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26.10.2011 17:00

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Afrika lockt jetzt zum Einstieg

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Malcolm Gray, Investec
Wegen der unsicheren politischen Lage standen Ägypten, Nigeria oder Tunesien bislang selten auf dem Zettel von Investoren. Die Regionen sind dennoch interessant.

Malcolm Gray, Gastautor in Euro am Sonntag

Afrika machte in den ver­gangenen Wochen einmal mehr mit politischen Ereignissen von sich reden. Während in Libyen der ehemalige Machthaber Muammar al-Gaddafi gewaltsam von der Oppositionsbewegung aus dem Amt gedrängt wurde, wird in diesen Tagen im Nachbarland Ägyp­ten die jahrelange Herrschaft des ehemaligen Präsidenten Hosni Mubarak juristisch aufgearbeitet. Fast immer sind gewaltsame Auseinandersetzungen Teil solcher politischen Umwälzungsprozesse. Doch Bilder von Massendemonstrationen und Bürgerkriegen verunsichern Investoren und so ziehen sie ihre Gelder ab – zumal in einem Umfeld, das wegen der Schuldenkrise derzeit von einem weltweiten Exodus bei Risikoanlagen geprägt ist.

Vor diesem Hintergrund ist es wenig überraschend, dass die Aktienmärkte etwa in Ägypten, Kenia, Marokko, Nigeria und Südafrika in den vergangenen Monaten stärker gefallen sind als etwa der MSCI World. Gelten diese Börsen doch verglichen mit weniger entwickelten Märkten des Kontinents als relativ liquide, was Anlegern die Möglichkeit gibt, ihre Positionen kurzfristig aufzulösen.

Auf kurze Sicht werden die jüngsten Ereignisse nicht ohne wirtschaftliche Folgen bleiben. So erwartet zum Beispiel die Afrikanische Entwicklungsbank für den Kontinent im Jahr 2011 einen Rückgang der Wachstumsrate auf 3,7 Prozent nach einem Plus von 4,9 Prozent im Vorjahr. Doch schon im kommenden Jahr soll der Prognose zufolge das Konjunkturtempo wieder anziehen – vorausgesetzt, die Verhältnisse in den jetzigen Krisenregionen normalisieren sich und die Weltwirtschaft erleidet keinen ernsthaften und vor allem dauerhaften Schwächeanfall.

Immer mehr große Konzerne
investieren in Afrika

Es ist jedoch fraglich, ob Afrika von den negativen Effekten einer Rezession in den Industrienationen tatsächlich betroffen ist. Angesichts von mehr als 50 verschiedenen Volkswirtschaften auf dem Kontinent lässt sich das nicht pauschal ausschließen. Es gibt jedoch einige Argumente, die Anleger in diesem Zusammenhang berücksichtigen sollten. So expandieren immer mehr große Konzerne in Afrika und investieren strategisch, weil sie die sich dort bietenden Chancen sehen. So ist etwa der US-Handelsriese Walmart dieses Jahr mit 51 Prozent bei Massmart, einem süd­afrikani­schen Einzelhandelsunternehmen, eingestiegen. Sicher: Von der Größenordnung her schlägt sich dieser Deal in der weltweiten Statistik kaum nieder. Aber er zeigt, wie positiv global agierende Unternehmen die Wachstumsaussichten Afrikas einschätzen.

Für Investoren ist dies ein positives Signal, zeigt es doch eindrucksvoll, welche langfristig guten Investmentmöglichkeiten der Kontinent bietet. Denn Walmart ist kein Einzelfall. Wer in die aktuellen Geschäftsberichte von Konzernen wie etwa Unilever, Coca-Cola und Nestlé schaut, bekommt einen recht guten Einblick, in welchen Regionen und Ländern Afrikas diese Global Player ihr Wachstum vorantreiben.


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Lokale Player wie Tiger Brands
ebenfalls auf Expansionskurs

So plant Coca-Cola in Kenia ein Kompetenzzentrum, von dem aus der Konzern sein Saftgeschäft in ganz Afrika ausbauen will. Und im Telekommunikationssektor sind Google und Orange Telecom kürzlich eine strategische Partnerschaft eingegangen, um afrikanische Mobilfunkkunden mit Google-Diens­ten zu versorgen. Orange, die Mobil­­funk­sparte von France Telecom, ist schon heute einer der stärk­sten Anbieter in Afrika und dem Nahen Osten. Denn während weniger als zwei Prozent der Menschen in dieser Region Zugang zu Breitbanddiensten haben, können gut zwei Drittel mobil telefonieren.

Aber auch die Konkurrenz in Afrika selbst schläft nicht. So befindet sich der südafrikanische Nahrungsmittelkonzern Tiger Brands seit geraumer Zeit auf Einkaufstour und tätigt in ganz Afrika Übernahmen. Die südafrikanische Supermarktkette Shoprite eröffnet fleißig neue Filialen jenseits der Landesgrenzen und forciert so den Wettbewerb vor allem in der Sub­sahara-Region. Gerade diese Region punktet wirtschaftlich gesehen mit einigen Vorteilen: Dazu gehören günstige Preise von Importgütern, ein höherer Absatz lokaler frischer Lebensmittel, verbesserte Logistik­netzwerke sowie eine verstärkte Innovationsbereitschaft.

Auch ein anderes Argument spricht für Afrika: Viele Märkte sind aufgrund des deutlich gesunkenen Kursniveaus mittlerweile sehr niedrig bewertet. Die überdurchschnittlich guten Zukunftsperspektiven, die der Kontinent bietet, werden damit in vielen Fällen schlichtweg ignoriert. Denn fundamental gesehen sind viele afrikanische Volkswirtschaften mittlerweile äußerst robust gegenüber externen Einflüssen.

Während einzelnen Ländern hin und wieder externe Ereignisse zu schaffen machen, können Ereignisse im eigenen Land sehr unterschiedliche Auswirkungen haben. Kenia beispielsweise verzeichnete im August wegen der Dürre und einer schwachen Währung mit 16,7 Prozent seine höchste Inflationsrate seit Jahren. Ghana erlebt mit 8,4 Prozent zur Zeit seine geringste Inflation seit mehr als 20 Jahren.

Die Bevölkerung des Kontinents, die bis 2015 über eine Milliarde Einwohner zählen wird, ist im Schnitt zwischen 22 und 24 Jahre alt. Damit ist Afrika die demo­grafisch jüngste Region der Welt. Diese junge Bevölkerung bildet eine stabile Basis für wirtschaftliches Wachstum, zumal in vielen Ländern Afrikas ein Mittelstand mit einem vergleichsweise guten Einkommen entstanden ist, der den Konsum ankurbelt. In Ländern wie Nigeria oder Ghana wächst die Binnennachfrage mittlerweile viel stärker als der Rohstoffsektor. Der Bedarf etwa nach Telekommunikations- und ­Finanzdienstleistungen steigt rasant. Große Absatzchancen gibt es selbstverständlich auch für Basisprodukte des Konsums wie etwa Nahrungsmittel und Bekleidung. Und nicht zuletzt werden in den kommenden Jahren Milliarden Dollar in den Auf- und Ausbau der Infrastruktur, also Straßen, Schienen und Versorgungsnetze, investiert.

Viele Länder haben ihre stärkste
Wachstumsphase noch vor sich

Hinzu kommen zunehmend positive Meldungen: So sind in Südafrika die Streiks in der Kohle-, Erdöl- und Minenbranche beendet worden – mit Gehaltsabschlüssen, die für die kommenden zwei Jahre gelten. Das schafft sowohl ökonomische als auch soziale Sicherheit. Und nicht vergessen werden sollte auch, dass sich selbst „kritische“ Märkte wie etwa Ägypten angesichts des globalen, aber auch national schwierigen Umfeldes immer noch relativ gut gehalten haben.

Zweifellos gibt es in Afrika neben den eingangs erwähnten politischen auch ökonomische Risiken zu beachten, hierzu zählt in erster Linie die Inflation. Die Inflationssorgen von Kenia finden sich auch in einer Reihe anderer ostafrikanischer Länder wie Uganda wieder. Diese Länder kämpfen mit zweistelligen Inflationsraten, Wachstumsschwäche und einem starken Abwertungsdruck auf ihren Währun­gen, ohne dass es die Notenbanken bislang geschafft hätten, diese Probleme in den Griff zu bekommen.

Allein auf die Negativfaktoren zu schauen, verstellt jedoch den Blick für die Chancen, die Afrika bietet. Fast alle Volkswirtschaften Afrikas stehen im Vergleich etwa zu den BRICs erst am Beginn ihrer wirtschaftlichen Entwicklung und haben ihre stärkste Wachstumsphase noch vor sich.

Frühe Chancen
Während einerseits ein wachsender Mittelstand in vielen afrikanischen Staaten für Stabilität in Wirtschaft und Gesellschaft sorgt, ergeben sich für frühe Investoren große Chancen, sich künftige Marktanteile zu sichern. So ist etwa ein großer Teil des Kontinents noch ohne geregelte Stromversorgung. Kommt die Elektrifizierung, steigt beispielsweise der Bedarf an ­Infrastruktur und Telekommunikation rasant. Auch im Einzelhandel, der dann auf Kühltechnik zurückgreifen kann, dürften sich gewaltige Umbrüche im Konsumverhalten ergeben.

zur Person:

Malcolm Gray, Portfoliomanager
bei Investec Asset Management

Gray managt den Investec Africa Opportunities Fund und ist für mehrere Aktien- und Multi-Asset-Portfolios mit Schwerpunkt Süd- und Pan-Afrika verantwortlich. Zudem ist er Mitglied des SRI-Beirats der Börse von Johannisburg (JSE), der unabhängige Informationen über den aktuellen SRI-­Index des JSE bietet.
Investec Asset Management ist ein Vermögensverwalter mit Wurzeln in Großbritannien und Südafrika. Die 1991 gegründete Gesellschaft verwaltet Kundengelder in Höhe von 94 Milliarden US-Dollar. Rund die Hälfte des verwalteten Vermögens ist auf dem afrikanischen Kontinent investiert.

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