FRANKFURT (dpa-AFX) - Der Aufsichtsratschef der Deutschen
Börse hat die EU-Entscheidung als "kaum nachvollziehbar" gerügt. Zugleich betonte Manfred Gentz, es bestehe kein Anlass zu grundlegenden Änderungen in der Führung, Struktur und Strategie des Unternehmens. "Vielmehr sind jetzt Ruhe und Kontinuität geboten", sagte er am Mittwoch in Frankfurt.
Nach dem Veto der europäischen Wettbewerbshüter zur Fusion mit der NYSE Euronext (NYSE Group)kritisierte Gentz, dass die Kommission vor dem bestehenden und wachsenden globalen Wettbewerb von Börsen die Augen verschließe und eine unrealistische strikte Markttrennung zwischen börslichem und außerbörslichem Derivatehandel vorgenommen habe. "Für Europa wird damit die große Chance vertan, eine global wettbewerbsfähige Börse mit Sitz in Europa und Deutschland sowie einem starken US-amerikanischen Partner zu schaffen", kritisierte Gentz.
Die Deutsche Börse werde nun ihr Geschäftsmodell mit Handel und Nachhandelsdienstleistungen weiterführen. Zugleich werde sie mit neuen Produkten, internationalen Standorten und Kooperationen weiter profitabel wachsen. Für 2011 werde das Unternehmen ein "sehr solides Ergebnis" vorweisen, betonte der Aufsichtsratschef. Vorstandschef Reto Francioni ergänzte: "Die Deutsche Börse ist gut gerüstet und hat genügend Kraft, um auch ohne die Fusion weiter zu wachsen und erfolgreich zu sein. Sie wird sich als Partner der Politik weiterhin für die Stabilität und Integrität von Märkten einsetzen."
Im abgelaufenen Jahr habe die Deutsche Börse "deutliche Ergebnissteigerung" erzielt und werde nun weiter aus eigener Kraft wachsen. Entsprechend der Markterwartungen sei der Umsatz im Vergleich zu 2010 "solide" gestiegen. Bei Investitionen von rund 120 Millionen Euro in den weiteren Ausbau des Kerngeschäfts sowie rund 80 Millionen Euro Projektaufwand im Jahr 2011 für die Umsetzung der angestrebten Fusion sei auch nach Bereinigung um Sondereffekte im Jahr 2010 ein deutlicher Ergebnisanstieg gegenüber dem Vorjahr erreicht worden. Damit habe sich die positive Geschäftsentwicklung der ersten neun Monate im Schlussquartal fortgesetzt.
Für 2012 erwartet die Börse eine Fortsetzung des Wachstumstrends der letzten drei Jahre, sofern die Eurozone den eingeschlagenen Weg zur Stabilisierung konsequent fortführt. Zudem werde dazu auch die im vergangenen Jahr zu 100 Prozent übernommene Terminbörse Eurex beitragen. Am 13. Februar will die Deutsche Börse konkrete vorläufige Zahlen bekanntgeben./ck/wiz