PARIS/MÜNCHEN (dpa-AFX) - Der Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS hält nach einem überraschend schwachen Gewinnwachstum im ersten Halbjahr an seinen Prognosen für 2008 fest. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Firmenwertabschreibungen und außerordentlichen Posten, bei EADS als EBIT ausgewiesen, solle im Gesamtjahr weiterhin bei 1,8 Milliarden Euro liegen, teilte das im
MDAX notierte Unternehmen am Mittwoch mit. Im ersten Halbjahr stieg das EBIT im Vergleich zum Vorjahr von 358 Millionen auf 1,16 Milliarden Euro. Von der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX befragte Branchenexperten hatten im Schnitt mit 1,361 Milliarden Euro gerechnet.
Im Vorjahr war das EBIT von Rückstellungen für das Sanierungsprogramm Power8 und Kosten im Zusammenhang mit dem Programmstart des Langstreckenfliegers A350 stark belastet worden. Der Konzernumsatz legte im ersten Halbjahr 2008 bei EADS um acht Prozent auf 19,7 Milliarden Euro zu und lag damit über der durchschnittlichen Analystenprognose von 19,556 Milliarden Euro. Unter dem Strich verfehlte das Unternehmen die Prognosen deutlich. Das Konzernergebnis nach Minderheiten lag mit 403 Millionen Euro um mehr als ein Drittel unter der mittleren Analystenschätzung von 657,6 Millionen Euro. Die Prognosen der Analysten hatten dabei weit auseinandergelegen.
Zum Umsatzplus trugen unter anderem die Auslieferungen bei der Tochter Airbus bei. Nach 231 Flugzeugen im Vorjahreszeitraum verließen im ersten Halbjahr nun 245 Maschinen die Werkshallen. Der Auftragseingang ging unterdessen von 70,1 auf 51,2 Milliarden Euro zurück. Im Vorjahr hatte das Unternehmen von der Vielzahl der Bestellungen auf der Luftfahrtmesse in Paris profitiert, die nur alle zwei Jahre stattfindet. Der Auftragsbestand wuchs zwischen Ende 2007 und Mitte 2008 von 339,5 Milliarden auf 354,2 Milliarden Euro und erreichte einen neuen Rekordwert. Darin sind die Verträge über 247 Flugzeuge, die auf der Luftfahrtmesse in Farnborough im Juli eingingen, noch nicht berücksichtigt.
Unterdessen arbeitet der EADS-Konzern weiter an seiner Sanierung. Das bereits grundsätzlich angekündigte Sparprogramm Power8 plus solle konzernweit von 2011 bis 2012 einen jährlichen EBIT-Beitrag von Milliarde Euro bringen, kündigte das Unternehmen an. Das bereits laufende Programm Power8 sei dem Zeitplan voraus und habe im ersten Halbjahr einen EBIT-Beitrag von rund 400 Millionen Euro erbracht. Airbus habe bei der Reduzierung der Verwaltungskosten 40 Prozent der Ziele erreicht. Die Veräußerung des Airbus-Werks in Laupheim an Diehl/Thales steht den Angaben zufolge vor dem Abschluss. Die Verhandlungen über das Werk im britischen Filton würden fortgesetzt.
Für das Gesamtjahr erwartet EADS weiterhin einen Umsatz von mehr als 40 Milliarden Euro. Die Auslieferungen bei Airbus sollen sich auf rund 470 Flugzeuge belaufen. Optimistischer ist das Unternehmen bei den Neubestellungen. Statt mit Orders für "mehr als 700" Flieger rechnet das Unternehmen nun mit 850 Bestellungen./stw/zb