DÜSSELDORF (dpa-AFX) - In der Energiebranche wächst die Sorge vor einem Scheitern der geplanten Laufzeitverlängerung für Kernkraftwerke. "Für mich ist nicht nur entscheidend, wie lange die Laufzeiten verlängert werden, sondern auch zu welchen Bedingungen", sagte der Vorstandschef des Versorgers Energie Baden-Württemberg (EnBW), Hans-Peter Villis, dem "Handelsblatt" (Freitag). "Ich wünsche und brauche bald Klarheit in der Sache. Am liebsten hätte ich die schon heute." EnBW betreibt mit Neckarwestheim 1 einen der ältesten deutschen Reaktoren. Das Unternehmen ist daher dringend darauf angewiesen, dass die Bundesregierung ihre Zusage einlöst, die Laufzeiten zu verlängern.
Hinter den Kulissen tobt derzeit ein Kampf um die Gegenleistungen, die die Betreiber für eine Verlängerung der Laufzeit erbringen müssen. Dabei geht es nicht nur darum, welchen Anteil der aus einer Laufzeitverlängerung resultierenden Zusatzgewinne die Politik für sich vereinnahmen will. Auch die Frage, wie viel die Betreiber in zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen investieren müssen, ist umstritten. Villis machte deutlich, dass er den Reaktor nicht um jeden Preis länger laufen lassen will: "Wenn es betriebswirtschaftlich keinen Sinn mehr macht, wird wohl keiner ein Kernkraftwerk weiterbetreiben. Dies gilt auch für uns. In diesem Fall müssten wir Neckarwestheim 1 schließen."
KEIN EINHEITLICHER KURS DER VERSORGER
Der Manager erklärte sich im "Handelsblatt" bei einer Laufzeitverlängerung von acht Jahren dazu bereit, bis zu 200 Millionen Euro in den Reaktor Neckarwestheim 1 zu investieren. "Wenn wir für ebenfalls nur zusätzliche acht Jahre aber weitere kostenträchtige Auflagen erhalten, wäre dies möglicherweise nicht mehr wirtschaftlich", sagte der Manager. Auch RWE-Chef (RWE) Jürgen Großmann hatte am Donnerstag vor zu hohen Forderungen der Politik gewarnt und an die Politik appelliert, längere Laufzeiten für alle 17 deutschen Reaktoren zu ermöglichen.
Villis räumte ein, in der Frage der Laufzeitverlängerung verfolgten die vier Kernkraftwerksbetreiber keinen einheitlichen Kurs. "Jeder ist doch unterschiedlich betroffen. Schauen sie sich Vattenfall an. Bei einer Laufzeitverlängerung um 20 Jahre müsste Vattenfall um die Rentabilität seiner Braunkohlekraftwerke fürchten. Die rentieren sich umso mehr, je schneller die Kernkraftwerke vom Netz sind", sagte Villis./nl/tw