DÜSSELDORF (dpa-AFX) - Die Europäische Union (EU) könnte einem Pressebericht zufolge Finanzinvestoren stärker in die Haftung nehmen als bislang. So drohe der amerikanischen Investmentbank
Goldman Sachs eine Strafe in niedriger Millionenhöhe für einen Kartellverstoß eines Unternehmens, an dem das Institut finanziell beteiligt war, schreibt das "Handelsblatt" (HB/Mittwochausgabe) ohne Nennung von Quellen. Es deute einiges daraufhin, dass die Wettbewerbshüter die Investmentbank für die frühere Beteiligung an dem italienischen Kabelhersteller Prysmian in die Pflicht nehmen wollen.
Die EU-Kommission ermittelt seit Juli 2011 gegen zwölf Hersteller von Stromkabeln. Sie stehen im Verdacht, "Absprachen über die Aufteilung der Märkte und Kunden für die geplante Verlegung von Erd- und Unterseekabeln und in diesem Rahmen auch Preisabsprachen getroffen zu haben". Namen hatte die Kommission im Sommer nicht genannt. Nach Informationen des "Handelsblatts" gehört Prysmian aber zu den Unternehmen.
Eine Goldman-Sachs-Sprecherin sagte der Zeitung, dass weder das Unternehmen noch Mitarbeiter beschuldigt werden, an dem Kartellvergehen beteiligt gewesen zu sein oder davon gewusst zu haben. Weitere Angabe wollte sie nicht machen. Die amerikanische Bank hatte die ehemalige Pirelli-Tochter 2005 über ihre Finanzinvestoren-Sparte Goldman Sachs Partners übernommen, 2007 teilweise an die Börse gebracht und sich dann 2010 komplett zurückgezogen.
Sollten die Kartellwächter Goldman Sachs jetzt für mögliche Wettbewerbsverstöße in die Pflicht nehmen, könnte sich eine härtere Gangart gegenüber Finanzinvestoren abzeichnen, heißt es in dem Bericht. Die Zeitung zitiert einen nicht näher genannten Wettbewerbsexperten: "Der Fall ragt heraus, er könnte ein Umdenken in der Kommission markieren."/zb/fn/wiz