18.02.2011 17:00
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Asien - Wo ein Einstieg noch lohnt

In Indien läuft die Börse derzeit alles andere als gut
Emerging Markets
Indische Aktien und Bonds gehen auf Talfahrt. Die Zentralbank bekämpft nicht energisch genug die Inflation. Thailand und China machen es besser.
€uro am Sonntag

von Jörg Billina, Euro am Sonntag

In den Morgen- und Abendstunden stehen Indiens Autofahrer stundenlang im Stau. Wer hingegen auf einem Motor­roller oder Motorrad sitzt, schlängelt sich durch den Verkehr und meistert die Herausforderungen einer unzulänglichen Infrastruktur. Oft sind es Modelle von Hero Honda. Das Unternehmen hält einen Marktanteil von 59 Prozent und verkaufte 2010 die Rekordzahl von 1,2 Millionen Stück.

Für Fondsmanager war die Hero-Honda-Aktie lange Zeit ein Kauf. Seit Jahresanfang ist der Kurs jedoch um mehr als 20 Prozent gefallen. Nicht, weil der Vorstandsvorsitzende Pawan Munjal Fehler gemacht hätte. Aktuell belasten vor allem externe Fakto­ren die Wertentwicklung. „Die Preise für Stahl und Kautschuk sind stark gestiegen“, erklärt Munjal. Die Gewinnmargen dürften künftig nicht mehr so üppig ausfallen wie bisher.


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Mit höheren Einkaufspreisen sind auch zahlreiche andere indische Unternehmen konfrontiert. Sie fürchten zudem eine sinkende Nachfrage. Denn die Preise für Lebensmittel ziehen ebenfalls an. Im Vergleich zum Vorjahresmonat kosteten Brot, Reis und Gemüse im Januar 18 Prozent mehr. Indiens Volkswirtschaft drohen zusätzliche Belastungen, sollten im Zuge der Ereignisse in Nahost die Notierungen für Öl – Indiens wichtigstes Importgut – weiter nach oben tendieren.

Anlegern gefällt die Entwicklung nicht. Ausländische Investoren, die im vergangenen Jahr noch 30 Milliar­den Dollar in indische Aktien angelegt hatten, ziehen massiv Gelder ab. Indiens Börse weist seit Jahresanfang ein Minus von über 16 Prozent auf. Auch die Kurse indischer Staatsanleihen gehen auf Talfahrt, entsprechend ziehen die Renditen an. Im November stand die zehnjährige Referenzanleihe noch bei 102 Prozent. Mittlerweile sind es nur noch 97 Prozent. „Jeder rechnet mit weiter fallenden Bond-Kursen“, sagt Debendra Kumar Dash, Rentenhändler bei der Development Credit Bank, gegenüber der Zeitung „Business Standard“.

Ob Investoren zurückkommen und ob und wann Bonds und Aktien wieder Einstiegsniveaus erreichen, hängt entscheidend von der Fähigkeit der indischen Zentralbank ab, die Inflation in den Griff zu bekommen. Diese liegt mittlerweile bei 8,5 Prozent. Die Reserve Bank of India hat zwar schon reagiert – nach sieben Erhöhungen innerhalb eines Jahres steht der wichtigste Zinssatz mittlerweile bei 6,5 Prozent, dem höchsten Stand seit zwei Jahren. „Von ihrem Inflationsziel ist die Notenbank aber immer noch drei Prozentpunkte entfernt“, sagt Michael Mewes, Rentenchef von JP Morgan Asset Management in Frankfurt. „Die Geldpolitik müsste deutlich straffer ausfallen.“

Doch Notenbankchef Duvvuri Subbarao achtet nicht nur auf stabile Preise. Wie sein US-Kollege Ben Ber­nanke hat er auch das Wirtschaftswachstum im Blick. Kräftigere Zins­erhöhungen würden jedoch die Kreditkosten für Unternehmen erhöhen und ihre Investitionsbereitschaft hemmen. Zudem dürfte Indiens Währung, die Rupie, anziehen und dem Export schaden.

Fraglich ist auch, ob die Regierung das angeschlagene Vertrauen der Investoren wiederherstellen kann. Premierminister Manmohan Singh ist mächtig unter Druck. Nahezu im Wochentakt werden Bestechungsfälle bekannt. Diese Woche geriet das Raumfahrtministerium in die Schlagzeilen. 39 Milliarden Dollar hätten dem Haushalt zugeführt werden können, wäre die Verteilung von satellitengestützten Kommunikationslizenzen gemäß Recht und Gesetz erfolgt. Die Opposition macht nun die Aufklärung der Vorgänge zur Bedingung für ihre Zusammenarbeit im Parlament. Dort steht die Haushaltsdebatte an. Die Regierung wollte sie nutzen, um ihre Steuererhöhungspläne durchzusetzen. Diese wären notwendig, um das Budgetdefizit abzubauen beziehungsweise mehr Mittel für Infrastrukturinvestitionen bereitstellen zu können.

Für Bond-Experte Mewes sind indische Staatsanleihen kein Kauf, zumal die volle Konvertierbarkeit der Währung sowie die Erwerbsmöglichkeit für Ausländer nur erschwert möglich sind. Regierungsanleihen aus Malaysia und Thailand, die in ­lokaler Währung ausgegeben werden, hält er dagegen für attraktiv. Sie sind im JP Morgan Emerging Markets ­Local Currency Debt Fonds hoch gewichtet. „Die Zentralbanken dieser Länder erkennen Inflations­tendenzen früher und bekämpfen sie entschiedener“, sagt Mewes. Tatsächlich weist Malaysia eine Teuerungsrate von gerade mal 2,2 Prozent auf. Thailand verzeichnet aufgrund von vier Zinsschritten seit Juli vergangenen Jahres moderate drei Prozent. „Damit ist das von den Zentralbanken anvisierte Inflationsziel genau erreicht“, sagt Mewes. Zudem stieg Thailands Bath. Der höhere Wechselkurs schlägt sich positiv auf die Wert­entwicklung des Fonds nieder.

Auch in Peking hat man der Inflation den Kampf angesagt. Die Notenbank der Volksrepublik erhöhte vergangene Woche die Sätze um 25 Basispunkte. Als Folge stieg der Yuan im Vergleich zum Dollar auf ein Rekordhoch. Ein Drehen an der Zinsschraube war nach Meinung von Rajeev de Mello, Fondsmanager des Legg Mason Western Asset Asian Opportunities Fund, überfällig. „Mit aktuell 5,3 Prozent liegt die Preissteigerungs­rate deutlich über dem Ziel von drei Prozent“, sagt de Mello. Er rechnet mit weiteren Zinsschritten.

Die Entscheidung dürfte nicht leicht gefallen sein. Einerseits muss die exportlastige chinesische Wirtschaft wachsen, damit die Menschen Arbeit finden. Ansonsten ist der Machtanspruch der kommunistischen Partei gefährdet. Peking fürchtet aber auch steigende Lebensmittelpreise und will zudem Turbulenzen auf dem heiß gelaufenen Immobilienmarkt vermeiden.

Für Asiens Volkswirtschaften ist die Zinsentscheidung in Peking jedoch von Vorteil. „Die seit Juli 2010 veränderte Währungspolitik Chinas ermöglicht es, dass nun auch andere asiatische Länder einen Anstieg ihrer Währungen zulassen können, ohne Wettbewerbsnachteile zu befürchten, wenn sie mit China konkurrieren oder ins Reich der Mitte exportieren wollen“, sagt de Mello. Auch das Verhältnis zu den USA dürfte sich bessern. Washington hatte China in der Vergangenheit Währungs­manipulation vorgeworfen.

Investor-Info

Inflation in Asien
Balanceakt der Notenbanken

In Asien steigen die Preise, vor allem Lebensmittel kosten mehr. Das trifft den ärmeren Teil der Bevölkerung hart. Bis zu 50 Prozent ihres Einkommens geben Einkommensschwache für Grundnahrungsmittel aus. Mit Zinserhöhun­gen können die Notenbanken den Preisanstieg dämpfen. Doch in der Regel steigt dann auch der Kurs der Währung, und das spürt die Exportwirtschaft. Den Zentralbanken Thailands und Malaysias ist es bisher gelungen, die Preise relativ stabil zu halten, ohne das Wachstum abzuwürgen. Die Inflationsraten entsprechen den Inflationszielen. Die Preissteigerungsrate in Indien liegt dagegen aktuell über Plan. Im Lauf des Jahres dürfte die indische Notenbank die Zinssätze anheben. Weitere Zinsschritte sind auch von der chinesischen Nationalbank zu erwarten.

Western Asset Asian Opport.
Won und Yuan hoch gewichtet

Fondsmanager Rajeev de Mello konzentriert sich regional ausschließlich auf Asien. 60 Prozent der Mittel hat er in Staatspapiere investiert, der Rest verteilt sich auf ­Anleihen staatsähnlicher Organisationen und Unternehmensanleihen. Der südkoreanische Won und der chinesische Yuan sind mit 17 beziehungsweise 16 Prozent relativ hoch gewichtet. Der Anteil der ­Rupie liegt ­dagegen bei zwei Prozent. De Mello will in diesem Jahr ein Plus von neun bis zehn Prozent erzielen.

JP Morgan EM Currencies
Kein Kauf indischer Anleihen

Anleihen in lokaler Währung aus Malaysia, Thailand und Indonesien zählen zu den Top-Ten-Positionen des JP Morgan Emerging Markets Local Currencies. Die Bonds weisen zum Teil hohe Kupons auf. Das 2022 fällige Staats­papier Indonesiens etwa ist mit 10,25 Prozent verzinst. Wegen der nicht vollständigen Konvertierbarkeit der ­Indischen Rupie sind indische Anleihen laut Fondsmanager ­Pierre-Yves Bareau kein Kauf. Dagegen investiert er in Staatspapiere Brasiliens und Südafrikas. Neben Kupon­erträgen und Kurssteigerungen gehen auch anziehende Währungskurse in die Wertentwicklung ein. Im vergangen Jahr schaffte der Fonds ein Plus von 15 Prozent.

Julius Bär EM Infl. Linked Bond
Steigende Preise nutzen

Inflationsgeschützte Anleihen bieten im Vergleich zu herkömmlichen Anleihen einen geringeren Kupon. Doch bei sogenannten Inflation-Linked Bonds ist dieser an die Entwicklung der Verbraucherpreise gekoppelt. So wird im jeden Fall eine reale Verzinsung erreicht. Schwellenländer wie Argentinien und Korea bringen nun verstärkt solche Papiere auf den Markt. Der vor Kurzem aufgelegte Fonds Julius Bär EM Inflation-Linked Bond bietet An­legern die Möglichkeit, von steigenden Preisen in den Schwellenländern zu profitieren.

Bildquellen: iStock
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