KARLSRUHE/STUTTGART (dpa-AFX) - Das Hin und Her bei einer Personalentscheidung an der Spitze des drittgrößten deutschen Energieversorgers
EnBW wirft Fragen auf. Seit Anfang des Jahres ist Vorstandsmitglied Hans-Josef Zimmer wieder im Amt - nachdem er es im Sommer wegen Ungereimtheiten bei Nuklearbrennstoff-Geschäften in Russland niedergelegt hatte. Für Verwunderung sorgt nun, dass Zimmer den Posten als Technikvorstand erneut bekleidet, obwohl die EnBW noch mit zwei Klagen massive Forderungen gegen ihn erhebt. Es geht um Dutzende Millionen Euro eingeforderte Wiedergutmachung.
Ein Sprecher des für Zimmer zuständigen Landgerichts Landau in der Pfalz sagte am Mittwoch, die beiden Klagen seien schon zugestellt und Zimmers Anwälte hätten bis Ende Februar Zeit, auf die Vorwürfe zu reagieren. Nach Darstellung des Sprechers geht es um Forderungen "im oberen zweistelligen Millionenbereich". Damit bestätigte er Berichte aus dem "Handelsblatt" und der "Stuttgarter Zeitung". Die EnBW hatte wegen der Geschäftsprobleme in Russland weit mehr als 100 Millionen Euro abschreiben beziehungsweise im Wert berichtigen müssen.
Bei Zimmers Abgang hatte es geheißen, er gehe aus freien Stücken. Der Konzern erklärte damals, der Manager wolle so eine "vorbehaltlose Prüfung von russischen Geschäftstätigkeiten" ermöglichen. Warum das Unternehmen einem seiner Topmanager nun wieder vertraut, parallel aber juristisch mit ihm streitet, blieb am Mittwoch zunächst unklar. Der zuständige Sprecher des Konzerns war anfangs nicht zu erreichen.
Ob an der Börse notierte Unternehmen klagen, ist allerdings nicht nur ihnen selber überlassen, sondern hängt auch vom Aktienrecht ab./loh/DP/wiz