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aktualisiert: 21.12.2010 12:17

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€uro am Sonntag

EURO AM SONNTAG-TITEL

2011: Die besten Märkte - die besten Aktien

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Auf ins neue Jahr
Schwellenländer waren 2010 der Treibsatz für die Aktienmärkte. Im Schatten des Exportbooms aber wurden attraktive Titel, Branchen und Länder vernachlässigt. Die aussichtsreichsten Nachzügler.

von Sven Parplies und Christoph Platt, Euro am Sonntag

Viehzucht und Ackerbau, dazu ein wenig Tourismus. Die Mongolei, einer der am dünnsten besiedelten Staaten der Erde, hat auf den ersten Blick wenig zu bieten, was Aktionäre begeistern könnte. Der Reichtum des Landes liegt weitgehend unberührt unter der Erde: Rohstoffe, vor allem Kohle, Zink und Kupfer, aber auch Gold. Noch immer fehlt die Infrastruktur, um die Schätze wirtschaftlich zu nutzen. Der weltweite Rohstoffboom aber weckt die Abenteuerlust: Eindrucksvolle 190 Prozent hat der mongolische Aktienindex, der MSE Top 20, in diesem Jahr auf Dollarbasis an Wert gewonnen.
Aktionäre aus Europa müssen sich nicht grämen, das mongolische Kurswunder verpasst zu haben, denn auch in Europa lassen sich attraktive Renditen erwirtschaften: Im Stoxx 600 haben zehn Aktien im vergangenen Jahr mehr als 100 Prozent Kursgewinn verbucht, 60 weitere über 50 Prozent. An der Spitze steht eine Aktie aus Deutschland – die TV-Sendergruppe ProSiebenSat.1 mit rund 180 Prozent.

Zwei Themen haben die Märkte
im Jahresverlauf dominiert: Turn­aroundstorys, also Unternehmen wie ProSiebenSat.1, deren Aktien in der Finanzkrise besonders hart getroffen wurden und jetzt umso stärker von der allgemeinen Erholung profitieren. Und das dynamische Wachstum der Schwellenländer, von dem auch viele westliche Unternehmen profitieren, besonders die Autobranche. Volkswagen, BMW, MAN und Daimler belegen vier der ersten fünf Plätze der Jahreshitliste des DAX.

Das Börsenjahr 2010 lässt aber auch viele Verlierer zurück: Im europäischen Stoxx 600 haben fast ein Drittel der Aktien Anlegern Verluste beschert. Von den 110 Titeln des deutschen HDAX liegen kurz vor Jahresende 25 in der Verlustzone. Auch bei den Verlierern zeigen sich Gemeinsamkeiten: Besonders hart hat es die Titel der Solarindustrie getroffen, die keine überzeugenden Antworten auf wachsende Billigkonkurrenz aus Asien und sinkende Subventionen gefunden hat. Auffallend auch die Schwäche der klassisch defensiven Branchen: Telekomkonzerne und Versorger operieren in weitgehend gesättigten Märkten und sind beim Boom der Schwellenländer nur Zuschauer. Hohe Dividendenrenditen, wie sie die Deutsche Telekom oder Eon bieten, sind offenbar kein Argument, wenn die Kurse anderer Aktien zweistellig steigen. Pharmakonzerne stehen unter Druck, weil wichtige Medikamente den Patentschutz verlieren und Regierungen die Ausgaben des Gesundheitssystems drücken. Vieles spricht dafür, dass das Wirtschaftswachstum der Schwellenländer auch 2011 wichtiger Kurs­treiber für die Aktien westlicher Unternehmen sein wird. Während Chinas Wirtschaft im kommenden Jahr erneut Wachstumsraten von über acht Prozent verspricht, werden in Europa die exportstarken Nationen weiter dominieren. Laut einer Umfrage von €uro am Sonntag trauen führende Banken Deutschland ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 2,3 Prozent zu – ganz Europa hingegen nur 1,4 Prozent.


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Zyklische Aktien sind trotz zum Teil deutlicher Kurssteigerungen noch immer nicht überzogen bewertet, da parallel zu den Kursen auch Gewinne und Gewinnerwartungen angestiegen sind. Die Aktien aus dem Bereich der Luxusgüter etwa haben nach Berechnung der BNP Paribas den breiten Markt um 40 Prozent geschlagen, ohne dass der Unternehmenswert im Verhältnis zum Vorsteuergewinn (Ebit) signifikant gestiegen ist. Ähnlich ist die Situation beim DAX, dessen Kurs-Gewinn-Verhältnis seit einem Jahr nahezu unverändert ist.

Gleichwohl sind mit den Kursen die Erwartungen an die Topperformer gestiegen. Das macht die Titel anfällig für Gewinnmitnahmen, falls sich die globale Wirtschaftslage verschlechtern sollte – etwa durch eine neuerliche Eskalation der europäischen Währungskrise oder anziehende Inflation und deutliche Zins­anhebungen in den Schwellenländern. Auch werden aufgrund anspruchsvoller Vergleichswerte die Gewinnsteigerungen der Zykliker nicht mehr so eindrucksvoll ausfallen wie im laufenden Jahr. So kalkulieren Analysten für den DAX nach einem Gewinnanstieg von mehr als 70 Prozent im laufenden Jahr für 2011 nur noch mit einem Zuwachs von zehn Prozent.

Für Anleger kann es sich also lohnen, bei der Aktienauswahl jetzt auch einen Blick auf zuletzt vernachlässigte Branchen und Regionen zu werfen: Defensive Sektoren sind im Vergleich zu den Zyklikern inzwischen verlockend bewertet – der Abschlag im Vergleich zu offensiven Titeln ist nach Berechnung der BNP Paribas seit Jahresbeginn europaweit von 20 auf 50 Prozent gestiegen.

Handelskonzerne setzen vor allem auf Deutschland: Die deutlich gesunkene Arbeitslosigkeit soll bei den chronisch knauserigen Bundesbürgern endlich Konsumfreude wecken. Zusätzlich gibt es quer durch alle Indizes etliche Unternehmen – wie BP, Kontron oder Beiersdorf –, die mit hausgemachten Problemen zu kämpfen haben, jetzt aber in die Erfolgsspur zurückfinden sollten.
Auch andere Branchen haben gute Chancen, im Jahresverlauf aus dem Schatten der Zykliker herauszutreten. Die deutsche Biotechindustrie etwa hat durch Rückschläge bei der Entwicklung neuer Medikamente in den vergangenen Jahren Anleger verschreckt. Inzwischen aber haben Unternehmen wie 4SC aus Martinsried bei München eine attraktive Pipeline mit weit fortgeschrittenen Kandidaten aufgebaut. Auch wenn die Risiken der Branche naturgemäß hoch sind, sollten etliche Biotechs im kommenden Jahr kurstreibende Neuigkeiten vermelden.

Selbst aus den Krisenstaaten der Eurozone könnten einige Unternehmen zu Comeback-Kandidaten werden – wenn sie den Nachweis erbringen, dass sie ihre Kosten senken können, ohne die Qualität ihrer Produkte oder Dienstleistungen zu schmälern. Anleger sollten bei Turnaround-Kandidaten aus den Krisenstaaten vor allem nach jenen Titeln Ausschau halten, die einen hohen Exportanteil ausweisen und besonders stark von sinkenden Lohnkosten profitieren.
Unter den Länderindizes dürften sich im Jahresverlauf 2011 ebenfalls einige zuletzt vernachlässigte Kandidaten zurückmelden. Japans Leitindex, der Nikkei, hat in Landeswährung gerechnet 2010 bislang sogar leicht verloren. Die Bewertung des Index ist inzwischen aber auf einem attraktiven Niveau, zudem dürfte die Dynamik der asiatischen Nachbarländer auf Japan übergreifen. Auch Brasiliens Börse liegt in der Verlustzone. Mit einem Wirtschaftswachstum von mehr als vier Prozent im kommenden Jahr zählt das Land dennoch zu den dynamisch wachsenden Regionen der Welt – das sollte auch die Börse honorieren.

Die Redaktion von €uro am Sonntag stellt auf den folgenden Seiten die aussichtsreichsten Nachzügler für das Börsenjahr 2011 vor. Die Mongolei sollten Anleger aus Europa allerdings lieber meiden – Investments dort sind aus der Ferne nahezu unmöglich und unnötig riskant.

Japan
Der japanische Aktienmarkt kam 2010 nicht vom Fleck. Der Nikkei 225, der als Leitindex die 225 wichtigsten Unternehmen Japans enthält, notiert derzeit auf dem gleichen Stand wie zu Beginn des Jahres. Dass deutsche Anleger in Nippon Gewinne erzielen konnten, liegt einzig und allein an der starken Aufwertung des Yen gegenüber dem Euro.
Für das kommende Jahr erwarten indes nicht wenige Experten solide Zuwächse an der Börse in Tokio. Das japanische Finanzunternehmen Nomura rechnet für den rund 1600 Aktien umfassenden Index Topix mit einem Plus von 22 Prozent.

Für ein erfolgreiches Jahr gibt es einige Gründe. Mehr als andere Länder profitiert Japan von einer Er­holung der Weltwirtschaft, die sich 2011 fortsetzen sollte. Das Land hat den Vorteil, dass es über seine Exporte sowohl am Aufschwung der Industrieländer als auch der Emerging Markets teilnimmt. „Vor allem der Boom in den asiatischen Schwellenländern, die 2011 um die sieben Prozent wachsen dürften, kommt Japan zugute“, sagt Stefan Keitel, globaler Aktienstratege der Credit Suisse. „Inzwischen gehen 60 Prozent der japanischen Exporte in diese Region“, berichtet er.
Darüber hinaus spricht für Japan, dass die Aufwertungsrisiken für den Yen inzwischen begrenzt sind. Die starken Zugewinne der Währung werden sich wohl nicht wiederholen. Die japanische Export­industrie dürfte also nicht weiter belastet werden. Auch die günstige Bewertung macht japanische Aktien attraktiv. „Das Kurs-Gewinn-Verhältnis des japanischen Markts nähert sich den Tiefständen von 2005“, sagt Keitel. Die Experten von Nomura weisen zudem auf das niedrige Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) im Vergleich zum restlichen Asien hin. Während der Kontinent ohne Japan ein KBV von fast 2,3 aufweist, beträgt es bei japanischen Aktien nur 1,0. Anleger erhalten demnach über Nippon einen äußerst günstigen Zugang zur Boomregion Asien.

Ein Szenario, das japanische Aktien ebenfalls beflügeln würde, wäre ein Anstieg der Inflation in Asien. In China wird bereits vor einer zunehmenden Teuerung gewarnt, die Regierung in Peking bemüht sich um erste Gegenmaßnahmen. Erfasst eine Inflationswelle die gesamte Region, würde das Japan guttun: Das Land leidet seit Jahren unter einer Deflation, die die wirtschaftliche Entwicklung lähmt. Eine Inflation in Nippon könnte sich dann zum Auslöser einer kräftigen Erholung des Aktienmarkts entwickeln.

Profiteur des weltweiten Aufschwungs
Der Fidelity Japan Advantage A JPY (ISIN: LU 016 133 248 0) zählt seit Jahren zu den besten Japan-Aktienfonds. Das von Ronald Slattery gelenkte Vehikel trägt die €uro-FondsNote 1 und ist auch 2010 bei der Wertentwicklung auf den vordersten Rängen zu finden. Im Portfolio haben zurzeit die Branchen Chemie, Banken und Transport das höchste Gewicht (zwischen gut 17 und 14 Prozent). Größter Einzeltitel ist Mitsubishi UFJ Financial, eine Holdinggesellschaft aus dem Finanzsektor. Ein besonders preiswertes Engagement in Nippons Aktienmarkt ermöglicht der ETFlab MSCI Japan (ISIN: DE 000 ETF L30 0). Der abgebildete Index gibt die Entwicklung des breiten japanischen Markts wieder. Dort spielen die Branchen Investitionsgüter und Automobile mit Anteilen von 15 und zwölf Prozent eine größere Rolle als im Fidelity-Fonds.

Brasilien
Auch ein aufstrebendes Land braucht mal eine Verschnaufpause. Im dritten Quartal 2010 wuchs Brasiliens Wirtschaft nur um 0,5 Prozent im Vergleich zum vorangegangenen Jahresviertel. Dank eines starken ersten Halbjahrs wird die Wirtschaft des Landes in diesem Jahr dennoch um rund 7,5 Prozent zulegen. Ein etwas schwächeres Quartal ist also kein Beinbruch.

Von Wachstum war jedoch an der Börse in São Paulo 2010 nichts zu spüren. In der Landeswährung Real steht der Leitindex Bovespa auf demselben Niveau wie Anfang Januar. Für hiesige Anleger mit Engagements in Brasilien fielen nur deshalb Gewinne an, weil der Real gegenüber dem Euro deutlich aufwertete.
Ein Grund für die schwache Entwicklung war die Kapitalerhöhung des Ölkonzerns Petrobras. Die damit verbundene Unsicherheit hatte dessen Kurs um 30 Prozent gedrückt. Das bremste den Bovespa, in dem Petrobras ein hohes Gewicht hat. Auch die Einführung einer Steuer auf ausländisches Kapital behinderte Brasiliens Aktienmarkt. Das Land will damit den Geldzufluss stoppen, der zu einer Aufwertung der Währung führt, was den Exporteuren schadet. Da der Kursrückgang bei Petro­bras gestoppt ist und sich Anleger mit der Steuer arrangieren dürften, fallen bremsende Faktoren 2011 weg. Bei einer nach wie vor intakten Investmentgeschichte ist von Brasilien einiges zu erwarten. „Die Wirtschaft profitiert von einer starken Nachfrage nach Gütern im Inland“, benennt Mohamed Saidi von Dexia Asset Management einen wichtigen Grund für die guten Aussichten. So zeigt sich zum Beispiel der Einzelhandelsumsatz auch dank geringer Arbeitslosigkeit robust: Zuletzt erreichte der brasilianische ICC-Index, der das Verbrauchervertrauen misst, ein neues Allzeithoch.
Hinzu kommt, dass die Aktien angemessen bewertet sind: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis beträgt im Schnitt 13,6. Darüber hinaus hält Saidi die volkswirtschaftli­chen Risiken für überschaubar. Als besonders lukrativ erachtet er Banken und Konsum­unternehmen. Beide Branchen sollten von der starken Inlandsnachfrage profi­tieren. Der Experte rechnet für den Bovespa 2011 mit einer ansprechenden Wertentwicklung.

Ein Land in Feierlaune
Viele Fonds, die in ganz Lateinamerika investieren können, sind zu einem Großteil in Brasilien engagiert. Mit den Fonds dieser Gattung holen sich Anleger also eine gehörige Portion Brasilien ins Depot. Zu den besten Produkten zählen die Südamerika-Fonds von BlackRock, zum Beispiel der BGF Latin American A2 € (ISIN: LU 017 128 949 8). Anleger, die den brasilianischen Markt fokussierter angehen möchten, können auf den JP Morgan Brazil Alpha Plus setzen (ISIN: LU 031 893 445 1). Der Fonds nutzt ein recht konzentriertes Portfolio und hat Finanztitel, Industriebetriebe und nicht zyklische Konsumwerte hoch gewichtet (jeweils mit einem Sechstel). Den Index der Börse in São Paulo bildet der Lyxor ETF Brazil (Bovespa) ab (ISIN: FR 001 040 879 9). Anders als im JP-Morgan-Fonds dominieren dort die klassischen Rohstoff- und Energiewerte.

Bildquellen: istockphoto
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Beiersdorf AG70,04
-0,65%
Beiersdorf Jahreschart
BMW AG71,31
-2,32%
BMW Jahreschart
CeWe Color Holding AG34,20
-2,28%
CeWe Color Jahreschart
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MAN85,30
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-1,00%
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