07.02.2013 17:38
Bewerten
 (8)

Draghi sieht starken Euro als Abwärtsrisiko für Inflation

EZB bremst Euro aus
Der Rat der Europäischen Zentralbank, kurz EZB, betrachtet den Wechselkurs des Euro als ein größeres Risiko für die Inflation.
Mit dieser Aussage hat EZB-Präsident Mario Draghi bei der Erläuterung des jüngsten Zinsbeschlusses für eine deutliche Abwärtsbewegung beim Euro gesorgt. Bei der Erläuterung des jüngsten Zinsbeschlusses nannte Draghi den Euro-Anstieg ein "Abwärtsrisiko" für den Inflationsausblick. Ein höherer Euro-Wechselkurs mindert den Inflationsdruck im Euroraum, weil er die Importpreise langsamer steigen lässt. Damit nimmt die Wahrscheinlichkeit zu, dass die Verbraucherpreise weniger stark steigen, als die EZB das derzeit erwartet. Damit wächst zugleich ihr Spielraum für eine weitere Lockerung der Geldpolitik, was wiederum den Euro-Kurs belastet.

Draghi reagierte mit seiner Äußerung auf den deutlichen Anstieg der europäischen Einheitswährung in den vergangenen Wochen, der in einigen Ländern des Euroraums mit großer Sorge gesehen wird, weil er die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der Ausfuhren beeinträchtigt.

"Die Abwärtsrisiken für den Inflationsausblick rühren von einer schwächeren Wirtschaftsaktivität und in jüngster Zeit auch vom Anstieg des Euro-Wechselkurses her", sagte Draghi in seinen Einleitenden Bemerkungen wörtlich.

Auf Nachfrage von Journalisten schränkte der EZB-Präsident aber ein, dass sich der Euro-Kurs nominal und real in der Nähe seines langjährigen Durchschnitts bewege. Der Anstieg sei ein Anzeichen für die Rückkehr des Vertrauens im Euroraum. Der Wechselkurs des Euro beeinflusse die Entwicklung von Wirtschaftswachstum und Inflation. Die EZB werde daher genau beobachten, ob der Euro-Kurs weiter steige und ob er sich auf die Inflationsrisiken auswirke. Allerdings sei der Wechselkurs kein Politikziel der EZB, betonte Draghi.

Draghis Äußerungen sind die erste nennenswerte verbale Intervention eines EZB-Präsidenten gegen den Euro seit Jahren. Zuvor hatte bereits der französische Staatspräsident Francois Hollande kritisch zur Aufwertung des Euro geäußert und eine europäische Währungspolitik gefordert. Draghi kommentierte diese Forderung mit dem Hinweis auf die Unabhängigkeit der EZB von der Politik.   Kontakt zum Autor: hans.bentzien@dowjones.com DJG/hab/chg Dow Jones Newswires Von Hans Bentzien

Bildquellen: ECB
Artikel empfehlen?
Für den Live-Chat können Sie sich mit Ihrem finanzen.net-, Facebook- oder Twitter Account anmelden. Um immer die neusten Beiträge zu sehen, stellen Sie bitte "Neuesten" ein.

Anzeige

Heute im Fokus

DAX schließt über 2 Prozent fester -- Staatsschulden: Ukraine verkauft massenweise Gold -- US-Börsen schließen im Plus -- Chinas Notenbank senkt überraschend Leitzinsen -- Alibaba im Fokus

GDL und Bahn verhandeln weiter. Megafusion in der britischen Versicherungsbranche. Angebot an Hawesko-Aktionäre jetzt offiziell. RBS besteht Stresstest trotz Rechenfehler. Burger King schaltet im Streit um Filialen Gericht ein. Porsche vermietet seine Sportwagen künftig auch. Deutsche-Bank-CFO empfiehlt Alternative zum Sparbuch.

Themen in diesem Artikel

Diese Aktien sind auf den Kauflisten der Experten

Das sind Deutschlands Global Player

träger

Die 5 beliebtesten Top-Rankings

Facebook & Co: Welche Börsengänge waren ein Desaster?

Welches Unternehmen erzielte bislang das größte Emissions- volumen?

Welche Darsteller verdienen am meisten?

Diese Models verdienten 2014 am meisten

In welchen Ländern kostet der Big Mac wie viel?

mehr Top Rankings

Umfrage

Der Gesetzentwurf zur Frauenquote in den Führungsetagen von Unternehmen stößt in der Union auf wachsenden Widerstand. Wie stehen Sie zu diesem Thema?