04.02.2013 12:57
Bewerten
 (1)

EU nimmt Zersplitterung der Finanzmärkte ins Visier

   Von Matthew Dalton

   BRÜSSEL--Die Europäische Union fürchtet eine Zersplitterung der Finanzmärkte innerhalb der Gemeinschaft. Jetzt hat die Europäische Kommission die Bankenaufsichten der 27 Mitgliedsländer in einem Brief aufgefordert, ihre Maßnahmen wegen einer möglichen Begrenzung des grenzüberschreitenden freien Kapitalflusses zu beschreiben und zu erklären - der erste öffentliche Schritt zur Bekämpfung der befürchteten Fragmentierung.

   Der freie Kapitalverkehr ist eine der zentralen Säulen des EU-Binnenmarktes. Doch seit dem Ausbruch der Finanzkrise 2008 ist der grenzüberschreitende Geldfluss schmaler geworden, die Banken schrecken davor zurück, ihre Gelder von einem ins nächste EU-Land zu transferieren. Dafür verantwortlich sind unter anderem die Maßnahmen, die einige Mitgliedsstaaten zum Schutz ihrer lokalen Bankensysteme ergriffen haben.

   Die Aufforderung der EU könnte der mögliche Auftakt für ein Gesetzgebungsverfahren sein, an dessen Ende Strafzahlungen für zu aggressiv vorgehende Regierungen stehen. Vor allem ist der Schritt ein Zeichen dafür, dass die Sorgen vor den Konsequenzen nationaler Restriktionen in Brüssel steigen; die unilateralen Maßnahmen eines Landes könnten die Erholung der angeschlagenen und zerstückelten Finanzmärkte in der EU verzögern, fürchtet man dort.

   Der Fokus der Kommission richtet sich auf die Beschränkungen, die manche nationalen Regulierer international aufgestellten Banken auferlegt haben - insbesondere denen, die in unterschiedlichen europäischen Ländern tätig sind. Darunter fallen zum Beispiel Regeln, die die im jeweiligen Land ansässigen Zweigstellen einer Bankengruppe daran hindern sollen, Kapital von sich zu einer anderen Schwesterngesellschaft im Ausland zu übertragen. Dies würde es den Töchtern de facto verbieten, Gewinne an die Muttergesellschaft abzuführen. Es beschränke zudem die Bereitstellung von Krediten innerhalb der Bankengruppe, heißt es im Entwurf für den Brief, in den das Wall Street Journal Einblick hatte.

   Vor allem Banken mit Sitz im schuldengeplagten Süden Europas sollen laut dem Entwurf vor derartigen Vorschriften im stabileren Norden geschützt werden, der ihren Filialen das Geschäft erschwert.

   "Die Kommission ist sehr besorgt über jegliche Maßnahmen, die in diese Richtung unternommen werden könnten", heißt es in dem Schreiben. "Die Kommission geht davon aus, dass der freie Kapitalverkehr und das große Potenzial des Binnenmarktes nicht für den Zweck von unkoordinierten und unverhältnismäßigen Maßnahmen gefährdet werden sollte, die im Hinblick auf eine ausschließlich auf nationaler Ebene angestrebten Stabilisierung des Finanzmarktes unternommen werden."

   Die nationalen Aufsichten müssen dem Entwurf zufolge bis Ende Februar ihre Stellungnahmen bei der Kommission einreichen. Dann werde die EU "gegebenenfalls weitere Schritte einleiten".

   (Den vollständigen Bericht und weitere tiefergehende Meldungen und Analysen zu aktuellen Wirtschafts- und Finanzthemen finden Sie auf WSJ.de, dem deutschsprachigen Online-Angebot des Wall Street Journal.)

   Kontakt zum Autor: konjunktur.de@dowjones.com

   (Mitarbeit: David Enrich)

   DJG/WSJ/apo

   (END) Dow Jones Newswires

   February 04, 2013 06:27 ET (11:27 GMT)

   Copyright (c) 2013 Dow Jones & Company, Inc.- - 06 27 AM EST 02-04-13

Artikel empfehlen?
Für den Live-Chat können Sie sich mit Ihrem finanzen.net-, Facebook- oder Twitter Account anmelden. Um immer die neusten Beiträge zu sehen, stellen Sie bitte "Neuesten" ein.

Private Krankenversicherung Tarifvergleich

Anzeige

Heute im Fokus

DAX schließt mit kräftigem Verlust -- Dow schließt leichter -- Staatsanwaltschaft klagt Deutsche Bank-Co-Chef Fitschen an -- Philips mit Gewinnwarnung für 2014 -- Merck im Fokus

Alibaba-Gründer: Brauchen keine heimliche Regierungshilfe. Rocket Internet geht am 9. Oktober an die Börse. IPO: Luxusschuh-Anbieter Jimmy Choo geht an die Börse. EuGH verhandelt am 14. Oktober über OMT. Zalando-Aktie offenbar bei Privatanlegern begehrt. Commerzbank und Software AG investieren in Traxpay.
Diese Aktien sind auf den Verkaufslisten der Experten

Diese Aktien sind auf den Kauflisten der Experten

Die 5 beliebtesten Top-Rankings

Welches Unternehmen erzielte bislang das größte Emissions- volumen?

Welche Darsteller verdienen am meisten?

Diese Models verdienten 2014 am meisten

In welchen Ländern kostet der Big Mac wie viel?

Die Fluglinien mit den zufriedensten Passagieren

mehr Top Rankings
Die umstrittenen Maut-Pläne werden möglicherweise nachgebessert. So soll die Abgabe für Pkw wohl doch nur auf Autobahnen und Bundesstraßen erhoben werden. Wie stehen Sie zu dem Thema.