Achim Küssner, Gastautor von Euro am Sonntag
Der Durban-Gipfel war mit einer Dauer von über 15 Tagen die längste Klimakonferenz aller Zeiten. Inhaltlich brachte das Mammuttreffen nur zwiespältige Resultate, denn das Kyoto-Protokoll als einziger völkerrechtlich bindender Klimaschutzvertrag wird zwar fortgesetzt, aber ohne Beteiligung von Japan, Kanada und Russland. Ein Klimafonds, der Entwicklungsländern beim Klimaschutz und der Anpassung an die Erderwärmung helfen soll, ist zwar beschlossen, aber nicht finanziert.
Ein neuer Klimavertrag soll ab 2015 unter dem Dach der Vereinten Nationen ausgehandelt werden, wirksam würde er jedoch frühestens 2020 — und der Weg dorthin ist weit. Doch selbst Skeptiker können die Beweise für eine Klimaänderung nicht mehr ignorieren. 2010 wurde offiziell zum wärmsten Jahr der Erdgeschichte erklärt, und die jüngste Jahrhundertflut in Thailand oder die schweren Dürren am Horn von Afrika sind Ereignisse, deren Häufung mit Klimaveränderungen zu erklären sind.
Die Internationale Energieagentur IAE warnte jetzt, dass nur noch fünf Jahre Zeit blieben, um weiteren Klimawandel und extremere Wetterereignisse in Zukunft zu verhindern. Ein globaler Temperaturanstieg um weniger als zwei Grad ist demnach nur noch realistisch, wenn sofort einschneidende Maßnahmen ergriffen werden. Diese Prognosen sind erschreckend, sie erhöhen aber auch den Druck auf Politik und Unternehmen, weitere Maßnahmen zur Rettung des Weltklimas zu ergreifen.
Ertragsperspektiven
sind nicht eingepreist
Die nötige Reduzierung der Treibhausgasemissionen wird die nächste industrielle Revolution auslösen, über alle Wirtschaftsbereiche hinweg. Firmen, die weniger Kohlendioxid emittieren, haben bei teurer werdenden Verschmutzungsrechten einen Vorteil gegenüber klimaschädlicheren Wettbewerbern, ebenso wie Unternehmen, die CO2 einsparende Technologien produzieren. An den Börsen wurde diese Entwicklung bislang unzureichend verstanden, sodass die überdurchschnittlichen Ertragsperspektiven klimafreundlicher Firmen in den Kursen nicht eingepreist sind und Klimaschutzanlagen die Erwartungen manche Anleger enttäuschten.
Künftig allerdings dürfte ein Portfolio aus attraktiven Einzelwerten mit nachhaltiger Perspektive Anlegern sehr gute Alpha-Chancen bieten. Die aus dem Klimawandel resultierenden Wachstumschancen bündeln sich vor allem in fünf Themenbereichen: Energieeffizienz, nachhaltiger Verkehr, kohlenstoffarme Kraftstoffe, Umweltressourcen und saubere Energie.
Energieeffizienz ist ein besonders interessantes Feld. Quer durch alle Branchen werden Technologien mit höherem Wirkungsgrad entwickelt werden müssen. Ein Beispiel ist die Beleuchtungstechnologie, denn neuartige Kompaktleuchtstofflampen und Leuchtdioden (LED) verbrauchen viel weniger Energie als die klassischen Glühbirnen. Unternehmen wie der chinesische Hersteller NVC, Philips und Osram profitieren von dieser Entwicklung. NVC hat zudem einen höheren Anteil energiesparender Produkte als die meisten seiner nationalen Konkurrenten, und die Regierung fördert die Umstellung auf LED-Technik im Reich der Mitte.
Auch die Fernsehindustrie steht vor großen Umwälzungen. Auf organischen LED, den sogenannten Organic Light Emitting Diodes (OLED), basierende Fernsehgeräte dürften Plasma- und LCD-Fernseher in Zukunft ablösen, denn OLED-Fernseher sind schmaler, leichter und bieten eine bessere Bildqualität bei einer um 50 Prozent effizienteren Energienutzung. Die OLED-Technologie birgt enormes Potenzial, denn sie ermöglicht bei geringerem Materialaufwand auch die Herstellung transparenter Bildschirme, die sich falten, biegen und sogar aufrollen lassen.
Saubere Energieerzeugung ist ein zweiter Bereich, der enorm an Bedeutung gewinnt. China spielt dabei eine wichtige Rolle, denn das Land überholte 2007 die USA als größten Kohlendioxid-Emittenten und verbraucht bei gleicher Wirtschaftsleistung siebenmal mehr Energie als Japan. Peking ist sich der ökologischen Probleme durchaus bewusst und will saubere Energietechnologien zu einer strategischen Branche ausbauen. Dafür wurde ein Investitionsprogramm mit einem Volumen von rund 543 Milliarden Euro aufgelegt, dessen Zielbranchen unter anderem Solar-, Wind-, Biomasse- und Kohleenergie sind.
Auch die nach der Atomkatastrophe von Fukushima stark unter Druck geratene Nuklearenergie dürfte weiterhin eine bedeutende Rolle spielen, vor allem in China, wo 40 Prozent aller weltweit neu geplanten Reaktoren stehen werden. Deutschland allerdings wagt den Atomausstieg, und Japan denkt darüber nach. Kurzfristig ersetzt vor allem Erdgas den fehlenden Atomstrom aus beiden Ländern. Erdgaswerte sind deshalb aktuell ein sehr renditeträchtiger Bestandteil klimaorientierter Anlagestrategien.
Langfristig werden erneuerbare Energien gegenüber fossilen Brennstoffen immer wichtiger. Zudem steht die Branche vor einer Konsolidierung, die Investoren attraktive Ertragsmöglichkeiten erschließt.
Nachhaltige Technik wird
die Zukunft dominieren
Auch im Transportwesen wird Nachhaltigkeit die Zukunft dominieren, vor allem der Wandel in der Automobilindustrie wird Chancen für Anleger eröffnen. Strengere Grenzen für Emission und Verbrauch von Kraftfahrzeugen werden zunächst eine steigende Effizienz von Verbrennungsmotoren nach sich ziehen, entsprechende Technologien sind in den nächsten Jahren ein starkes Wachstumssegment. Die Elektrifizierung ist dann der nächste Schritt, um weitergehende Ziele bei der Emissionsverringerung zu erreichen.
Anleger finden in diesem Bereich interessante Möglichkeiten. Das US-Unternehmen Tesla zum Beispiel bringt mit dem Model S ein Oberklassefahrzeug mit einer Reichweite von knapp 500 Kilometern auf den Markt, das alle Premiumanbieter zwingen wird, die Entwicklung eigener Elektrofahrzeuge stärker voranzutreiben. Auch in Sachen Elektromobilität kommt China eine Schlüsselrolle zu, das Reich der Mitte investiert 3,3 Milliarden Euro in Fahrzeughersteller, die Schwerpunkte auf neue Energien legen.
Doch Gastautor Achim Küssner ist überzeugt, dass sich eine positive Performance bald einstellen werde.
Verbrauchern und Herstellern von neuen Energien kommen außerdem staatliche Subventionen zugute.
Der Umgang mit natürlichen Ressourcen unterliegt einem tief greifenden Wandel, der noch Jahrzehnte in Anspruch nehmen wird. Von der „grünen Revolution“ können Anleger profitieren, wenn sie auf ein globales, branchenübergreifendes Portfolio aus klimafreundlichen Unternehmen setzen. Dass weltweite Abkommen zur Klimarettung schwer verhandelbar sind, zeigte der Gipfel von Durban einmal mehr. Dennoch bleibt der Klimawandel ein Megatrend, der auf längere Sicht unaufhaltsam ist — und klimarelevante Investitionen profitabel machen sollte.
China spart Energie
Das Reich der Mitte ist – nicht nur wegen der vielen Kohlekraftwerke ohne ausreichende Filtertechnologie – zwar einer der größten Umweltverschmutzer weltweit. Doch auch die Chinesen haben erkannt, dass der Einsatz von energiesparenden Produkten zum einen wirtschaftlich interessant, zum anderen auch wegen der Folgen des Klimawandels im eigenen Land zwingend notwendig ist.
Schauen Sie sich dazu auch die Grafik an:
Energiespartrend zeigt sich an Chinas Produkten (PDF)
Zur Person:
Achim Küssner,
Geschäftsführer
der Schroder Investment Management
Seit 2007 leitet Küssner die Schroder Investment Management und ist verantwortlich für Deutschland, Österreich, Benelux und die Region CEE. Zudem ist er Aufsichtsratsmitglied der Luxemburger SICAV-Gesellschaften inklusive GAIA und der Schroder Property KAG.
Schroders ist mit einer über 200-jährigen Investmenttradition eine der großen unabhängigen, global aktiven Vermögensverwaltungen und betreut 211,6 Milliarden Euro für private und institutionelle Anleger.