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aktualisiert: 24.11.2010 22:26

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EIGENKAPITALFORUM

Nebenwertekonferenz: Die Tops und Flops

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Eigenkapitalforum: Die Tops und Flops in Frankfurt
Das Deutsche Eigenkapitalforum 2010 ist vorbei. Drei Tage hatte finanzen.net live von der wichtigsten Investorenveranstaltung für Nebenwerte berichtet. Zeit für eine Bilanz.

von Jens Castner und Joachim Spiering, €uro am Sonntag

Drei spannende Tage in Frankfurt mit insgesamt über 200 Unternehmenspräsentationen, vielen Einzelinterviews mit den anwesenden Vorständen und unzähligen Gesprächen mit Analysten, PR-Leuten und anderen Journalisten sind nun vorbei. Was bleibt? Gefühlt weniger Besucher als im vergangenen Jahr; eine grundsolide Stimmung, die weder verzagt (warum auch) noch zu euphorisch war; einige Enttäuschungen und einige echte Überraschungen im positiven Sinn.
Auch wenn wir natürlich nicht längst nicht alle Firmen gesehen haben, ein paar Favoriten können wir schon nennen. Sehr gut gefallen haben uns zum Beispiel die Gespräche, bzw. Ausblicke bei S.A.G. Solarstrom. Die Sonnenfirma könnte innerhalb der Branche zu den Topwerten im kommenden Jahr gehören (siehe untenstehende Berichte). Übrigens: Bei Payom soll es ebenfalls gut laufen.
Für Anleger interessant sind auch diverse Biotech-Werte, allen voran 4SC und Paion. Auch bei Einhell scheint es gut zu laufen. Am Montag hatte der Hersteller von Produkten für den Heimwerkerbedarf die Prognosen angehoben, am Mittwoch morgen folgte in Frankfurt die Präsentation. Die Aktie reagierte mit einem Plus von gut zwei Prozent. Hoffnung gibt es - mal wieder - auch bei PNE Wind. Die Windfirma hat in Frankfurt schon oft viel versprochen und dann doch wenig gehalten. Nun sieht es so aus, als würde PNE tatsächlich vor einem erfolgreichen Jahr stehen. Doch Vorsicht: Hohe Chance, aber eben auch hohes Risiko. Besser sieht es bei PSI aus. Die Firma aus Berlin hat sich am Mittwoch nachmittag sehr gut präsentiert. Und wenn nicht alles täuscht, dann müsste der Spezialist für Energiemanagement mit seinen energiesparenden Softwarelösungen auch in den kommenden Jahren schön wachsen. Überraschend positiv präsentierten sich UMS, Cenit und Teleplan.
Die größte Enttäuschung war wohl 118000. Die Telefonauskunftfirma von Klaus Harisch, der früher mal Telegate groß gemacht hatte und seitdem dem einstigen Erfolg nachrennt, floppte auf den EK-Forum total. Anleger verabschiedeten sich in Scharen. Enttäuscht waren die Besucher auch von der schwachen Präsentation von Intershop. Da kam wenig Substanzielles.

Generell war die Veranstaltung ein idealer Anlass, um mal wieder bekannte und auch etwas in Vergessenheit geratene Unternehmensstories genauer unter die Lupe zu nehmen. United Medical Systems, kurz UMS, ist so ein Fall. Wegen der unterschiedlichen Gesundheitssysteme in Europa und den USA hat sich das Geschäftsmodell in der alten Welt nicht bewährt. Seit der Aufgabe des Europageschäfts haben nur noch die wenigsten Börsianer den Wert auf der Watschlist - frei nach dem Motto „Aus den Augen, aus dem Sinn“. UMS vermietet medizinische Apparate, darunter Nierensteinzertrümmerer und radiologisches Equipment, mitsamt geschultem Personal tageweise an Kliniken, für die es wegen zu geringer Patientenzahlen nicht lohnt, solche Geräte selbst anzuschaffen. Bildlich gesprochen, ist damit in einem Krankenhaus beispielsweise montags Nierensteinbehandlungstag, dienstags Mammographietag, mittwochs Prostatauntersuchungstag. Geräte und Personal sind so immer nahezu voll ausgelastet.
Da UMS noch nicht in allen Bundesstaaten vertreten ist, sieht Vorstandschef Jorgen Madsen in den USA noch einiges Wachstumspotenzial, außerdem expandiert das Unternehmen nach Kanada und Lateinamerika. Das jährliche Umsatzwachstum liegt bei fünf bis sieben Prozent und soll in dieser Größenordnung beibehalten werden. Der Gewinn steigt deutlich schneller. Die 40 Cent Gewinn je Aktie des gesamten Vorjahres wurden 2010 mit 46 Cent schon nach drei Quartalen deutlich übertroffen. Fürs Gesamtjahr sollte (je nach Dollarkurs) ein Ergebnis von 55 bis 65 Eurocent je Anteilsschein herauskommen.
Da UMS inzwischen schuldenfrei ist, soll künftig jedes Jahr eine ansehnliche Dividende bezahlt werden. Wie Madsen auf dem Eigenkapitalforum erklärte, werden dabei die 30 Cent je Aktie aus dem Vorjahr die Untergrenze bilden. Ob es bereits in diesem Geschäftsjahr zu einer Erhöhung kommt, wollte er allerdings noch nicht verraten. Zusätzlich kauft das Unternehmen kontinuierlich eigene Aktien zurück. Die Präsentation kam sehr gut an, die Aktie legte in einem am Mittwoch wieder freundlichen Marktumfeld um 3,5 Prozent zu.

Auch wenn sich dies im Kurs noch nicht bemerkbar machte, könnte Aragon in den nächsten Tagen ebenfalls verstärkt in den Fokus der Börsianer rücken. Vorstandsmitglied Wulf Schütz ließ durchblicken, dass das dritte Quartal das beste der Firmengeschichte gewesen sein dürfte, dasselbe soll Auguren zufolge auch fürs Gesamtjahr 2010 gelten. Und 2011 will der Finanzdienstleister noch mal eine gehörige Schippe drauflegen. Die Quartalszahlen sollen nächste Woche veröffentlicht werden.

Gleich am Mitttwochmorgen hatte sich Börsenneuling JK Wohnbau in kleiner Runde vorgestellt. Der Börsengang am 10. November war verhalten ausgefallen. Die Aktie, ausgegeben zu 8,00 Euro, war mit 7,90 Euro aus dem Handel gegangen. Aktuell notiert die Aktie knapp über 8,00 Euro.
JK Wohnbau ist als Projektierer ausschließlich im Wohnimmobiliengeschäft in München und Umgebung tätig und als Bauträger auf diesem lokalen Markt die Nummer drei. Ziel ist, die Nummer eins zu werden. Vorstand Josef Kastenberger gab sich bei der Präsentation extrem optimistisch - und hob im Prinzip gleich mal die Prognose an. Hintergrund: Bisher war der Markt davon ausgegangen, dass erst in drei Jahren, also 2013, ein großer Sprung bei Umsatz und Ergebnis erfolgen wird. Denn mit den 80 Millionen Euro, die der Gesellschaft durch den Börsengang zuflossen, lässt sich ein Projektvolumen in Höhe von 400 Millionen Euro stemmen. Die daraus resultierenden Erlöse werden allerdings erst nach drei Jahren wirksam.
Kastenberger betonte nun, dass sehr viel früher Umsatz und Gewinn steigen werden - nämlich schon ab nächstem Jahr. Und zwar aus drei Gründen. Zum einen baut JK das Geschäft mit Sanierung und Wiederverkauf von Bestandswohnung massiv aus, da Grundstücke für Neubauprojekte a la long in München ein limitierender Faktor sind. Vorteil: Im Sanierungsgeschäft fließen schon nach etwa zwei Jahren erste Erlöse. Zum anderen forciert JK auch das Geschäft mit institutionellen Anlegern. "Große Pensionskassen und andere drängen massiv in den Markt", so Kastenberger. Vorteil für JK: Die Gesellschaft kann auf einen Schlag für beispielsweise 40 Millionen Euro einen Wohnblock an einen institutionellen Investor verkaufen und muss diese Wohnungen nicht einzeln und aufwändig (und damit auch teurer) an Privatleute an den Mann bringen. "Das Geschft wollen wir massiv ausbauen. Ich erwarte hier schon 2011 nennenswerte Verkäufe." Und drittens: Bislang hat JK für die 20prozentige Eigenkapitalausstattung bei Bauprojekten externe Geldgeber ins Boot holen müssen - die hohe Zinsen und 50 Prozent des Gewinns abschöpften. Durch die Mittel aus dem Börsengang ist JK nun in der Lage, auf diese Joint Venture-Partner zu verzichten. Kastenberger geht davon aus, dass schon 2011 entsprechende Effekte beim Gewinn zu sehen sein werden.
Erzielte JK 2009 notariell beglaubigte Verkaufserlöse in Höhe von 125 Millionen Euro (inklusive eines großen 40-Millionen-Euro-Deals mit einem institutionellen Investor) werden dieses Jahr 100 Millionen Euro erwartet, unter Umständen auch 120 Millionen. 2011 sollen es dann wieder deutlich mehr werden. "Ich sage, dass wir die 150 Millionen Euro toppen werden", so Kastenberger. "Wir wollen in den nächsten Jahren den Umsatz verdoppeln und der Gewinn wird um ein vielfaches steigen."
Mit knapp 170 Millionen Euro Marktkapitalisierung ist JK sehr sportlich bewertet. Anleger sollten sich die Aktie dennoch auf die Watchlist setzen. Es ist davon auszugehen, dass in den kommenden Monaten ein positiver Newsflow einsetzen wird - und das könnte die Aktie nach oben bringen.

Bildquellen: Börse Stuttgart, BMU/H.-G. Oed
Seite: 123

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