von Klaus Schachinger, Euro am Sonntag
Es gebe zwei Typen von Managern, hat Bernd Scheifele, Chef des Baustoffriesen HeidelbergCement einmal gesagt: Schwätzer und „koi“ Schwätzer, aus dem Schwäbischen übersetzt, keine Schwätzer.
Mit der Platzierung von 65 Millionen neuen Aktien zum Stückpreis von 37 Euro, Gesamtwert 2,3 Milliarden Euro, gelang dem 51-jährigen Juristen die bisher größte Kapitalerhöhung in Deutschland in den vergangenen drei Jahren. Zudem waren Institutionelle bereit, zum selben Preis und in ähnlichem Umfang Aktien des finanziell angeschlagenen Großaktionärs Ludwig Merckle und einiger Banken zu kaufen. Gesamtwert: 2,1 Milliarden Euro. „Unser Angebot war mehrfach überzeichnet. Die Attraktivität sehen Sie auch an dem Abschlag von nur 15 Prozent zum aktuellen Kurs. Unsere Wettbewerber mussten durch die Bank deutlich höhere Abschläge in Kauf nehmen“, freute sich der Sanierer nach der erfolgreichen Kapitalmaßnahme im Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“.
Als Folge der Maßnahmen sinkt der Anteil von Ludwig Merckle, Sohn des verstorbenen Firmenpatriarchen Adolf Merckle, von 72 auf 18 Prozent. Mit dem künftig hohen Anteil frei handelbarer Aktien hat Scheifele ein wichtiges Kriterium für die Aufnahme des Konzerns in den DAX erfüllt. Dieses Ziel will er 2010 erreichen. Bis Ende des Jahres sollen deshalb die Nettoschulden von über elf auf unter neun Milliarden Euro sinken. Ein Grund für die hohen Schulden war der kreditfinanzierte Zwölf-Milliarden-Dollar-Kauf des britischen Konkurrenten Henderson.