FRANKFURT/NEW YORK (dpa-AFX) - Die Naturkatastrophe in Japan sowie die Unfälle in den Atomkraftwerken haben auch am Montag das weltweite Börsengeschehen maßgeblich beeinflusst. Die japanische Notenbank stellte den Banken eine Rekordsumme von 15 Billionen
Yen (rund 130 Milliarden Euro) an kurzfristiger Notfall-Liquidität zur Verfügung. Die Lage im japanischen Kernkraftwerk Fukushima spitzte sich indes weiter zu. Möglicherweise hat dort eine teilweise Kernschmelze im Reaktor 2 stattgefunden, wie die Betreiberfirma Tepco laut der Nachrichtenagentur Kyodo mitteilte. Ein erster Versuch, den Reaktor mit Meerwasser zu kühlen, war vor einigen Stunden fehlgeschlagen. Die Euro-Finanzminister kamen am Montag in Brüssel zusammen, um über die Konsequenzen der Ereignisse in Japan zu beraten, wie Teilnehmer berichteten.
Wie schon am Freitag blieb jedoch auch zum Wochenauftakt eine Panik an den wichtigsten europäischen Börsen sowie einigen Schlüsselmärkten in Asien aus. Zwischenzeitlich schafften einige europäische Indizes sogar den Sprung ins Plus, rutschten dann aber wieder moderat ins Minus. Analysten der US-Investmentbank Merrill Lynch erklärten die eher besonnene Reaktion der Anleger mit der weltwirtschaftlichen Bedeutung Japans. Das Land spiele heutzutage nicht mehr die zentrale Rolle wie noch im Jahr 1995, dem Jahr des Erdbebens in Kobe. Entsprechend hätten zwar andere asiatische Märkte nach der Katastrophe zunächst nachgegeben, sich aber relativ schnell wieder erholt. Und der marktbreite US-amerikanische S&P-500-Index (S&P 500) sei am vergangenen Freitag nahezu gar nicht betroffen gewesen.
VERSICHERER- UND VERSORGERWERTE UNTER DRUCK
In Europa verbuchte der Dax (DAX) unter den führenden Indizes die größten Verluste. Vor allem die unsichere Lage um die beschädigten japanischen Kernkraftwerke und die damit einhergehende Diskussion um die Sicherheit der Kernkraft lasteten auf den schwer gewichteten Versorgerwerten Eon und RWE. Sie gaben auch europaweit überdurchschnittlich nach - ebenso die Versicherungstitel wie Munich Re (Muenchener Rueckversicherungs-Gesellschaft), Hannover Rück (Hannover Rueckversicherung) oder Swiss Re (Schweizerische Rueckversicherungs-Gesellschaft).
Nach Einschätzung der Ratingagentur Moody's wird das Erdbeben in Japan Erst- und Rückversicherer schwer treffen. Die höchsten Belastungen hätten voraussichtlich die größten Rückversicherer der Welt zu tragen, heißt es in einer am Montag veröffentlichten Studie. Der Eurostoxx 50 (EuroSTOXX 50) pendelte gegen Mittag um seinen Schlusskurs von Freitag. Der Londoner FTSE 100 , der Cac 40 (CA) in Paris und der Schweizer Swiss-Market-Index (SMI) (SMI) fielen zum Teil nur moderat zurück.
NIKKEI BRICHT EIN - ANDERE ASIATISCHE BÖRSEN IM PLUS
Ähnlich entwickelten sich die Börsen in Asien. Der Nikkei-225-Index (Nikkei 225) erlebte in Tokio zwar den größten Kursrutsch seit Oktober 2008, die Börsen in China, Hongkong und Südkorea legten derweil aber zu. An der Wall Street zeichnete sich gegen Mittag ein schwächerer Start ab, die Futures auf den Dow Jones Industrial (Dow Jones) und den Nasdaq-100-Index (NASDAQ 100) gaben zuletzt nach. Laut Marktteilnehmern dürfte der Einfluss der Katastrophe auf den Aktienmarkt allerdings begrenzt bleiben. Die Nachfrage nach Öl, Stahl und Zement werde wegen der anschließenden Aufbauarbeiten steigen.
David Buik, Marktstratege bei BGC Partners in London, erklärte, er könne sich eine durchaus schnelle Erholung der japanischen Wirtschaft vorstellen. Voraussetzung dafür sei aber, dass es keine weiteren Erdbeben oder Tsunamis gebe und die Reaktoren des Atomkraftwerks in Fukushima bald wieder ans Netz gehen könnten. Sollte dies nicht der Fall sein, könnte das japanische Bruttoinlandsprodukt im laufenden Jahr um bis zu 3 Prozent fallen, statt wie bislang erwartet um zwei Prozent zu steigen./rum/chs/tw