von €uro-Redakteur Matthias Fischer
Das kommt richtig teuer! Die Energiewende — von Angela Merkel direkt nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima verkündet — wird gigantische Summen verschlingen. Allein der Ausbau der erneuerbaren Energien kostet bis zum Jahr 2030 rund 335 Milliarden Euro, hat die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) in einer Studie errechnet. Würde man diese Summe nach Griechenland transferieren, wäre das Land bei der aktuellen Staatsverschuldung von 350 Milliarden Euro auf einen Schlag nahezu schuldenfrei.
Wie diese riesige Summe für den Ausbau nachhaltiger Energieformen — vor allem aus Sonne, Wind und Wasserkraft — aufgebracht werden soll, steht jedoch noch in den Sternen. „Nach wie vor fehlt ein schlüssiges Finanzierungskonzept für die Energiewende“ kritisiert vbw- Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt. Eines aber steht schon jetzt fest: Ein guter Teil der Kosten wird bei den großen deutschen Versorgern hängen bleiben. Vor allem die Giganten Eon und RWE werden in naher Zukunft viele Milliarden investieren müssen.
Milliardenhohe Belastungen
Schon jetzt spüren die beiden Unternehmen die Energiewende schmerzhaft: Eon hat das Geschäftsjahr 2011 mit einem Minus von 2,2 Milliarden Euro abgeschlossen. Das erste Verlustjahr der Firmengeschichte. Und das nach einem Gewinn von 5,8 Milliarden Euro im Jahr zuvor. Allein die Kosten der Stilllegung der beiden Atommeiler Isar 1 und Unterweser sowie die Anfang 2011 eingeführte Brennelementesteuer haben den Konzern nach eigenen Angaben mit 2,5 Milliarden Euro belastet. Konkurrent RWE, der ebenfalls zwei Atomkraftwerke abschalten musste, beziffert die Belastungen auf 1,3 Milliarden Euro.
An der Börse haben diese Zahlen die Investoren darin bestärkt, einen weiten Bogen um die Aktien der beiden Versorger zu machen. Unsicherheit und milliardenschwere Belastungen — diese Mischung mögen Börsianer gar nicht. Die Aktien notieren gemessen an Fundamentaldaten wie Kurs-Gewinn-Verhältnis oder Dividendenrendite mittlerweile auf Schnäppchenniveau (siehe Daten Seite 66). So liegt das für 2012 geschätzte Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von Eon bei 10,2, von RWE bei 7,7. Zum Vergleich: Das KGV des DAX beträgt 13,5.
Was aber, wenn die Energiewende für die Versorger nicht nur Risiken birgt, sondern auch Chancen bietet? Das Wirtschaftsministerium verweist gerne auf den Pioniercharakter: Sollte die Energiewende in Deutschland gelingen, dürfte sie zum Vorbild weltweit werden. Dann wäre das Know-how der deutschen Industrie gefragt. Und müsste teuer bezahlt werden.
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