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28.03.2010 06:00

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Nur die Steckdose bleibt

Strom | Sonne, Wind und Erdwärme werden Energieträger wie Kohle oder Uran in der Zukunft ablösen. Langfristig orientierte Anleger setzen auf die Stromerzeuger von morgen

Zittern und Frieren in der deutschen Solarbranche: Die Vergütung für Strom aus Fotovoltaikanlagen soll im Juni 2010 um 16 Prozent gesenkt werden. Und 2011 stehen weitere Senkungen an. „Die Kürzungen bedrohen die deutsche Solarindustrie in ihren Grundfesten und damit den Aufbruch ins Regenerativzeitalter“, wettert Dietmar Schütz, Präsident des Bundesverbandes Erneuerbare Energien. Bisher bekommt jeder, der sich eine Solaranlage auf das Dach schraubt, fast 40 Cent pro Kilowattstunde bezahlt. An der Leipziger Strombörse kostet die Kilowattstunde nur um die fünf Cent. Die Differenz begleichen alle Stromkunden – über höhere Preise.

Wegen der Kürzungen werden künftig weniger Solaranlagen in Deutschland montiert werden. Aus globaler Sicht allerdings stimmt die Wachstumsstory: Die auf Ökologie spezialisierte Investmentgesellschaft SAM rechnet damit, dass weltweit 2012 knapp 17 Gigawatt neu installierte Leistung ans Netz gehen werden. Zum Vergleich: Im Jahr 2008 waren es nur 6,7 Gigawatt. Doch das Wachstum verlagert sich in sonnenverwöhnte Länder. Entsprechend sind besonders solche Geschlossenen Solarfonds interessant, die im Süden Europas investieren.

Vom weltweiten Wachstum werden in erster Linie Hersteller in Asien profitieren: „Dank ihrer überlegenen Kostenposition, hochmodernen Produktionsanlagen und ihres zunehmend guten Zugangs zu Projektfinanzierungen sind die führenden asiatischen Solaranbieter gut aufgestellt, um zusätzliche Marktanteile zu gewinnen“, sagt SAM-Analyst Jean-François Meymandi. Deutsche Solarzellen und -modulhersteller mit Fokus auf den heimischen Markt, wie Phoenix Solar, Solon oder Payom, sehen dagegen düsteren Zeiten entgegen. Auch Gigant Solarworld wird die wachsende Konkurrenz aus Asien zu spüren bekommen.

Doch chinesische Firmen wie Suntech, Trina oder Yingli benötigen Maschinen, mit denen sie ihre Solarzellen und -module produzieren. Und die ordern sie in Deutschland. Darum werden hiesige Hersteller solcher Fertigungsanlagen wie Manz, Centrotherm oder Roth & Rau künftig volle Auftragsbücher haben.

Alle drei verfügen über solide Bilanzen. Anhand der klassischen Bewertungsparameter ist die Aktie von Manz derzeit am preiswertesten: Ihr geschätztes Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) für 2010 liegt bei 12,0, das aktuelle Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) bei 1,2. Dabei gilt: Je niedriger diese Zahlen, desto günstiger die Bewertung. Die Aktie von Centrotherm ist daran gemessen deutlich teurer (KGV: 19,9, KUV 1,6), und das Papier von Roth und Rau (KGV 28,9, KUV 1,8) am höchsten bewertet. Damit sind sie keine Schnäppchen mehr – Anleger sollten vielleicht Korrekturen abwarten.

Teuer ist auch die Aktie von SMA Solar (KGV 17,8, KUV 4,5). Innerhalb eines Jahres hat sie um rund 160 Prozent zugelegt. Gemessen an den Kennzahlen ist das Papier ziemlich hoch bewertet, aber bei Kursrücksetzern eine attraktive Investition: Das Unternehmen aus Niestetal bei Kassel ist Weltmarktführer für Wechselrichter – Geräte, die den Gleichstrom aus den Solarmodulen in netztauglichen Wechselstrom umwandeln. Und Wechselrichter müssen in jede Solaranlage, egal wo sie errichtet wird.

Auch die Aktie von Solar Millennium hat auf Jahressicht rasant zugelegt. Das Unternehmen projektiert solarthermische Anlagen, die mit Spiegeln Sonnenstrahlen bündeln, auf diese Weise Flüssigkeit erhitzen und damit Strom erzeugen. In Europa stehen solche Anlagen in Südspanien, weltweit führend sind die USA. Doch Europa will aufholen und plant mit dem ambitionierten Projekt Deser­tec, riesige solarthermische Kraftwerke in der Sahara zu errichten. Vom zunehmenden Interesse an der Technologie profitiert Solar Millennium als einziges reinrassiges solarthermisches Unternehmen. Allerdings verlor die Aktie zuletzt kräftig: Den Erlangern wurden Ungereimtheiten in der Bilanz vorgeworfen.

Aufwind

In Deutschland gibt es keine solarthermischen Großprojekte. Wegen der meteorologischen Bedingungen ist hier die Windkraft mit einem Anteil von 60 Prozent die Nummer 1 der Erneuerbaren Energien. Aber auch China setzt auf Wind. Der Wachstumssuperstar hat 2009 geschätzte zwölf Gigawatt neue Kapazitäten installiert, damit die Leistung mal eben so verdoppelt und die USA als größten Windmarkt der Welt abgelöst.

Das gibt dem chinesischen Hersteller von Windkraftanlagen A-Power Rückenwind. Dennoch hat die Aktie zuletzt deutlich nachgegeben, weil das Unternehmen sein Kapital erhöhte und zudem mit seinen Geschäftszahlen nicht den Erwartungen der Investoren entsprach. Das Papier sank von über 14 Euro auf 8,60 Euro. Dennoch gilt A-Power als Profiteur des gerade erst beginnenden chinesischen Windkraftbooms. Wegen der hohen Volatilität eignet sich die Aktie nur für sehr risikobereite Anleger.

Ein Kerninvestment in den Sektor ist dagegen Vestas Wind Systems, der weltweit führende Hersteller von Windkraftanlagen. Die Dänen sind rund um den Globus aktiv und haben in den USA im vergangenen Jahr ihren Marktanteil von 13 auf 17 Prozent steigern können. Das Unternehmen ist zudem kaum verschuldet und mit einem KGV von 13,8 auch nicht zu hoch bewertet. Ein weiterer sturmfester Windkraftwert ist Gamesa, der den spanischen Heimatmarkt dominiert und sich zudem in lateinamerikanischen Ländern ausbreitet. Spanien ist nach Deutschland der zweitgröße europäische Windmarkt. Beide Werte gehören zu den Top-5-Positionen im BGF New Energy Investmentfonds, dem größten und ältesten Fonds für Umwelttechnologie. Und im DWS Zukunfts-Energien-Zertifikat hat Vestas mit einem Anteil von 14,2 Prozent das höchste Gewicht.

Mittelfristig werden vor allem Offshorewindparks auf dem Meer boomen. So plant Großbritannien riesige Parks in der Nordsee, die bis 2020 ein Viertel des gesamten britischen Energiebedarfs decken sollen. Der deutsche Energiegigant RWE will bis 2013 einen Hochseewindpark nördlich der Insel Helgoland errichten. Die Windturbinen dafür kommen von Repower, das zu 90,7 Prozent dem indischen Konkurrenten Suzlon gehört. Die Inder würden das Hamburger Unternehmen gern ganz übernehmen. Allerdings wollen laut Insidern zwei US-Hedgefonds ihre Aktien erst ab 150 Euro verkaufen – aktuell kosten sie 130 Euro. Risikobereite Anleger spekulieren auf eine komplette Repower-Übernahme.

Abwärts

Noch keine wesentliche Rolle im nachhaltigen Energiemix spielt die Geothermie, bei der mit Erdwärme Strom erzeugt wird. Allerdings weist das Segment innerhalb der Branche die stärksten Zuwächse auf. Daldrup & Söhne plant und führt geothermische Bohrungen durch. Das Geschäft brummt: Das Unternehmen saß Ende 2009 auf einem Auftragsbestand von 75 Millionen Euro – im Vorjahr waren es zur gleichen Zeit 50 Millionen Euro gewesen. Das US-Unternehmen Ormat bietet die komplette Wertschöpfungskette an - von der Planung bis zur Anlage. Im dritten Quartal 2009 konnte Ormat seinen Umsatz um 20 Prozent auf 119,8 Millionen Dollar und seinen Gewinn sogar um 48 Prozent auf 23,4 Millionen Dollar steigern. Und das, obwohl es bei der Geo­thermie in den USA keine staatlich garantierten Einspeisevergütungen gibt.

Lesen Sie, worauf Sie bei Geschlossenen Solarfonds achten müssen

Bildquellen: Creativ Collection
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