampf mit am meisten zu verlieren", geben Meckes und Gehring zu bedenken. Klar ist, dass heutzutage generell ein Neuwagenkauf zum Listenpreis selbst dann ein schlechtes Geschäft bleibt, wenn es die Winterräder geschenkt gibt./loh/mmb/sbr/DP/mmb - Von Heiko Lossie, dpa WOLFSBURG/DUISBURG (dpa-AFX)
Bildquellen: pokchu / Shutterstock.com, iStock/shaunl
Anzeige

Nachrichten zu Volkswagen (VW) AG Vz.

  • Relevant
    +
  • Alle
    +
  • vom Unternehmen
  • Peer Group
  • ?

Um Ihnen die Übersicht über die große Anzahl an Nachrichten, die jeden Tag für ein Unternehmen erscheinen, etwas zu erleichtern, haben wir den Nachrichtenfeed in folgende Kategorien aufgeteilt:

Relevant: Nachrichten von ausgesuchten Quellen, die sich im Speziellen mit diesem Unternehmen befassen

Alle: Alle Nachrichten, die dieses Unternehmen betreffen. Z.B. auch Marktberichte die außerdem auch andere Unternehmen betreffen

vom Unternehmen: Nachrichten und Adhoc-Meldungen, die vom Unternehmen selbst veröffentlicht werden

Peer Group: Nachrichten von Unternehmen, die zur Peer Group gehören

Analysen zu Volkswagen (VW) AG Vz.

  • Alle
  • Buy
  • Hold
  • Sell
  • ?
12:56 UhrVolkswagen (VW) vz market-performBernstein Research
24.05.2017Volkswagen (VW) vz Conviction Buy ListGoldman Sachs Group Inc.
23.05.2017Volkswagen (VW) vz overweightBarclays Capital
23.05.2017Volkswagen (VW) vz HoldDeutsche Bank AG
22.05.2017Volkswagen (VW) vz buyequinet AG
24.05.2017Volkswagen (VW) vz Conviction Buy ListGoldman Sachs Group Inc.
23.05.2017Volkswagen (VW) vz overweightBarclays Capital
22.05.2017Volkswagen (VW) vz buyequinet AG
19.05.2017Volkswagen (VW) vz overweightJP Morgan Chase & Co.
12.05.2017Volkswagen (VW) vz buyCitigroup Corp.
12:56 UhrVolkswagen (VW) vz market-performBernstein Research
23.05.2017Volkswagen (VW) vz HoldDeutsche Bank AG
22.05.2017Volkswagen (VW) vz market-performBernstein Research
17.05.2017Volkswagen (VW) vz Equal-WeightMorgan Stanley
08.05.2017Volkswagen (VW) vz HoldDeutsche Bank AG
07.04.2017Volkswagen vz SellJoh. Berenberg, Gossler & Co. KG (Berenberg Bank)
05.04.2017Volkswagen vz SellJoh. Berenberg, Gossler & Co. KG (Berenberg Bank)
30.03.2017Volkswagen vz SellJoh. Berenberg, Gossler & Co. KG (Berenberg Bank)
20.03.2017Volkswagen vz UnderperformJefferies & Company Inc.
15.03.2017Volkswagen vz VerkaufenNorddeutsche Landesbank (Nord/LB)

Um die Übersicht zu verbessern, haben Sie die Möglichkeit, die Analysen für Volkswagen (VW) AG Vz. nach folgenden Kriterien zu filtern.

Alle: Alle Empfehlungen

Buy: Kaufempfehlungen wie z.B. "kaufen" oder "buy"

Hold: Halten-Empfehlungen wie z.B. "halten" oder "neutral"

Sell: Verkaufsempfehlungn wie z.B. "verkaufen" oder "reduce"
mehr Analysen
Anzeige
Anzeige
Börse Stuttgart Anlegerclub

Jungheinrich - Professioneller Hochstapler!

Intralogistik-Lösungen sind gefragt wie nie. Denn mit moderner Logistik-Infrastruktur lassen sich nicht nur erhebliche Kostensenkungen und Effizienzsteigerungen realisieren, sondern sie bildet die perfekte Ergänzung für "Industrie 4.0". Warum Jungheinrich eine der interessantesten Storys in diesem Segment bietet lesen Sie im aktuellen Anlagermagazin des Börse Stuttgart Anlegerclubs.
Anlegermagazin kostenlos erhalten

Heute im Fokus

DAX im Minus -- Trump kritisiert scharf deutschen Handelsbilanzüberschuss -- United Internet startet Übernahmeangebot für Drillisch -- AIXTRON-Aktie setzt Rally fort -- GM, Manz, Opec im Fokus

Bankenwerte schwächeln - Commerzbank-Aktie und Deutsche Bank-Aktie mit Verlust. Jochen Schweizer sucht Partner für Digitalgeschäft - ProSiebenSat1 Media interessiert? Ölpreise erholen sich etwas von VortagesverlustenEilklagen von VW-Kanzlei Jones Day wegen Durchsuchung im Abgasskandal gescheitert. LANXESS bleibt auf Rekordkurs.

Top-Rankings

KW 21: Analysten-Tops der Woche
Diese Aktien stehen auf den Kauflisten der Experten
KW 20: Analysten-Flops der Woche
Diese Aktien stehen auf den Verkauflisten der Experten
Berufe die auch eine Rezession überstehen
Welche bieten am meisten Sicherheit?

Die 5 beliebtesten Top-Rankings

Diese Aktien hat Warren Buffett aktuell im Depot
Die Top-Positionen von Warren Buffett (März 2017)
Bestbezahlte Praktikantenstellen
Welches Unternehmen bietet am meisten?
Metropolen der Superreichen
In diesen Städten leben die meisten Milliardäre
Das verdienen die Chefs der Notenbanken
Wie hoch sind ihre Gehälter?
Aktion Frühjahrsputz: Die unsinnigsten Subventionen der Bundesregierung
So werden Steuergelder verschwendet
mehr Top Rankings

Umfrage

Der Bitcoin bleibt auf Rekordkurs und stieg erstmals über 2.000 US-Dollar. Haben Sie auch schon mal Geschäfte mit der Digitalwährung gemacht?

Online Brokerage über finanzen.net

Das Beste aus zwei Welten: Handeln Sie für nur 5 Euro Orderprovision* pro Trade unmittelbar aus der Informationswelt von finanzen.net!
Zur klassischen Ansicht wechseln
Beliebte Suchen
DAX 30
Öl
Euro US-Dollar
Goldpreis
Meistgesucht
Daimler AG710000
Deutsche Bank AG514000
CommerzbankCBK100
Apple Inc.865985
Volkswagen (VW) AG Vz.766403
Amazon.com Inc.906866
AIXTRON SEA0WMPJ
BASFBASF11
E.ON SEENAG99
Deutsche Telekom AG555750
BMW AG519000
Allianz840400
EVOTEC AG566480
Infineon AG623100
Scout24 AGA12DM8