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11.01.2010 05:27

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EURO-TITEL

Die besten Geldtrends für das Jahr 2010


Der große EURO-Ausblick für 2010: Welche Aktien, Rohstoffe und Anleihen in diesem Jahr die höchsten Gewinne versprechen.

von den EURO-Redakteuren Ralf Ferken, Matthias Fischer, Jörg Lang, Richard Pfadenhauer und Lucas Vogel

Das tiefe Röhren der Motoren ist unverwechselbar. „Lookin’ for adventure“, schallt es dann aus den Lautsprechern, „and whatever comes our way“. Abenteuer, Drogen und was schert mich die wirkliche Welt – damit begleitet, zugegebenermaßen frei übersetzt, die Hardrockband Steppenwolf den Kultfilm Easy Rider von 1969. 40 Jahre später: Im Sattel sitzen heute nicht mehr Peter Fonda und Dennis Hopper. Ben Bernanke und Jean-Claude Trichet haben ihre Plätze eingenommen: „Easy Money – leichtes Geld“, heißt der Film, in dem sie die Hauptrollen spielen. In den Satteltaschen haben sie keine Cannabissprösslinge und LSD-Pillen. Den gewünschten Rausch bringen Bündel frisch gedruckter Dollar- und Euronoten.

Auch das Abenteuer, das die beiden mächtigsten Zentralbanker der Welt nach der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers im September 2008 gemeinsam begonnen haben, hat es in sich: Es ist das bisher größte wirtschaftspolitische Experiment in der Geschichte der Menschheit. Eine globale Finanz- und Wirtschaftskrise soll durch den Einsatz billiger Kredite und frischen Geldes bekämpft werden. Die beiden Helden feuern aus allen Zylindern und haben bereits unzählige Milliarden unters Volk gebracht. Gewiss ist auch: Weitere Milliarden werden folgen.

Willkommen im Jahr 2010 – dem Jahr, das entweder den Wendepunkt der Wirtschaft oder die etablierten Systeme erneut gewaltig ins Straucheln bringt. Wollen Sie auch eine Rolle in dem Abenteuer? „Die einfachen Gewinne sind schon erzielt“, warnt Marc Faber, renommierter Kapitalmarktexperte. In der Tat: Wer 2009, insbesondere zu den Tiefpunkten im ersten Quartal, eingestiegen ist, konnte wenig verkehrt machen. Die meisten Aktienmärkte in den etablierten Ländern haben zweistellige Zuwächse verbucht. In manchen Schwellenländern konnten sich die Kurse gar verdoppeln.

Auch mit Firmenbonds waren zweistellige Renditen möglich. Zum einen brachten dort hohe Kupons einen dicken Ertrag. Zum anderen engten sich die Zinsabstände gegenüber Staatsanleihen wieder auf das Niveau vor der Lehman-Krise ein. Die Folge waren Kursgewinne. Und auch mit Rohstoffen, die sehr konjunktursensitiv sind wie Öl, aber auch Kupfer, boten sich Verdoppelungschancen. Und für viele Investoren dazu widersprüchlich: Die Krisenwährung Gold markierte einen historischen Höchststand. „Die Ergebnisse zeigen, dass wieder Euphorie, aber auch eine Menge Angst vorherrschen“, interpretiert Peter E. Huber, Fondsmanager bei Starcapital in Oberursel. Dass die Anleger dem Braten trotz der hohen Zuwächse nicht trauen, zeigen die enormen Mittel, die im Geldmarkt und anderen kurzfristigen Zinsanlagen investiert sind. „Im Vergleich zum Börsenwert der Firmen des S&P 500 liegt die Relation heute weit über dem historischen Durchschnitt“, sagt Huber.

Heißer Reifen

2009 brachte für die Wirtschaft der Industrieländer laut Prognose des Internationalen Währungsfonds (IWF) einen Einbruch von mehr als drei Prozent. Für 2010 hingegen rechnen die Experten wieder mit positiven Wachstumsraten. Gleichzeitig sind die Banken immer noch damit beschäftigt, die Exzesse der vergangenen fünf Jahre zu bereinigen. Der amerikanische Konsument, der über steigende Verschuldung das Wirtschaftswachstum der vergangenen beiden Dekaden finanziert hatte, ist an seine Grenzen gestoßen.

Schwache Banken und vorsichtige Konsumenten sind für die Weltwirtschaft ein explosives Gemisch. „Zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg sinken die Neukredite“, sagt Huber. „Gleichzeitig ist die Arbeitslosigkeit in den USA bei mehr als zehn Millionen angekommen. Die versteckte Arbeitslosigkeit dürf­te noch einmal doppelt so hoch sein.“ Gefährlich auch: Die Nominaleinkommen sinken, die Verschuldung ist hoch. Das, was Huber als Liquiditätsfalle der amerikanischen Verbraucher bezeichnet, ist kein beruhigendes Signal für den Konsum 2010. Da die Ausgaben der US-Konsumenten rund 20 Prozent des Weltsozialprodukts ausmachen, könnte das neue Jahr durchaus auch Verwerfungen bringen.

Denn wer soll die Produkte kaufen, die mit den Krediten von Staatsbanken in China neu entstanden sind? „Vielleicht sind es die Chinesen selbst“, sagt Eric Le Coz, Fondsmanager des französischen Investmentunternehmens Carmignac. „Die chinesischen Einzelhandels­umsätze haben im Laufe des Jahres 2009 die Rückgänge in den Läden der USA mehr als wettgemacht“. Unterstützend wirken weiterhin die enormen Liquiditätszuflüsse. Die Geldmenge in den USA (monetäre Basis) hat sich seit September 2008 verdoppelt. Die EZB hat immerhin 40 Prozent mehr in Umlauf gebracht. Dazu addieren sich Stützungsmaßnahmen für Finanz­institute über Garantien und frisches Eigenkapital. Nicht zuletzt pumpen auch die Regierungen riesige Summen über ihre Konjunkturpakete in den Markt.

Schräglage

Das ideale Drehbuch für die beiden Geldpiloten könnte 2010 so aussehen: In den USA und Europa manifestiert sich ein geringes Wachstum. Weil die Arbeitslosigkeit eher noch zunimmt und die Kapazitäten bei Weitem nicht ausgelastet sind, entsteht kein Druck hinsichtlich Zinserhöhungen. Das wiederum hilft den immer noch klammen Banken. Im Laufe des Jahres könnten sich – so hoffen Bernanke und Trichet – dann die Eigenkräfte der Wirtschaft wieder entfalten. Über steigende Gewinne der Unternehmen wachsen die Investitionen, und das führt zu neuen Jobs.

Klar ist aber auch: Die Grundfesten der Finanzmärkte stehen immer noch auf wackeligen Säulen. Überall dort, wo ein hoher Anteil Fremdkapital bei Finanzierungen verwendet wurde, können über Nacht Krisen entstehen. Wenn ein vermeintlich reiches Land wie Dubai um Zahlungsaufschub bittet, sind Kettenreaktionen nicht ausgeschlossen. Weitere Brandherde macht DWS-Chef Klaus Kaldemorgen in den Devisenmärkten aus. „Hier herrschen riesige Ungleichgewichte.“ Nicht krisenresistent ist etwa der US-Gewerbeimmobilienmarkt. Wenn Unternehmen ihre Mitarbeiter in nicht gekanntem Tempo entlassen, sind Gewerbeflächen sicher kein knappes Gut. Viele Immobilien haben Fremdkapitalquoten von über 90 Prozent ihres Kaufwerts.

Chancen 2010

Für die folgenden Seiten hat die Redaktion interessante Aktien- und Fondsan­lagen in Europa, USA und den Schwellenländern herausgepickt. Als Depotergänzung stehen zudem Rohstoffe und Anleihen im Fokus. In Europa wird sich zeigen, ob die Kostensenkungen bei kleinen Zuwächsen wirklich zu deutlichen Gewinnverbesserungen führen. Vielleicht haben hier gerade die Länder mit schwachen Währungen gute Karten. In den USA macht zumindest die Privatwirtschaft ihre Hausaufgaben. Seit Kurzem erzielt sie wieder nennenswerte Produktivitätszuwächse.


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Wer sein Depot langfristig ausrichtet, blickt sowieso über 2010 hinaus. „Ich bin überzeugt, dass die asiatischen Schwellenländer ihre Aufholjagd fortsetzen werden“, sagt Experte Faber. Hier blickt die Welt vor allem auf China. Seit 30 Jahren öffnet sich das Riesenland kontinuierlich. „Natürlich kann es auch einmal zu einer Rezession kommen“, weiß der Investmentprofi. „Aber auch Amerika hatte im 19. Jahrhundert zahlreiche Finanz- und Wirtschaftskrisen und ist trotzdem gewachsen.“ Zudem seien die Schwellenländer in einer deutlich besseren Finanzlage als die westliche Welt. „Die Staatshaushalte sind in der Regel solider, und es gibt keine verdeckte Verschuldung durch die Sozialsysteme“, sagt Faber. Wer die Schwellenländerkarte spielt, kommt an Rohstoffen nicht vorbei. Vier Milliarden Menschen sind auf dem Weg zum Lebensstandard der westlichen Länder. Das geht nicht ohne Öl, Kupfer oder Agrarrohstoffe. Vielleicht sind die Minengesellschaften hier eine echte Alternative zu direkten Investments.

Manchmal ist es aber schon hilfreich zu wissen, von was man tunlichst die Finger lassen sollte. Marc Faber beispielsweise würde einen weiten Bogen um Staatsanleihen der Industrieländer, vor allem denen aus den USA, machen. „Das Risiko wird nicht mit Renditen unterlegt“, sagt der Experte. „Ich würde niemandem mit einer so hohen Verschuldung Geld für 30 Jahre zu 4,4 Prozent leihen.“ Schon gar nicht, wenn ein wildentschlossener Zentralbanker auf seinem Chopper durchs Land donnert und „easy money“ verteilt.

Lesen Sie, welche Länder in Europa für ein Investment attraktiv sind

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Kommentare zu diesem Artikel

Thiele Grüttner schrieb:
11.01.2010 12:16:09

Dass unsere Tunix-Kanzlerin mehr Freiheit für die Privatschaft schafft und ergo durch ihr Abtauchen mehr Wachstum generiert, sollte wohl der Kracher des Tages werden?
Ich lehne mich jetzt zurück und generiere Wachstum...

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