07.05.2013 03:00
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Wie sich Daimler, BMW und VW in der Berichtssaison schlagen

Drei Gesichter einer Autokrise
Drei Gesichter der Autokrise
Die Wirtschaftsflaute in Europa hat die deutschen Hersteller erfasst. Doch die Lage ist besser, als es die Kurse vermuten lassen.
€uro am Sonntag

von Sven Parplies, Euro am Sonntag

Schlimmer geht immer. Ohne eine wundersame Wende werden die Automobilhersteller in Europa in diesem Jahr so wenig Fahrzeuge verkaufen wie seit 20 Jahren nicht mehr. Auch auf anderen Kontinenten wachsen die Probleme. „Das wirtschaftliche und politische Umfeld, in dem wir uns bewegen, wird immer ungewisser und volatiler“, warnte BMW-Chef Norbert Reithofer bei der Präsentation der Geschäftszahlen der Münchner in dieser Woche.

Besonders deutlich sind die Bremsspuren in Südeuropa — auch bei BMW. Im ersten Quartal haben die Bayern in Italien fünf Prozent weniger Fahrzeuge verkauft als im Vorjahreszeitraum, in Frankreich liegt das Minus sogar bei mehr als sieben Prozent. Ähnlich sieht es bei den anderen deutschen Automobilherstellern aus. „Die Verunsicherung der Verbraucher ist mit Händen zu greifen“, berichtete VW-Chef Martin Winterkorn auf der Hauptversammlung des Konzerns. Die Märkte in ­Europa werden nach Winterkorns Einschätzung „auf absehbare Zeit sehr schwach“ bleiben.

Daimler hat bereits seine Gewinnprognose für das laufende Jahr kassiert. In den ersten drei Monaten hätten sich „viele Märkte, insbesondere Westeuropa, konjunkturbedingt schlechter entwickelt als erwartet“, heißt es zur Begründung. Die Gewinnwarnung von Daimler kam für Börsianer nicht wirklich überraschend. Schließlich sind Anleger Negativmeldungen aus Stuttgart gewohnt — es war die zweite Gewinnwarnung binnen sechs Monaten.

Hohe Rabatte drücken Gewinne
Anders ist die Ausgangslage bei Volkswagen. Europas größter Automobilhersteller hat die Börse in den vergangenen Jahren mit immer neuen Rekorden verwöhnt. 2012 fuhren die Wolfsburger einen Nettogewinn von fast 22 Milliarden Euro ein — der höchste Wert, den ein DAX-Mitglied je erzielt hat. Inzwischen aber hat auch Volkswagen immer häufiger mit Schlag­löchern zu kämpfen: Der operative Gewinn ging im ersten Quartal um mehr als ein Viertel zurück. Der Betriebsgewinn der Kernmarke VW hat sich sogar halbiert.

BMW hat sich zum Jahresauftakt unter den drei großen deutschen Autobauern noch am besten gehalten, musste dennoch einen Gewinnrückgang von vier Prozent verbuchen.

Das Dilemma der Autokonzerne: Um Käufer in Europa anzulocken, müssen sie immer höhere Rabatte bieten. Das gilt inzwischen auch für den deutschen Markt. Der vom CAR-Center der Universität Duisburg-­Essen errechnete Rabattindex erreichte im April ein Siebenjahres­hoch. „Selbst neue Modelle wie der VW Golf werden von Händlern mit null Prozent Zinsen angeboten“, berichtet CAR-Direktor Ferdinand Dudenhöffer.

Börsianer haben die Aktien der deutschen Autobauer schon seit Längerem abgeschoben. Über die vergangenen zwölf Monate haben sich sowohl die einstigen Börsenlieblinge Volkswagen und BMW als auch Daimler schlechter entwickelt als der Deutsche Aktienindex.
Die Gewinnprognosen der Unternehmen für das laufende Jahr machen auf den ersten Blick wenig Hoffnung auf eine Aufholjagd. Daimler rechnet für 2013 mit einem Gewinnrückgang. Volkswagen und BMW streben weiterhin Ergebnisse auf Vorjahresniveau an. Das aber ist aus Sicht der Aktionäre nur ein Teil des Gesamtbilds.

Gemessen an den südeuropäischen Konkurrenten schlagen sich die deutschen Autobauer noch immer gut. Zu verdanken ist das der starken Positionierung in den Schwellenländern. Auch wenn Chinas Wirtschaft nicht mehr die Wachstumsraten früherer Jahre erreicht, können die deutschen Autokonzerne in Fernost weiterhin zulegen und die Rückgänge in Europa damit abfedern. Zusätzlich investieren BMW, Daimler und VW hohe Summen in Logistik und neue Modelle. Das belastet kurzfristig die Bilanz, sollte sich mittelfristig aber durch steigenden Absatz und höhere Margen bezahlt machen. Allein der Volkswagen-Konzern will bis zum Jahr 2015 mehr als 50 Milliarden Euro in neue Werke, Produkte und Technologien stecken.

Große Hoffnungen setzen Analysten auf Optimierungen in der Produktion: Mithilfe des sogenannten modularen Querbaukastens (MQB) will Volkswagen schneller, flexibler und kostengünstiger produzieren. Die Technologie wird schrittweise bei immer mehr Modellen des Konzerns zum Einsatz kommen und damit die Kostenstruktur vor allem bei kleineren Autos verbessern.

Die Investmentbank Morgan Stanley kalkuliert, dass allein durch den modularen Querbaukasten die Marge der Hauptmarke Volkswagen bereits im zweiten Halbjahr um ­einen Prozentpunkt verbessert werden könnte. Quer durch seine Markenfamilie will der Wolfsburger Konzern zusätzlich im laufenden Jahr sogar 60 neue Modelle in die Läden der Händler bringen.

Hohe Investitionen
BMW hat seine Investitionen im ersten Quartal auf mehr als eine Milliarde Euro verdoppelt. Bis Ende des kommenden Jahres wollen die Münchner ihre Palette um insgesamt 25 neue Modelle erweitern, zehn davon sind komplett neue Modelle ohne Vorgänger.

Das spektakulärste Projekt ist die Einführung des i3. Das Elektroauto mit umweltschonendem Antrieb und einer Karosserie aus carbonfaser­verstärktem Kunststoff soll nicht nur das Image der Marke BMW aufpolieren — der Konzern geht davon aus, dass diese neue Modellreihe von Beginn an profitabel sein wird. Im Herbst sollen die ersten Elektro­autos aus der BMW-Produktion durch die Straßen fahren.

Auch bei Daimler ist Bewegung: Der Konzern befinde sich „mitten in der umfangreichsten Wachstumsoffensive seiner Unternehmens­geschichte“, wirbt Finanzchef Bodo Uebber für Vertrauen. Neuen Schwung soll vor allem die Erneuerung der Modellpalette bringen.

Bei der Kernmarke Mercedes stehen die im oberen Mittelklassesegment angesiedelte E-Klasse und die luxuriöse S-Klasse im Rampenlicht, die im Vergleich zu kleineren Fahrzeugen eine besonders hohe Marge abwerfen.

Neue Hoffnungsträger
Der Modellzyklus hat große Auswirkungen auf Absatzzahlen und Profitabilität eines Autokonzerns. Neue Modelle sind lebensnotwendig, bringen zunächst aber Belastungen, da Kunden Auslaufmodelle nur gegen hohe Rabatte kaufen. Außerdem ist die Einführung neuer Modelle mit Anlaufkosten verbunden. Genau in dieser Übergangsphase steckt derzeit Daimler: „Der Modellmix könnte gar nicht schlechter sein als mit unserer derzeitigen Fahrzeugflotte“, so Finanzchef Uebber.

Bei Mercedes ist die Abhängigkeit zwischen Modellzyklus und Profitabilität besonders groß, wie eine Berechnung der Commerzbank zeigt: E- und S-Klasse waren demnach im ersten Quartal für 23 Prozent des Gesamtumsatzes von Daimler verantwortlich — das ist der niedrigste Wert seit fast vier Jahren. Parallel dazu sackte auch die Gewinnmarge des Gesamtkonzerns auf den niedrigsten Stand seit dem zweiten Quartal 2009.

Dieser Negativtrend sollte sich mit Einführung der neuen Modelle schrittweise umkehren und damit die Gewinnmarge des Konzerns selbst in einem schwachen gesamtwirtschaftlichen Umfeld verbessern. Uebbers Aussage, der eine Verbesserung der Geschäftszahlen im Jahresverlauf in Aussicht stellte, wäre demnach mehr als nur eine leere Durchhalteparole.

Investor-Info

Autoaktien
Klare Verhältnisse

Über die letzten fünf Jahre sind Anleger mit BMW am besten gefahren. Der Börsenwert hat sich inklusive Dividende mehr als verdoppelt. Auch VW liegt im Plus. Mit Daimler haben Anleger Geld verloren.

BMW
Besser als erwartet

Der Gewinn der Münchner ist im ersten Quartal nicht so stark gesunken wie von Analysten erwartet. Bei der Ebit-Marge liegt der Konzern weiterhin vor VW und Daimler. Dem steht auf Basis des Kurs-­Gewinn-Verhältnisses für 2014 aber eine höhere Bewertung der Aktie entgegen. Darum derzeit nur ein „Halten“.

Daimler
Schwachpunkt an der Spitze

Der Modellzyklus der Hauptmarke Mercedes spricht eigentlich dafür, dass sich die Geschäftszahlen bei Daimler bald verbessern. Die Dividendenrendite der Aktie gehört zu den höchsten im DAX. Die jüngste Gewinnwarnung aber hat unser Vertrauen in das Management erneut erschüttert. Halten.

Volkswagen
Qualität zahlt sich aus

Als größter Autokonzern Europas kann VW effizienter produzieren als die Konkurrenz. Das Geschäft in China läuft vor allem dank Audi weiter gut. Auch in den USA legt der Konzern zu. Die Risiken in Europa sollten durch die moderate Bewertung der Aktie abgedeckt sein. Unser Favorit im Autosektor.

Bildquellen: Krom1975 / Shutterstock.com
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