aktualisiert: 01.10.2012 14:51
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Aktien-Expertin Subramanian: Ich liebe Dividenden

Euro am Sonntag-Interview: Aktien-Expertin Subramanian: Ich liebe Dividenden | Nachricht | finanzen.net
Analystin Subramanianhält eine mehrjährige Hausse an der Wall Street für möglich
Euro am Sonntag-Interview
Die 40-Jährige Savita Subramanian hat bei der Bank of America Merrill Lynch einen wichtigen Job: Sie leitet den Bereich US-Aktien. Und kann genau sagen, welche sie favorisiert.
€uro am Sonntag
von Tim Schäfer, Euro am Sonntag

Der 2008 fertiggestellte und 366 Meter hohe Bank of America Tower im Herzen New Yorks ist der Arbeitsplatz von Savita Subramanian. Seit Herbst vergangenen Jahres ist sie Leiterin des Analystenteams für US-Aktien.

Im Gespräch mit €uro am Sonntag gibt sich Subramanian, die in San Francisco geboren wurde, ziemlich optimistisch. Auch wenn bis zu den Präsidentschaftswahlen im November wohl kaum mit weiter steigenden Kursen zu rechnen sei, erwartet sie mittelfristig deutlich höhere Kurse. Dass sie gleichzeitig konservative Dividendentitel favorisiert, ist dabei kein Widerspruch.

€uro am Sonntag: Die Börse ­befindet sich in der Nähe eines Mehrjahreshochs. Ist es an der Zeit, ­Gewinne mitzunehmen?
Savita Subramanian:
Wir hatten eine gesunde Rally dieses Jahr, für die restlichen Monate sind die Kurszuwächse vermutlich schon gelaufen. Deshalb sind wir kurzfristig vorsichtig, auf längere Sicht aber ziemlich bullish, rechnen mit steigenden Kursen.

Welche Rolle spielt der Ausgang der US-Wahlen im November?
Der Ausgang selbst ist schwer pro­gnostizierbar. Wenn Herausforderer Mitt Romney gewinnt, könnte eine große Rally folgen. Wenn US-Präsident Barack Obama gewinnt, droht eventuell eine kleine Verkaufswelle. Das hängt auch von der Stimmung und vom Umfeld ab.

Und langfristig?
Wir sind langfristig sehr optimistisch, was die Aktien betrifft. Im Vergleich zu anderen Anlageklassen wie beispielsweise Anleihen sind sie sehr günstig bewertet.

Welche Sektoren favorisieren Sie?
Wir sehen grundsätzlich Potenzial in Konsumgütern und Technologie. Vor die Wahl gestellt, würde ich kurzfristig Konsumgüter für den Rest des Jahres wählen, weil man sich damit gegen ein potenzielles Korrekturrisiko bei Aktien absichern kann. Eine Kurskorrektur ist angesichts der Situation, die sich abzeichnet, eher wahrscheinlich als ein Anstieg.

Was heißt das für einzelne ­Sektoren?
Ich glaube, dass der Wahlausgang einen großen Einfluss auf die einzelnen Sektoren haben wird. Der Gesundheitssektor könnte unter Obama gut laufen, die Rüstungs­industrie dagegen unter Romney. Konsumgüter wiederum werden am wenigsten durch den Wahlausgang beeinflusst.

Lebensmittelkonzerne wie Kraft Foods oder Heinz haben sich in den vergangenen Jahren gut ­entwickelt. Welches Potenzial sehen Sie längerfristig?
Wir mögen Konsumgüter, die Branche ist unser Favorit. Lebensmittelfirmen setzen das Gewinnwachstum trotz einer Rezession fort, trotz der zurückhaltenden Konsumenten. Wa­rum? Essen muss man einfach immer, Rezession hin oder her.

Das kann ja auch ein Grund sein, warum die Aktien gut liefen. Die Anleger konnten sich bei den ­Lebensmittelaktien verstecken, ­ sie wussten, dort wird es keinen Absturz geben.
Ja, sie sind ein sicherer Hafen.

Könnten sich die Anleger jetzt nicht von solchen Titeln abwenden, wenn sie zu mehr Risiko bereit sind?
Ich glaube, Konsumwerte könnten irgendwann tatsächlich hinterherhinken — in einem Umfeld, das durch größere Risikobereitschaft geprägt ist. Wir sind aber noch nicht an diesem Punkt angekommen. Investoren wollen noch nicht die riskantesten Aktien einsammeln. Qualität sieht nach wie vor langfristig sehr attraktiv aus. In den vergangenen 15 Jahren haben Aktien von schlechter Qualität gut abgeschnitten, Konsumwerte dagegen liefen bis 2008 überhaupt nicht.

Zu den Technologiefirmen: Was ist mit den hohen Bargeldbeständen, die Konzerne wie Google, Apple und Microsoft halten?
Das sind in der Tat sehr hohe Cashbestände. Es ist aus meiner Sicht eine Verschwendung. Sie haben nichts mit ihrem Geld gemacht. Andererseits sehe ich, dass die Bilanzen sehr gesund sind. Bei Technologiefirmen wächst, glaube ich, die Zuversicht, dass wir eine Rezession vermeiden und ein Aufschwung bevorsteht. Wir werden sehen, dass Technologiefirmen vermehrt Geld an die Aktionäre ausschütten oder mehr Zukäufe tätigen. Es hängt alles von der Zuversicht ab.

Könnte nach den Wahlen mehr Dynamik in diesen Prozess kommen?
Ja, ich glaube, die Transaktionen könnten zunehmen. Ich bin erstaunt, wie wenig Transaktionen in den vergangenen Jahren zustande kamen, wenn man bedenkt, wie billig Aktien sind und wie viel Cash die Firmen horten. Das dürfte ein Trend in den kommenden Monaten werden, der Zugkraft entwickeln wird — vorausgesetzt, dass das Vertrauen nicht durch einen neuen Schlag erschüttert wird.

Wieso glauben Sie, dass sich ausgerechnet Techwerte zu Dividendenzahlern wandeln werden?
Weil wieder mehr Dividenden gezahlt werden. Apple ist ein Beispiel. Dell initiierte eine Dividende. Das ist ein neuer Trend, und die Reaktionen darauf waren bislang positiv, sodass weitere Techfirmen diesem Beispiel folgen dürften.

Und Sie begrüßen diesen Trend zur Dividende?
Die Dividendenrendite ist eines meiner Lieblingsthemen. Vor allem für Technologiewerte ist das ein interessanter Aspekt, denn die Ausschüttungsquote beim US-Technologie­index S & P 500 ist mit etwa 30 Prozent auf dem niedrigsten Niveau, das wir je hatten. Normal im langfristigen Vergleich wären etwa 50 Prozent. Die Unternehmen schütten viel weniger aus, als sie es im historischen Durchschnitt taten.

Woran liegt das?
In den vergangenen 20 Jahren änderte sich die Philosophie, Geld zurückzuführen. Nach dem Motto: weg von der Dividende, hin zu Aktienrückkäufen. Die Firmen sind vorsichtig geworden. Keiner mochte mehr Zusagen machen, dass ein bestimmter Prozentsatz der Gewinne ausgeschüttet werde. Wer einmal damit anfing, musste das fortsetzen. Wer dann einmal die Dividende kürzte, wurde bestraft. Ein Unternehmen, das anfängt, Dividenden zu zahlen, braucht sehr viel Vertrauen in seine Fähigkeit, im Lauf der Zeit den entsprechenden Mittelzufluss zu erwirtschaften.

Viele Amerikaner besitzen jede Menge Anleihen, Bargeld, Festgeld und etwas Gold. Aktien dagegen kaum noch. Wann kehren sie auf den Aktienmarkt zurück?
Ich denke, wir befinden uns am Anfang eines mehrjährigen Bullenmarkts. Momentan hasst jeder Aktien. Genau deshalb sind sie superbillig. Dabei war ihre Performance in diesem Jahr sehr gut, Aktien verzeichneten eine Rendite von 15 Prozent. Unternehmensanleihen erzielten etwa die Hälfte dessen, was Aktien brachten. Bargeld brachte null. Allmählich werden die Anleger das merken und nach und nach umschichten zurück in Aktien. Zunächst langsam, doch daraus wird sich ein starker, langer Bullenmarkt entwickeln.

Wenn Sie einen langen Trend der Anleger in Aktien erwarten, ­welche Haltedauer empfehlen Sie?
Je länger, umso besser. Wir haben eine Studie erstellt, die die Wahrscheinlichkeit zeigt, in welchen unterschiedlichen Haltephasen Geld verloren wird. Als Daytrader verlieren Sie fast die Hälfte der Zeit Geld, das lohnt also nicht. Bei einer Haltedauer von einem Monat wird es besser. Bei zehn Jahren verlieren Sie nur in sechs Prozent der Fälle.

Finanzwerte schütten keine Dividenden aus, notieren aber 30 bis 50 Prozent unter ihrem Buchwert. Ist das ein Kauf?
Banken wirken billig mit Blick auf den Buchwert. In Wirklichkeit werden sie wegen verschärfter Eigenkapitalanforderungen deutlich niedrigere Renditen einfahren. Keiner weiß, wo sie landen werden. Sie sind nicht wirklich billig mit Blick auf die Gewinne.

Sie würden also keine Finanz­aktien kaufen?
Das ist richtig.

Bildquellen: Bank of America Corp., Ioana Davies (Drutu) / Shutterstock.com

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