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05.10.2011 06:00

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Apple, Amazon & Co: Tech-Aktien im Rallymodus

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Amazon.com: Auch im Abschwung interessant
Bei den großen Tech-Aktien aus den USA brummt es: Seit sechs Wochen legen sie kräftig zu. Warum die Titel so beliebt sind – und welche das größte Potenzial haben.

von Klaus Schachinger, €uro am Sonntag

Neue Zuversicht in Europa und Amerika. Die Zahlen zum ­Arbeitsmarkt und dem Wirtschaftswachstum der USA waren besser als erwartet. Zudem sorgte die klare Mehrheit des Bundestags für den Europäischen Stabilitätsfonds EFSF an den Börsen für Erleichterung. „Europa zeigt einen Hoffnungsschimmer für Stabilität. Die US-­Daten die Kursfantasie“, sagt Daniel Weston, Portfoliomanager des Vermögensverwalters Schroders.

Für eine Entwarnung ist es allerdings zu früh. US-Finanzminister ­Timothy Geithner fordert von den Europäern eindringlich die Neuauflage von Stützungsmaßnahmen für die Wirtschaft. „Diskussionen über neue Konjunkturprogramme, die im Gegensatz zur Finanzkrise 2008/2009 jedoch kaum zu finanzieren wären, werden neben dem Dauerthema ­Griechenland für Unruhe sorgen“, prophezeit deshalb Gerald Kichler Fondsmanager des Vermögensverwalters Floßbach & von Storch.

Doch während Europa in der Schuldendiskussion versinkt, sind institutionelle Investoren auf der anderen Seite des großen Teichs auf der Suche nach aussichtsreichen Geldanlagen längst fündig geworden. Und zwar ausgerechnet bei den großen US-Techtiteln. Seit dem 19. August, als der gesamte US-Markt zu einer kleinen Zwischenrally angesetzt hat, ­haben Schwergewichte wie Amazon, Apple, Microsoft, Google, Oracle oder Ebay den breit aufgestellten S & P-500-Index klar hinter sich gelassen. Der Vergleich der US-Titel mit dem DAX fällt noch deutlicher aus. Die Aktie von Amazon beispielsweise hat binnen sechs Wochen um fast 30 Prozent zugelegt, während sich der DAX seitwärts dahinschleppte.

Ein Grund für den Run auf die Technologieriesen sind die hohen Geldreserven der Konzerne. Beispiel Apple: Mit 65,8 Milliarden Dollar Cash ist der Konzern Spitzenreiter, gefolgt von Microsoft mit 50,2 Milliarden Dollar. Dank der hohen freien Mittelzuflüsse (free cashflow) aus dem Geschäft verfügen diese Firmen über krisensichere Geschäftsmodelle. Einige wie Apple und Amazon bieten zudem Wachstumsstorys, die auch in wirtschaftlichen Abschwungphasen zuverlässig funktionieren. Wie leistungsfähig die Geschäftsmodelle als Geldmaschinen sind, zeigt eine Analyse der Ratingagentur Moody’s: Apple erhöhte seine Reserven von 2006 bis März 2011 um mehr als 450 Prozent, Amazon um 240, Google um 226 Prozent.


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Insgesamt haben die zehn Cash-Könige, die von Moody’s unter die Lupe genommen wurden, in den vergangenen fünf Jahren ihre Dollar­reserven auf über 290 Milliarden erhöht. Das allein ist schon Wahnsinn. Mindestens genauso spektakulär: 200 Milliarden davon sind Mittelzuflüsse aus dem Geschäft. „Für Investitionen haben die Konzerne gerade mal 25 Milliarden Dollar gebraucht. Auch die 41 Milliarden Dollar für ­Dividenden können sich die Cash-­Könige locker leisten“, stellt Moody’s-Analyst Richard Lane fest.

Starke Bilanzen machen die Cash-Kings auch für Value-Investoren interessant. Bislang hatten sich diese auf Firmen aus weniger konjunktursensiblen Branchen wie Pharma, Nahrungsmittel oder Kosmetik, also Konzerne wie McDonald’s, Coca- Cola, Nestlé oder L’Oréal konzentriert, die eine langjährige Kontinuität bei Dividendenzahlungen und stabilen Mittelzuflüssen aufweisen. „Aktien wie Microsoft, Cisco oder Google sind klassischen Value-Titeln in der Bewertung inzwischen nicht nur ebenbürtig, sondern überlegen“, sagt Floßbach-&-von-Storch-Fondsmanager Kichler.

Microsoft ist mit gut fünf Prozent Anteil jetzt die größte Position in Kichlers Aktien-Global-Fonds. Nestlé und Goldminenbetreiber Barrick Gold haben mit 2,9 und 2,5 Prozent deutlich kleinere Positionen. Mit der jüngsten Erhöhung der Dividende um 25 Prozent auf umgerechnet 15 Cent pro Aktie im Quartal zeigt Microsoft, dass man sich bei der Dividendenpolitik inzwischen eine ähnlich nachhaltige Politik leisten kann wie Nestlé & Co. Aktuell liegt die Dividendenrendite der Aktie bei drei Prozent. Sechs Milliarden Dollar für Dividenden kann sich Microsoft bei knapp 24 Milliarden Dollar Nettogewinn leicht leisten. Dazu kommen die Barreserven des Konzerns.

Doch das viele Geld der Konzerne ist nicht das einzige Argument, das für die Aktien der US-Techies spricht. Allen ist eines nämlich gemein: Sie haben absolute Top­produkte für den Weltmarkt. Dabei geht es nicht nur um die Kultmarke Apple. Auch Amazon, Ebay, Microsoft oder Sandisk haben solide Geschäftsmodelle. Und das sorgt nicht nur für gute Geschäfte, sondern bindet auch Kunden. Beispiel Microsoft: Dank der Popularität des Betriebssystems Windows 7 und der Bürosoftware Office kann sich der Konzern auf die hohe Loyalität der Firmenkunden verlassen, bestätigte eine Umfrage von Goldman Sachs.

Hinzu kommt, dass viele Firmen ihre Ausgaben für Hard- und Software nach oben schrauben. Während der Absatz bei langfristigen ­Gütern wie Autos im August rückläufig waren, erhöhten die Unter­nehmen ihre Ausgaben für Computer und Software. Etliche Börsianer sehen darin ein klares Signal, dass es um die US-Wirtschaft gar nicht so schlecht bestellt ist. „Die Zahlen bestätigen den positiven Trend aus dem Bericht der Notenbank Federal Reserve“, sagt Neil Dutta, Ökonom bei Bank of America Merrill Lynch.

Auch beim Datenbankspezia­listen Oracle brummt das Kerngeschäft. Mit Wartungsverträgen fährt der drittgrößte Softwarekonzern der Welt 80 Prozent des operativen Gewinns ein. Weil Systeme in den Unternehmen auch in schwierigen Zeiten gewartet werden, ist das Geschäft selbst in Abschwung­phasen ein optimaler Puffer. Zudem trimmt Oracle das Geschäft mit Netzwerk­rechnern, in das der Konzern vor einem Jahr mit dem Kauf des Serverherstellers Sun Microsystems groß eingestiegen ist, erfolgreich auf Rendite. Die operative Marge stieg von 48 auf sensationelle 54 Prozent. Das margenschwache Geschäft mit Netzwerkrechnern mit Intel-Chips lässt Konzernchef Larry Ellison auslaufen. Stattdessen setzt er nun auf das Know-how von Sun. Von Abschwung ist bei Oracle nichts zu spüren. Vor allem das Geschäft im krisengebeutelten Europa läuft gut.

Bei Börsenüberfliegern wie Amazon und Apple können Börsianer selbst die extrem hohen Bewertungen nicht abschrecken – Amazon beispielsweise weist für 2012 ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 50 auf. „Die Aktionäre überzeugt die Wachstumsstory. Sie sind deshalb bereit, abzuwarten, bis sich die hohen Investitionen bezahlt machen“, sagt Morgan-Stanley-Analyst Scott Devitt.

Der größte Buchhändler der Welt hat zusätzlich zu seinem Onlineshop ähnlich wie Apple sein eigenes System aufgebaut. So vermietet der Konzern die Leistung und Kapazität seiner Großrechner (Server) auch an Unternehmen. Damit ist Amazon ­einer der größten Anbieter im schnell wachsenden Markt für Cloud Com­puting.

Dieser Fachbegriff steht für einen neuen Trend: Daten und Programme, die bislang auf dem haus­eigenen PC oder Server lagerten, werden via Internet auf Großrechner irgendwo auf der Welt verlagert – von einfachen E-Mail-Diensten bis hinzu komplexen und Rechnerleistung fressenden Programmen.

Amazon-Chef Jeff Bezos will sein virtuelles Kaufhaus sowie sein Cloud-Computing-Angebot jetzt noch besser vermarkten – vor allem mit ­eigenen Amazon-Geräten. Nach dem E-Book Kindle stellte er vergangene Woche den Kindle Fire vor, den ersten Tablet-PC aus dem Haus Amazon. Allein der Preis des Minicomputers ist eine Kampfansage. Der Kindle Fire wird, je nach Ausstattung, zwischen 79 Dollar und 199 Dollar kosten. Das ist nur halb so viel wie Produkte der Konkurrenz.

Bezos folgt im Prinzip dem Apple-Modell. Mit dem Tablet werden die Kunden vollen Zugriff auf das System von Amazon haben – also vom Buchverkauf über das Herunterladen von Filmen bis hin zu Cloud-Dienstleistungen wie das Speichern von Daten. Mit anderen Worten: Der neue Kleincomputer soll eine Verkaufsmaschine für Amazons physische und digitale Waren wie Musik und Filme werden. „Wir sehen den Kindle Fire nicht als Tablet, sondern als Service“, sagt Bezos.

Der Unterschied zu Apple: Während der größte Onlinehändler der Welt vor allem seiner Ware verkaufen wird und dafür bereit ist, bei der Hardware Verluste in Kauf zu nehmen, achtet Apple sehr genau auf hohe Margen bei den Tablets. Digitale Inhalte sind Zusatzgeschäft. ­Damit haben Amazons Tablets das Zeug zum Verkaufsschlager, trotz der Dominanz von Apples iPad.

Die jüngste Rally vieler Techaktien ist freilich nichts Ungewöhnliches. Schon das gesamte Jahr über schneidet die als Technologiebörse betitelte Nasdaq deutlich besser ab als alle anderen großen Börsenbarometer. Auch auf Fünfjahressicht liegt die Nasdaq vorn (in der allerdings auch Firmen aus Branchen wie Pharma oder Bildung enthalten sind).

Dennoch sollten Anleger bei ihren Investments genau aufpassen, insbesondere in diesen unsicheren Zeiten. „Favoriten bleiben nur Konzerne mit Geschäftsmodellen, die sich auch während einer möglichen Rezession in den USA und Europa ­bewähren können“, sagt Union Investment Fondsmanager Gunther Kramert – und das gilt vor allem für die genannten Großkonzerne.

Investor-Info

Cashreserven
Techkonzerne liegen vorn
Sowohl in der Höhe als auch beim erwarteten Zuwachs der Cashreserven liegen Konzerne aus den Techsektoren Hardware, Software und Halbleiter klar vor den anderen Branchen. Die zehn Technologiefirmen mit den höchsten Reserven kamen im März 2011 zusammen auf 290 Milliarden Dollar Cash. Interessant: Viele Unternehmen halten einen erheblichen Teil ihrer üppigen Liquidität im Ausland, im Durchschnitt 73 Prozent.

Amazon
Investitionen drücken Gewinn
Die Premiere von Amazons Tablets ist ein Erfolg. Ersten Schätzungen zufolge könnte der Konzern bis 2013 rund 13 Millionen Geräte verkaufen. Die hohen Investitionen werden sich nach Einschätzung der UBS-Bank allerdings beim Nettogewinn im Vergleich zum Vorjahr mit einem Minus von 19 Prozent auf 944 Millionen Dollar bemerkbar machen. Der Umsatz soll um knapp 43 Prozent auf knapp 49 Milliarden Dollar steigen. Für die kommenden beiden Jahre erwarten Analysten jeweils über 60 Prozent mehr Gewinn pro Jahr. Klarer Langfristkauf.

Apple
Unspektakuläre Präsentation
Die Erwartungen am Dienstag waren sehr hoch. Statt des ersehnten iPhone 5 präsentierte Apple-Chef Tim Cook mit dem iPhone 4 S jedoch nur eine schnellere und verbesserte Version des aktuellen Apple Smartphones. Damit ist es dem Nachfolger des schwer erkrankten Firmengründers Steve Jobs nicht gelungen, die sehr hohen Erwartungen zu erfüllen. An der Wall Street verlor die Aktie am Dienstag Abend fast fünf Prozent. Künftig sollen abgespeckte Versionen von Apples iPhone 3 GS und iPhone 4 mit jeweils nur acht Gigabyte Speicher die Billigkonkurrenz der Android-Smartphones auf Distanz halten. Das iPhone 3 GS soll in den USA mit Vertrag erstmals kostenlos angeboten werden. Das ist neu in Apples Strategie und zeigt den wachsenden Einfluss der Android Smartphones. Apples Webdienst ­iCloud soll am 12. Oktober starten.Bei einem KGV von 15 ist die Aktie günstig. Die Gewinnerwartungen für 2012 und 2013, Zuwächse von jeweils elf und 15 Prozent, dürfte Apple leicht übertreffen.

Oracle
Keine Sommerpause

Um 17 Prozent ist bei Oracle im jüngsten Quartal das Geschäft mit neuen Softwarelizenzen gewachsen, ein Signal für das robuste Geschäftsmodell des drittgrößten Softwareherstellers der Welt. Neue Lizenzen sind die Voraussetzung zum Ausbau des Kerngeschäfts mit langfristigen Wartungsverträgen. Die Verträge bringen 80 Prozent des operativen Gewinns. Bei einem erwarteten Gewinnwachstum von zehn Prozent im Jahr sind positive Überraschungen drin. Topanlage im Techbereich.

Microsoft
Solide Perspektiven

Firmenkunden sind mit den aktuellen Microsoft-Programmen Windows 7 und Office extrem zufrieden. Das spiegelt sich auch im großen Interesse für die Nachfolgeversionen wider, die 2012 auf den Markt kommen sollen. Gute Perspektiven also für Microsoft, selbst wenn das Wirtschaftswachstum schwächer ausfallen sollte als gedacht. Mit zehn Prozent erwartetem Gewinnwachstum, einem KGV von zehn und knapp drei Prozent Dividendenrendite ist die Techaktie inzwischen ein Value-Titel.

Spannende Techstorys
Fünf Chancen

Mit dem Ausbau des etablierten Onlinebezahldiensts Paypal hat Ebay einen neuen Gewinntreiber. Apple hat seine Unterstützung für Marvells Prozessoren signalisiert. Marvells energiesparende Halbleiter könnten das im Frühjahr erwartete iPad 3 und später auch Apples Macbook Air steuern. Qualcomm und Nvidia entwickeln eigene Prozessoren für Android-Handys und Tablets. ­Sandisk liefert Speicherchips (Flash) für diese Geräte.

Techriesen in Fondsportfolios
Spezialist und Generalist

Gunther Kramert, Fondsmanager des Union Investment Fonds Unisector Hightech A (ISIN LU 010 144 167 2), ist klar auf Aktien von Technologiefirmen fokussiert. Die fünf größten Positionen: Apple: 9,3 %; Microsoft: 6,9 %, IBM: 5,7 %; Qualcomm: 4,5 % und Google: 4,3 %. Der Fonds mit der €uro-FondsNote 2 ist sparplanfähig. Gerald Kichler, Fondsmanager des Floßbach & von Storch Aktien Global Fonds (ISIN LU 036 617 896 9), ist nicht auf Techaktien festgelegt und wählt Investments für den Fonds mit der €uro-FondsNote 1 nach Value-Ansätzen aus. Die Top Five: Microsoft: 5,08 %; Synthes: 3,82 %; Biotest Vz.: 3,62; ­Exxon Mobil: 3,49 %; Stryker: 3,0 %.

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