von den Euro-Redakteuren Matthias Fischer und Stefan Rullkötter
Der UNO-Klimarat IPCC veröffentlichte kürzlich eine besorgniserregende Studie: Bis 2035, so die Forscher, werden die Gletscher auf den höchsten Bergen der Welt geschmolzen sein. Doch die dramatische Prognose sorgte für höhnisches Gelächter: Die Forscher hatten nämlich einen Zahlendreher publiziert: Nicht 2035, sondern erst im Jahr 2350 soll der Himalaya eisfrei sein.
Also alles halb so schlimm? Leider nicht. Denn die Kernaussage bleibt korrekt: Die Erde erwärmt sich, der Klimawandel ist in vollem Gange. Vor allem Kohlendioxid (CO2) in der Atmosphäre nimmt beängstigend rasch zu: Einer Untersuchung des Global Carbon Projects aus dem Jahr 2008 zufolge ist in den Jahren 2000 bis 2007 der CO2-Ausstoß viermal schneller gestiegen als im gesamten Jahrzehnt zuvor. Aber gerade dieses CO2 verursacht den Klimawandel – und mithin den Anstieg der Temperaturen sowie zunehmend extreme Wetterereignisse wie Wirbelstürme oder Überschwemmungen.
Deswegen steht die Reduzierung von Treibhausgasen ganz oben auf der politischen Agenda. Allein, noch können sich die Politiker der Industrie- und der Entwicklungsländer nicht auf ein gemeinsames Vorgehen einigen, wie zuletzt die Weltklimakonferenz in Kopenhagen gezeigt hat. Die gemeinsame Abschlusserklärung gibt zwar vor, die Erderwärmung auf maximal zwei Grad Celsius zu begrenzen. Aber konkrete Maßnahmen dafür wurden nicht genannt. Dabei drängt die Zeit: 2012 läuft das 1997 beschlossene Kyoto-Protokoll aus – spätestens bis dahin müssen neue, völkerrechtlich verbindliche Zielwerte für den Ausstoß von Treibhausgasen beschlossen werden.
Eines aber steht schon heute fest: Um die CO2-Emissionen zu reduzieren, sollten Erneuerbare Energien und
Energiesparen einen viel höheren Stellenwert erhalten. Das wird sich auf das Wachstum der Branche nachhaltig auswirken. So schätzen die Experten der Unternehmensberatung McKinsey, dass sich das Volumen auf dem Weltmarkt in diesen Bereichen von derzeit rund 500 Milliarden Euro auf über 2,1 Billionen Euro im Jahr 2020 mehr als vervierfachen wird.
Vor allem für Solar- und Windenergie werden die Regierungen rund um den Globus in den kommenden Jahren Geld lockermachen. Nach Schätzungen des Nachrichtendienstes Bloomberg New Energy Finance fließen in den nächsten zwei Jahren 120 Milliarden US-Dollar aus Staatstöpfen in die Branche. Damit wird das Thema auch für Anleger immer interessanter: „Schon jetzt sind Investitionen in Klimaschutz und sichere Anlagerenditen kein Widerspruch mehr“, sagte Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU), 44, im Januar 2010 anlässlich der Aktionswoche Klima+Finanzen.
Die Investmentgesellschaft Allianz Global Investors glaubt, dass das Thema Umwelt eine Hauptrolle im nächsten großen Wirtschaftszyklus spielen wird. Bisher gab es in der 200 Jahre langen Wirtschaftsgeschichte fünf sogenannte Kondratieff-Zyklen mit einer Dauer zwischen 40 und 60 Jahren. Jeder dieser Zyklen wurde von Erfindungen und Themen geprägt: Sie reichen von der Dampfmaschine über die Elektrizität bis hin zur Informationstechnologie.
„Während im aktuellen Zyklus das Informationszeitalter zu einer enormen Erhöhung der Arbeitsproduktivität geführt hat“, sagt die Investmentgesellschaft der Allianz in einer gerade erschienenen Studie, „scheint der Schlüssel für eine zukunftsträchtige Wirtschaft im nächsten langen Zyklus die Steigerung der Ressourcen- und Energieproduktivität zu sein.“ Daraus folgt für die Münchner: „Wachstum wird künftig wohl aus einer neuen Mischung aus Ökonomie, Ökologie und gesellschaftlichem Engagement generiert.“
Anleger, die auf langfristige ökonomische Trends setzen, kommen deshalb um das Thema Umwelt in ihrer Anlagestrategie nicht mehr herum. €uro zeigt nachfolgend, wie die energetische Zukunft aussieht, welche Unternehmen und Wertpapiere profitieren und wie sich Energie in den eigenen vier Wänden sparen lässt. Denn auch das rechnet sich - und zwar richtig.
Lesen Sie, welche Unternehmen aus dem Bereich Erneuerbare Energien attraktiv sind
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