Dividenden: Sichere Renditen in unsicheren Zeiten

Zu Dividenden hat Warren Buffett ein gespaltenes Verhältnis. Der Großaktionär und Vorstandschef der US-Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway hat seinen Anlegern bisher nur einmal eine Ausschüttung gegönnt. Das war im Jahr 1967. „Ich muss damals betrunken gewesen sein“, erinnert sich der heute 79-jährige Milliardär.
Seine Knickerigkeit begründet der Superinvestor damit, dass er die Mittel rentierlicher anlegen könne. Zudem gebe es steuerliche Vorteile: Die Dividende, die in der Firma bleibt, muss der Anleger nicht extra versteuern. Was dagegen seine zahlreichen Beteiligungen anbelangt, hält Buffett gern die Taschen auf – und setzt auf stetig steigende Auszahlungen. Wie etwa bei Coca-Cola. Seit 1988 ist Berkshire Hathaway an dem Brause-Konzern beteiligt. Aktuell beträgt die Position 200 Millionen Aktien. In der Summe gab Buffett dafür knapp 1,3 Milliarden Dollar aus.
Die Dividendenrechnung des Milliardärs aus Omaha war zu Beginn seines Investments unspektakulär. Im Jahr 1990, als er die gesamte Position aufbaute, betrug die Coke-Ausschüttung 20 Millionen Dollar, eine Rendite von 1,5 Prozent. Ganz anders heute. Weil der Limonaden-Hersteller aus Atlanta seine Ausschüttung kontinuierlich erhöht hat, flossen in den letzten zwölf Monaten 334 Millionen Dollar auf die Konten in Omaha. Die Rendite auf das damals eingesetzte Kapital beträgt heute mehr als 25 Prozent.
Coca-Cola ist kein Einzelfall. Auch andere Firmen werfen stetig steigende Dividenden ab. Davon profitiert der Brillenkönig Fielmann genauso wie die Familie Walton, Gründer des weltgrößten Handelskonzerns Wal-Mart, oder der SAP-Gründer Hasso Plattner. Der ein oder andere solche Titel könnte auch den Geschmack von Stuart Rhodes treffen. Der 29-jährige Fondsmanager bei der britischen Fondsgesellschaft M&G Investments leitet den Fonds Global Dividend und kauft Aktien im Buffett-Stil.
Wie der Meister verfolgt Rhodes einen langfristigen Ansatz. „Erhöht eine Firma Jahr für Jahr ihre Dividende, ist die Aktie über zehn bis 15 Jahre wahrscheinlich sehr viel ertragreicher als der übrige Aktienmarkt.“ Die Rechnung bei Coca-Cola sieht folgendermaßen aus. Aus 1000 vor 20 Jahren investierten Dollar wurden bis heute 7500, rund 1700 davon stammen aus Dividendenzahlungen.
Besser als Festgeld
„Langfristig machen Dividenden 40 bis 50 Prozent der gesamten Aktienerträge aus“, sagt Thomas Schüssler, der bei der Fondsgesellschaft DWS den Fonds DWS Top Dividende managt. „Das ist mehr, als viele Anleger annehmen.“ Die Vorteile von Dividenden als Baustein der Vermögensbildung werden daher oft übersehen.
Eigentlich verwunderlich – insbesondere zum aktuellen Zeitpunkt. Festverzinsliche Anlagen können momentan kaum positive Erträge erwirtschaften. Hier böten Dividenden eine stetige zusätzliche Einnahmequelle. Europäische Aktien etwa bringen im Schnitt eine Dividendenrendite von über vier Prozent. Das übertrifft die erzielbaren Ergebnisse bei Staatsanleihen deutlich. Selbst Unternehmensanleihen mit besserer Bonität bringen weniger, wie das Beispiel Deutsche Telekom zeigt. Für eine vierjährige Anleihe des Ex-Monopolisten muss ein Anleger zurzeit inklusive Stückzinsen 109,50 Prozent zahlen. Sie bringt eine Ausschüttung von jährlich 4,625 Prozent auf den Nennwert von 100 Prozent. Wer also heute 1000 Euro investiert, hat am Ende der Laufzeit, Steuern einmal nicht mitgerechnet, 1112 Euro auf dem Konto.
Für 1000 Euro gäbe es aber auch 105 Telekom-Aktien. Die bringen im gleichen Zeittraum eine Dividendensumme von voraussichtlich 376 Euro (Annahme 0,78 Euro pro Aktie für 2009, danach Absenkung auf 0,70 Euro). Bleibt die Aktie stabil auf dem aktuellen Niveau, liegt das Anlageergebnis 2014 bei 1376 Euro. Der Aktionär schnitte erst dann schlechter ab, wenn der Kurs seiner Anteile in vier Jahren unterhalb von 7,70 Euro notiert.
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