Name:
Jürgen Meyer
Geboren:
4. Dezember 1970
Position:
Head of European Equities
der SEB Asset Management
Die Aktie, die ich heute kaufen würde, mag überraschen, weil sie eine der bereits am stärksten gestiegenen Aktien der vergangen Jahre und des laufenden ist: Henkel. Folgende Kriterien lege ich an jedes Investment an: Das Unternehmen und seine Produkte sollten auch in Jahrzehnten noch gebraucht werden; es sollte Marktführer in seinem Segment sein und/oder andere Wettbewerbsvorteile genießen; es sollte unabhängig von einzelnen Kunden, staatlicher Regulierung und auch von Fremdkapitalgebern sein — also möglichst schuldenfrei. Und wenn all diese Kriterien erfüllt sind, muss auch noch der Kaufpreis stimmen — sprich, die Aktie muss billig sein.
Ich fange mit dem letzten Punkt an: Im Fall von Henkel notiert die Aktie in der Nähe ihres Allzeithochs. Gemessen an früheren Kursen scheint die Aktie nicht mehr billig. Gemessen an der heutigen Profitabilität und dem Gewinnsteigerungspotenzial halte ich sie weiterhin für lohnend. Henkel erzielt die Hälfte seiner Umsätze mit Klebstoffen und ist in diesem stark fragmentierten Markt größter Anbieter weltweit. Unter anderem ergibt sich daraus der Vorteil, Nachfrageschwankungen in Europa abfedern zu können. Henkel ist beinahe schuldenfrei. Dies ermöglicht höhere Dividenden, Aktienrückkäufe oder Wachstum durch Übernahmen.
Es ist eines dieser erfreulichen Mysterien des Aktienmarkts, dass sich die Aktie von Henkel am Freitag verbilligte — vermutlich weil Spekulanten auf noch ambitioniertere Zielvorgaben hofften. Dabei bedeutet die Ansage von Kasper Rorsted, den Gewinn pro Aktie bis 2016 um zehn Prozent jährlich steigern zu wollen, doch schon, dass die Henkel-Aktie in vier Jahren rund 50 Prozent höher als heute notieren müsste, wenn das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) konstant bliebe. Besonders freut mich, dass die — dank ihrer Stimmrechte — wertvollere Stammaktie von Henkel auch noch mit einem Abschlag auf die im DAX enthaltene Vorzugsaktie notiert.
Henkel KGaA Vz.: ISIN DE0006048432
Kursziel: 67,00 Euro
Stopp: 52,50 Euro
Ihr bestes Investment? Momentan habe ich viele Aktien im Depot, die bereits Spaß gemacht haben: BASF, BMW, Software AG — auch Henkel zählt dazu.
Ihr schlechtestes Investment? Heidelberger Druck. Den Nachfrageeinbruch bei Bogenoffsetmaschinen nach 2008 hatte ich unterschätzt. Die Kostenvorteile, die Heidelberger Druck als Marktführer hat, greifen nicht, solange die Produktion nicht ausgelastet ist und andere Wettbewerber ihre Sparte quersubventionieren. Könnte ein gutes Investment werden, wenn die Branche rational agiert.
Die Kolumne "Ich kaufe jetzt" beziehungsweise "Ich verkaufe jetzt" erscheint regelmäßig in €uro am Sonntag. Die Redaktion befragt dabei Börsenprofis aus verschiedenen Bereichen.