17.01.2016 22:58
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Digitale Finanzdienstleister: FinTech-Boom und Banken

Euro am Sonntag

Die Zahl der Anbieter digitaler Finanzlösungen - sogenannter FinTechs - steigt rasant. Das bietet auch Chancen für die klassischen Banken.

€uro am Sonntag

von Robert Freitag, Gastautor von Euro am Sonntag

FinTechs distanzieren sich zwar gern von den traditionellen Banken und stellen die eigenen Vorzüge in den Vordergrund, doch wer hinter die Fassade blickt, erkennt schnell, dass Banken wesentliche Prozesse ausführen. Grund dafür ist die Regulierung, die in vielen Bereichen der Finanzprodukte eine Banklizenz vorschreibt und damit dem leichten Erfolg so mancher FinTechs im Weg steht. Diese Lizenz ist auch ein Grund, warum FinTechs nicht der natürliche Feind der Banken sind, sondern sich als Partner anbieten. Für die Banken eröffnen sich dafür vier strategische Optionen.



Wenn eine Bank als Investor auftritt, sind sowohl reine Finanzierungen in den verschiedenen Entwicklungsphasen eines FinTechs denkbar als auch Inkubatorenansätze, bei denen die Start­up-Unternehmen auch praktische Unterstützung beim Aufbau erhalten. Dazu kommen vollständige Akquisitionen. Der Vorteil für eine Bank liegt vor allem in der Möglichkeit, sich ein externes Innovationsportfolio zuzulegen.

Nachteilig bleibt, dass die Innovationen zunächst außerhalb der Bank stattfinden und später womöglich aufwendig integriert werden müssen. Zudem sind viele FinTechs nicht daran interessiert, bereits zu einem frühen Zeitpunkt die Eigenständigkeit aufzugeben.

Banken können in Konkurrenz zu FinTechs auch eigene digitale Geschäftsmodelle entwickeln. Dem steht allerdings ein hohes Risiko entgegen: Es fehlt die Start-up-Mentalität und damit die Schnelligkeit und Flexibilität, um das neue Geschäftsmodell zügig und kompromisslos nach vorn zu treiben.


Die Entwickleroption empfiehlt sich vor allem dann, wenn es um die Kernkompetenzen der Bank und deren kundenzentrierte Umsetzung geht - im Fall der Sutor Bank ist dies beispielsweise die digitale Vermögensverwaltung. Dort müssen Banken in den Wettbewerb mit FinTechs treten und für existierende und neue Kunden heraus­ragende Angebote schaffen.

Die Bank hat zudem die Option, FinTechs und deren Lösungen in ihre Wertschöpfungskette zu integrieren. Da trifft es sich, dass eine ganze Reihe von B-to-B-Anbietern aus dem FinTech-Bereich gezielt Banken und Finanzdienstleister ansprechen - gerade wenn sie im Geschäft mit Endkunden nicht das notwendige Wachstum erreichen. Mit ihrer Hilfe können Banken einzelne Prozesse digitalisieren und algorithmisieren, ohne selbst große Projekte zu starten oder viel Kapital in unsichere Geschäftsmodelle zu investieren.

Eine Bank kann darüber hinaus als FinTech-Plattform fungieren und Start-ups banklizenzpflichtige Prozesse und Systeme anbieten, die diese für die Umsetzung ihrer Geschäftsmodelle benötigen - beispielsweise Kundenkonten, Depotverwaltungen und die Abwicklung von Zahlungsprozessen. Mit der Plattformoption kann die Bank FinTechs frühzeitig an sich binden und im Idealfall ein ganzes FinTech-Ecosystem schaffen, das kontinuierlich neue Kunden liefert. Entscheidend ist hier jedoch, dass die FinTechs unabhängig bleiben.

Zusammenarbeit und trotzdem
im Wettbewerb stehen

Die Gefahr bei dieser Strategie besteht darin, dass die Bank zu einer reinen Abwicklungsbank wird. Das muss aber nicht so sein: Die Sutor Bank beispielsweise verfolgt mit ihrer Start-up-Plattform den Ansatz, nicht als reine sogenannte White-Label-Bank zu agieren. Die Kooperationen werden als aktive Partnerschaften verstanden, in der Kommunikation nach außen bleiben beide Partner sichtbar.

In der Finanzwelt der nahen Zukunft werden jene Institute am erfolgreichsten sein, denen es gelingt, Wettbewerbs- und Kooperationsstrategien im eigenen Haus zu vereinen - also einerseits mit FinTechs zusammenzuarbeiten, andererseits mit ihnen hart zu konkurrieren, wo es für die Verteidigung der grund­legenden Wettbewerbsposition der Bank notwendig ist. Grundlage ist dafür in der FinTech-Welt, dass Banken sich ändernde Kundenbedürfnisse früher antizipieren und die nötigen Technologien schneller adaptieren können - und dass sie ihre Scheu gegenüber neuen Ideen ablegen und es verstehen, Innovationen in ihr Geschäftsmodell zu implementieren.

Kurzvita

Robert Freitag, Geschäftsführender
Gesellschafter der Sutor Bank

Freitag ist ausgebildeter Bankkaufmann, ­studierter Bankfachwirt, examinierter Verbandsprüfer und zertifizierter Versicherungs­fachmann. Bei der Sutor Bank ist er insbesondere für die Geschäftsfelder Markt, IT und Anwendungsentwicklung zuständig.
Die Sutor Bank ist eine 1921 gegründete unabhängige Privatbank mit Sitz in Hamburg. Seit 1989 arbeitet sie mit ­Finanzvertrieben zusammen, für die sie Produkte entwickelt und Bankprozesse ad­ministriert.

Bildquellen: Sutor Bank, FuzzBones / Shutterstock.com, Frank11 / Shutterstock.com
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