10.09.2012 17:24
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Commerzbank: EZB bringt Deutschland zum Absturz

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Krämer warnte in einer aktuellen Veröffentlichung, dass sich die EZB-Politik für Deutschland zunächst gut anfühlen, später aber als nachteilig erweisen werde.

   Der Ökonom geht in seiner Analyse davon aus, dass die lockere Politik der EZB zu höherer Inflation und Euro-Abwertung führen wird, was in den kommenden Jahren Wettbewerbsdruck von den Peripherieländern nehmen und die Währungsunion stabilisieren werde.

   Deutschlands Wirtschaft ist im zweiten Quartal noch um 0,3 Prozent gewachsen, während das Bruttoinlandsprodukt (BIP) des gesamten Euroraums um 0,2 Prozent schrumpfte. Länder wie Italien und Spanien befinden sich schon länger in einer Rezession und leiden wegen ihrer hohen Verschuldung unter hohen Refinanzierungskosten. Die EZB sieht hierin eine Störung ihres geldpolitischen Ziels, überall im Euroraum für niedrige Zinsen zu sorgen und hat deshalb Staatsanleihekäufe in Aussicht gestellt. Zudem dürfte sie noch in diesem Jahr ihre Zinsen weiter senken.

   Viele Ökonomen bezweifeln den politischen Willen der EZB, ihre Zinsen schnell genug wieder anzuheben, um die inflationären Folgen ihrer expansiven Geldpolitik unter Kontrolle zu halten. Commerzbank-Chefvolkswirt Krämer erwartet, dass sich diese "italienische Währungsunion" zunächst auch für Deutschland sehr gut anfühlen wird. Er warnte aber: "Langfristig senkt sie die Qualität der Wirtschaftspolitik und unterminiert die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Unternehmen. All dies wird erst sichtbar, wenn die von niedrigen EZB-Zinsen angefachte deutsche Wirtschaft in fünf, vielleicht zehn Jahren überhitzt und abstürzt."

   Krämer erwartet, dass die für Deutschland viel zu niedrigen EZB-Zinsen das Wachstum hierzulande befeuern werden, wenn der Rettungsschirm ESM und die Staatsanleihekäufe der EZB erst einmal das Risiko eines Zerfalls der Währungsunion gebannt haben. "Bereits ab Mitte kommenden Jahres könnte die deutsche Wirtschaft wieder kräftig zulegen. Es ist vorstellbar, dass die Zahl der Arbeitslosen in einigen Jahren unter 2 Millionen liegt", prognostizierte der Commerzbank-Chefvolkswirt.

   Zugleich dürfte die niedrige Arbeitslosigkeit aber die Verhandlungsmacht der Gewerkschaften erhöhen, was zunächst die Löhne und später die Renten kräftig steigen lassen dürfte. In den Städten könnten die Immobilienpreise weiter anziehen. "Die 'italienische Währungsunion' wird sich für die Deutschen zunächst sehr gut anfühlen. Aber sie wird uns am Ende trotzdem teuer zu stehen kommen", prophezeite Krämer.

   Den Grund sieht der Commerzbank-Chefvolkswirt darin, dass die laxe Geldpolitik die Qualität der Wirtschaftspolitik schleichend senken und die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen unterhöhlen wird. Krämer sieht die Gefahr, dass die Wettbewerbsvorteile, die Deutschland im Rahmen der Agenda-Politik des früheren Bundeskanzlers Gerhard Schröder erlangt hat, verloren gehen - vor allem durch die Einführung von Mindestlöhnen und ein Zurückdrängen der Zeitarbeit, was die Beschäftigungschancen von Geringqualifizierten senke.

   "Außerdem ermuntern viele Politiker die Gewerkschaften, kräftige Lohnerhöhungen durchzusetzen. Daten der Weltbank zeigen bereits, dass Deutschland innerhalb der EU das Land ist, dessen immer noch hohe Qualität als Standort für kleine und mittelgroße Unternehmen sich seit Ausbruch der Staatsschuldenkrise am meisten verschlechtert hat", warnte er.

   Die Folgen dieser Politik werden nach seiner Einschätzung lange verborgen bleiben, weil die lockere Geldpolitik die Konjunktur und die Beschäftigung künstlich anfacht. "Man wird in ein paar Jahren vermutlich sogar behaupten, dass Mindestlöhne und kräftige Lohnanstiege die Beschäftigung fördern", prophezeite der Ökonom.

   Sichtbar werden die Probleme laut Krämer erst, wenn die deutsche Wirtschaft überhitzt und anschließend einbricht. "Aber das Beispiel Spaniens lehrt, wie schmerzhaft ein solcher Absturz ist und wie langsam sich eine Volkswirtschaft davon erholt", gab er zu bedenken.

   Von Hans Bentzien

Dow Jones Newswires, Copyright (c) 2012 Dow Jones & Company, Inc.- - 04 29 AM EDT 09-10-12

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