10.02.2012 14:00
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Emerging Markets: Wo Anleger jetzt noch Potenzial finden

Einige fundamental attraktive Staaten bieten aber noch Potenzial
ETF Spezial
Die Emerging-Markets-Börsen drohen heiß zu laufen. Einige fundamental attraktive Staaten bieten aber noch Potenzial. Ausgewählte ETFs auf Indizes und Währungen.
€uro am Sonntag

von Emmeran Eder, €uro am Sonntag

Hoffentlich ist das kein schlechtes Omen. Der MSCI-Emerging-Markets-Index kletterte im Januar um elf Prozent. Das ist der beste Start seit 2001. Einzelne Schwellenländerbörsen liefen noch viel besser. Ägypten stieg in Euro gerechnet um gut 27 Prozent, die Türkei um fast 22 Prozent. Aufgrund der hohen Zuflüsse werteten auch viele Währungen auf. So zogen etwa Indiens Rupie und Mexikos Peso jeweils um rund sieben Prozent an. Damit gewannen Anleger doppelt — bei Kursen und Devisen. Ähnlich war das vor elf Jahren. Damals entpuppte sich die Hausse aber als Strohfeuer.

Danach sieht es dieses Mal nicht aus, gibt es doch gute Gründe für ein Comeback der Wachstumsstaaten. Die Wirtschaft wächst schneller als in den Industriestaaten. Die Krise in der Eurozone treibt viele Anleger in den scheinbar sicheren Hafen der Emerging-Markets-Devisen. Zudem sind die Schwellenländerbörsen nach dem Kursrutsch im vergangenen Jahr von im Schnitt 20 Prozent noch immer günstig bewertet.

Inflation hat Peak überschritten
Ausgelöst wurde die Baisse vor allem von der hohen Inflation, die mit Zinserhöhungen bekämpft wurde. Die meisten Zentralbanken der Emerging Markets haben die Preissteigerung inzwischen im Griff und senken nun die Zinsen. Zudem landete ein Teil der halben Billion Euro, die die EZB zur Bankenstabilisierung in den Markt pumpte, an den Börsen Asiens und Lateinamerikas.

Anleger fragen sich nun, ob sie noch einsteigen sollen. Bei vielen Performance-Spitzenreitern ist die Hausse nicht fundamental untermauert. Das trifft auf Ägypten, Zypern, Ungarn und die Türkei zu. Das Rückschlagrisiko ist hier enorm.

Anders sieht es dagegen trotz des Kursplus von 11,9 Prozent (in Euro: 18,9) in Indien aus. „Das Land verfügt mittelfristig über solide Wachstumsaussichten im hohen einstelligen Bereich“, sagt Bernhard Esser, Emerging-Market-Analyst bei der HSBC. „Zudem gelingt es den Indern immer besser, eine industrielle Basis aufzubauen und den Chinesen als Fertigungsstandort Konkurrenz zu machen“, so Esser. Der Exportanteil ist aber mit 16 Prozent noch gering, was das Land andererseits wenig anfällig für externe Schocks macht. „Dazu tragen auch die steigenden Einkommen in ländlichen Gebieten bei, die den Konsum stützen “, sagt Vincent Lagger, Asienprofi bei Swiss & Global Asset Management.

Beide Experten sind sich einig, dass die hohe Inflation das Hauptproblem für den Aufschwung des Subkontinents ist. „Sie hängt wie ein Damoklesschwert über Indiens Wirtschaft“, sagt Esser. Lagger rät dennoch zum Einstieg. Er meint, die Preissteigerung habe ihren Höhepunkt erreicht. Mit dem 2012er-Kurs-Gewinn-Verhältnis von 16 sieht er die Börse Mumbai historisch betrachtet günstig bewertet.

Im Überblick:
Wertentwicklung ausgesuchter Schwellenländer im Januar 2012 in Prozent (PDF)

Attraktiv sind auch hinterherhinkende Märkte — wie Südafrika. Die Johannesburger Börse legte seit Neujahr „nur“ um 7,5 Prozent zu (in Euro: 11,8 ). Dabei sind die Fundamentaldaten solide. 3,5 Prozent Wachstum und eine Verschuldung von 37 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Die Inflation ist mit 6,1 Prozent im Rahmen. „Positiv für die Binnennachfrage ist zudem die Neigung, Einkommenszuwächse auszugeben, was den Konsum beflügelt“, sagt Jens Schleuniger, Manager des VCH Africa. Zudem profitiert das Rohstoffland von hohen Preisen für Gold, Platin und Diamanten. Problematisch sind die Arbeitslosigkeit von 25 Prozent und Korruption.

Der Kapitalmarkt in Johannesburg ist gut entwickelt und liquide. Die Börse gab wegen ihres defensiven Charakters 2011 weniger nach als die anderer Schwellenländer — auch wegen des hohen Goldminenanteils.

Gas soll Öl ersetzen
Rohstoffe spielen auch für die Wirtschaft Mexikos, dessen Börse seit Anfang Januar nur um 1,7 Prozent (in Euro: 8,8) angezogen hat, eine große Rolle. Das Land profitiert vom hohen Ölpreis. Das schwarze Gold trägt ein Drittel zum Staatshaushalt bei. Jedoch werden die Vorräte in spätestens 15 Jahren versiegen. Daher versucht die Regierung die Schiefergasvorkommen, die als die weltweit viertgrößten gelten, zu erschließen. Auch der anziehende Silberpreis hilft den Mittelamerikanern, die zu den wichtigsten Exporteuren des Edelmetalls zählen.

Das trägt zum prognostizierten Wachstum von 3,5 Prozent für 2012 bei. Die Staatsverschuldung und das Haushaltsdefizit sind moderat, auch die Inflation hält sich mit gut drei Prozent im Rahmen. Ökonomisch am bedeutendsten sind Zulieferbetriebe aus dem Kfz- und Elektroniksektor. Mexiko ist Exportplattform für die USA. Nicht nur US-Konzerne wie Ford nutzen das niedrige Lohnniveau, sondern auch europäische und japanische Firmen. Der zollfreie US-Zugang und der bis vor Kurzem schwächelnde Peso helfen den Mexikanern beim Buhlen um Investoren gegen Asiens Billigkonkurrenz.
Die Verflechtung mit den USA ist groß. 80 Prozent der Exporte gehen dorthin. Zugleich stützen die Überweisungen von in Amerika arbeitenden Gastarbeitern den Konsum. Die sich erholende US-Wirtschaft belebt somit auch Mexikos Ökonomie.

Dass die Tequilabörse nicht anspringt, hat Gründe. Im Juli sind Präsidentschaftswahlen, Amtsinhaber Felipe Calderón darf nicht mehr antreten. Noch ist unklar, welcher Kandidat das Rennen macht. Abgeschreckt werden Investoren aber besonders vom Drogenkrieg. Mehr als 30 000 Tote forderte dieser seit 2007. „Die Gebiete, in denen der Staat das Gewaltmonopol verloren hat, haben sich ausgedehnt“, sagt Günther Maihold, Lehrstuhlinhaber am Colegio de México. Schutzgelderpressung ist üblich, zudem nistet sich die Mafia verstärkt im normalen Wirtschaftsleben ein.

Hilfe erhält sie dabei aus dem Norden. Nach Angaben aus US-Regierungskreisen ließ sich bei 87 Prozent der seit 2007 in Mexiko sichergestellten Gewehre beweisen, dass sie aus den USA stammten. Die mächtige Waffenlobby dort verhindert schärfere Gesetze. Präsident Calderón sagt es ganz offen: „Warum lässt sich das nicht stoppen? Wegen des Profits der US-Waffenindustrie.

Investor-Info

Emerging Markets
Steil nach oben

Die Prügelknaben von 2011 – Ägypten, Zypern, Ungarn und die Türkei – haussierten im Januar. Zur Top-Performance trugen auch Währungszuwächse bei.

Indien
Ein Markt für die Zukunft

Die langfristigen Aussichten für die Wirtschaft des Subkontinents sind gut. Nach einer Korrektur von Herbst 2010 bis Ende 2011 scheint der S & P-Nifty-India-Index, der aus 50 der größten Firmen des Subkontinents besteht, den Boden gefunden zu haben, ­genauso wie die 2011 stark gefallene indische Rupie. Mit dem ETF von iShares setzen Anleger auf ein Comeback des Index. Der Fonds ist thesaurierend.

Südafrika
Der Defensive

Während fast alle Börsen der Emerging Markets im Vorjahr fielen, lief der Leitindex Top 40 in Johannesburg seitwärts. Das zeigt seinen defensiven Cha­rakter. Er enthält die 40 Toptitel Südafrikas. Obwohl das Barometer nahe am Allzeithoch steht, ist der Markt mit einem 2012er-KGV von 12,1 nicht teuer. Mit dem ETF von Lyxor partizipieren Investoren. Aufwertungs­potenzial bietet die Währung Rand. 

Mexiko
Profiteur der US-Konjunktur

Die Erholung der US-Wirtschaft zieht Mexiko mit hoch. Darauf setzen Anleger, die den MSCI-Mexiko-Index-ETF von db X-trackers kaufen. Der umfasst 23 Bluechips des Landes. Die Börse ist mit einem 18er-KGV für 2012 nicht billig. 2012 klettert bisher nur die Valuta Peso, Aktien warten noch auf die Rally.

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