aktualisiert: 25.09.2012 14:21
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Börse auf Rekordkurs - DAX bald auf 8000 Punkte?

Euro am Sonntag-Titel
Die Börsenrally hat die meisten Investoren auf dem falschen Fuß erwischt. Zwar lahmt die Konjunktur in weiten Teilen der Welt, doch viele Anlageprofis fangen nun an, in Aktien umzuschichten. Das könnte auch den DAX auf ein neues Rekordhoch treiben.
€uro am Sonntag

von S. Bauer und K. Schachinger, Euro am Sonntag

Da hat Mario Draghi etwas angerichtet. Seit der Präsident der Europäischen Zentralbank klargemacht hat, dass die Geldschleusen weit geöffnet werden, rauscht es an den Aktienmärkten. Um 25 Prozent auf knapp 7400 Punkte hat der DAX in diesem Jahr schon zugelegt, und nicht nur Privatanleger fragen sich, wo das alles noch hinführt. Investmentprofis, die kaum in Aktien investiert waren, schauen dem Kursanstieg mehr besorgt denn verwundert hinterher.

„Viele haben die Rally verpasst. Jetzt müssen die Investoren nachziehen, um am Jahresende nicht als Verlierer dazustehen“, beschreibt Robert Halver, Anlagestratege der Baader Bank, die trotz der Hausse angespannte Stimmung in der Branche.

Gerade mal auf 6400 Punkte hatten 23  Banken, die wir zum Jahreswechsel befragten, den DAX zum Jahresende geschätzt. Im Juli prophezeiten die Experten im Schnitt rund 7000 Punkte, die 8000er-Marke hatte keines der Institute im Blick. Allein seit EZB-Präsident Draghi die „Big Bazooka“ angekündigt hat, wie Börsianer den geplanten unbegrenzten Aufkauf von Staatsanleihen nennen, hat der Index um 1000 Zähler zugelegt. Jetzt ist es nur noch ein kleiner Schritt bis zur 8000. Selbst ein neues Allzeithoch ist im Krisenjahr 2012 denkbar.

Dabei besteht für Euphorie eigentlich gar kein Grund. Zwar sind die schlimmsten Crashszenarien, wie sie bei einem Auseinanderbrechen der Währungsunion zum Tragen kämen, unwahrscheinlich geworden. Doch Risiken bleiben zur Genüge.

Unklar ist etwa, wie viele Milliarden Spaniens Banken zu ihrer Stabilisierung brauchen — die Schätzungen reichen von 50 bis 500. Im Oktober wird zudem darüber entschieden, ob Griechenland weitere Hilfsgelder erhält. Finanzminister Yannis Stournaras bereitete die europäischen Gremien soeben darauf vor, dass die Sparziele nicht voll erfüllt werden. Ein Ausscheiden des Staates aus der Währungsunion ist noch nicht vom Tisch.

Die größte Unbekannte bleibt die konjunkturelle Entwicklung. Die meisten Volkswirtschaften Europas sind durch die Schuldenkrise extrem geschwächt. In der Eurozone insgesamt deutet sich nach einer Verschlechterung der konjunkturellen Frühindikatoren im August eine Rezession im dritten Quartal an, heißt es etwa von der Deutschen Bank.

Die Hausse steht auf einem Bein
Global sieht es nicht viel besser aus. Die Wachstumslokomotive China drosselt ihr Tempo spürbar. Statt gewohnter acht Prozent werden künftig eher sechs Prozent Wachstum pro Jahr erreicht. Und was die Entwicklung in den USA betrifft, so scheiden sich die Geister. Die zweifelsohne sehr pessimistischen Analysten der Société Générale sehen die US-Wirtschaft wegen der stark zurückgehenden Investitionen auf dem Weg in die Rezession — und warnen vor einem Absturz des Aktienmarkts.

Ganz so schwarz sehen nicht alle. Zumal sich der US-Immobilienmarkt, von dem die Wirtschaftskrise ihren Ausgang nahm, allmählich erholt, und die jüngsten Konjunkturindikatoren erfreulich ausfielen. Zugleich hat die US-Notenbank Fed unbefristete Maßnahmen zur Stützung der Wirtschaft angekündigt.

In Deutschland ist das Bild ähnlich. Streng genommen steht die Ampel auf Rot, denn die wichtigsten Frühindikatoren weisen nach unten. Im August war der Ifo-Geschäftsklimaindex zum vierten Mal in Folge gesunken, was auf eine Rezession hindeutet. Nach dem geldpolitischen Feuerwerk hellten sich indes die Konjunkturerwartungen der Finanzexperten deutlich auf, meldete das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung soeben.

Auch wenn für Deutschland keine Rezession zu erwarten ist: Eine Fortsetzung der Hausse in Frankfurt ist noch längst nicht ausgemacht. Denn mit abflauender Konjunktur sinken die Gewinne der meisten Unternehmen. „Der Markt steht nur auf dem geldpolitischen Bein. Konjunkturell ist der Anstieg nicht untermauert“, sagt Markus Steinbeis, Leiter Fondsmanagement beim Vermögensverwalter Huber, Reuss & Kollegen.

Und dennoch scheint es, als beginne in diesen Wochen eine grundlegende Neuorientierung in der Finanzbranche. Denn Investoren suchen händeringend nach Rendite. Anleihen von Topstaaten oder -firmen bringen nicht mehr viel, die Kupons sind im Niedrigzinsumfeld bescheiden. Real, also nach Abzug der Geldentwertung, ist kaum noch etwas zu verdienen. Und dort, wo es sich noch lohnen würde, gibt es oftmals große Fragezeichen hinsichtlich der Bonität der Emittenten.

Aktien gelten trotz ihrer Kursschwankungen bei vielen inzwischen als das kleinere Übel, zumal die Renditen insbesondere bei Titeln mit Dividendenausschüttungen höher sind. „Im Vergleich zu Anleihen sind Aktien klar unterbewertet. Trotz hoher Volatilität führt an Dividendentiteln kein Weg vorbei“, sagt Jens Ehrhardt, einer der renommiertesten Vermögensverwalter Deutschlands.

Ehrhardt ist überzeugt, dass auch die großen globalen Kapitalsammelstellen, etwa finanzstarke Versicherer oder US-Pensionsfonds, sich künftig stärker in Aktien engagieren werden. Schließlich sitzt auch ihnen die Furcht vor der Geldentwertung im Nacken.

So ist in den USA angesichts der bevorstehenden Geldflut durch EZB, US-Notenbank Fed, die japanische und künftig auch die chinesische Zentralbank die Inflationserwartung auf ein Rekordhoch von 2,6 Prozent geschnellt.

Globaler DAX hat gute Karten
Aktien aber bieten als Anteile am Produktivvermögen von Unternehmen einen wirksamen Schutz vor Inflation. Die Anlageklasse könnte somit eine Renaissance erleben. „Die unlimitierten Aufkäufe von Staatsanleihen durch die EZB sind der wichtigste Strukturbruch der vergangenen Jahre. Vor allem Aktienanleger werden hiervon langfristig profitieren“, sagt Experte Steinbeis.

Für den DAX spricht die hohe Zahl von Unternehmen, die global stark aufgestellt sind. Denn die Geldpolitik der Zentralbank spielt exportstarken Konzernen in die Karten. „Die EZB muss die Zinsen niedrig und den Euro schwach halten, um die Wirtschaft der Südländer anzukurbeln. Das wirkt wie ein Konjunkturprogramm für deutsche Exporteure“, sagt Steinbeis.

Auch die Bewertung der Titel im Leitindex DAX ist günstig. Die 30 Aktien, zu denen ab Montag der Spezialchemiekonzern Lanxess und Autozulieferer Continental zählen, weisen ein Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der Gewinnschätzungen für 2013 von im Schnitt knapp über zehn auf. Zum Vergleich: Der US-Standardindex S & P 500 ist gut 20 Prozent teurer. Aussichtsreiche Werte wie die Deutsche Post oder Bayer liegen sogar deutlich hinter ihren historischen Bewertungen zurück.

Die Geldpolitik, die günstige Bewertung und eine größere Bereitschaft der Investoren, sich wieder auf die schwankungsfreudigen Dividendentitel einzulassen, sprechen also für steigende Notierungen. Nicht wenige Experten trauen dem Index deshalb zu, noch 2012 die nächste Tausenderschwelle zu erreichen. „8000 Punkte im DAX in diesem Jahr sind denkbar, wenn die EZB mit dem Gelddrucken beginnt“, sagt Vermögensverwalter Ehrhardt.

Auf globale Marktführer setzen
Zu den Favoriten der Redaktion zählen vor allem solide finanzierte Marktführer mit starker globaler Positionierung. Neben dem weltgrößten Chemiekonzern, BASF, gilt das beispielsweise auch für den Gasespezialisten Linde. Der Münchner DAX-Konzern ist in zahlreichen Wachstumsmärkten wie China die Nummer 1 bei Industriegasen. Im kommenden Jahr sollen sowohl Umsatz und Gewinn Schätzungen zufolge um über zwölf Prozent steigen.

Gewinnwachstum in ähnlicher Größenordnung erwarten die Analysten auch beim DAX-Neuling Lanxess. Der Spezialchemiekonzern, der große Teile des Umsatzes mit synthetischem Kautschuk zur Herstellung von Reifen erzielt, zählt ebenfalls zu den Globalisierungsgewinnern. Soeben haben die Leverkusener ihre langfristige Gewinnprognose erhöht, die Aktie notiert auf Allzeithoch.

Doch wie beschrieben: Die unsichere Konjunktur hinterlässt noch ein großes Fragezeichen. Anleger sollten ihre Investments deshalb grundsätzlich mit Stoppkursen absichern. Wer Einzelwerte scheut, kann mit Zertifikaten oder Fonds sein Risiko streuen. Unter Druck müssen sich private Anleger jedoch keineswegs setzen — das ist ein echter Vorteil gegenüber manchem Profi auf Renditejagd.

Die neue DAX-Liste: Die Favoriten der Redaktion (pdf)

Deutschland-Fonds Spitzenmischung
BASF, SAP, Bayer — es klingt nicht gerade aufregend, welche Unternehmen Tim Albrecht als größte Positionen für seinen Fonds ausgewählt hat. Deutlich aufregender sind die Ergebnisse, die der Fondsmanager mit seinem DWS Deutschland (ISIN: DE0008490962) einfährt. Plus 26 Prozent allein 2012, knapp 40 Prozent in den vergangenen drei Jahren. Damit gehört das Portfolio mit der €uro-FondsNote 2 nun schon seit Jahren zu den besten deutschen Aktienfonds. Auch dies ein Ergebnis der offensiven und optimistischen Ausrichtung des Fonds. Albrechts Fokus liegt auf deutschen Exportwerten. „Die Popularität und Wertschätzung deutscher Produkte im Ausland ist die große Stärke der deutschen Wirtschaft, die sich in einer überdurchschnittlichen Kursentwicklung der Exportunternehmen niederschlägt“, erklärt Albrecht. Neben großen Standardwerten kann der Manager dem Fonds bis zu 50 Prozent kleinere Werte beimischen.

„Derzeit haben wir deutsche Nebenwerte aber nur mit knapp 30  Prozent gewichtet, da wir nach den Kursgewinnen der vergangenen Monate etwas defensiver positioniert sind.“ Auch die Investitionsquote des Fonds, die mithilfe von DAX-Futures auf 120 Prozent des Fondsvermögens gesteigert werden kann, ist mit aktuell 106 Prozent nicht so aggressiv, wie sie sein könnte.

Grund: „ Zwar sind deutsche Aktien im historischen Vergleich noch immer nicht hoch bewertet, aber der konjunkturelle Gegenwind nimmt derzeit zu.“ Vor allem um die wirtschaftliche Entwicklung in China und Europa sorgt sich Albrecht, ein Rückgang der Gewinnprognosen ist auch für deutsche Unternehmen möglich. Daher lässt Albrecht bei der Titelauswahl Vorsicht walten. Stahlunternehmen etwa sind in seinem Portfolio nicht zu finden. Bankenwerte sucht man vergebens, auch wenn sie in den vergangenen Wochen deutlich zugelegt haben. „Diese Titel sind mir mit zu viel Unsicherheit behaftet“, sagt der Manager. „Die Auswirkungen möglicher Abschreibungen sowie staatlicher Vorgaben sind nicht abzuschätzen.“

Für risikobereitere Anleger eignet sich der Squad Capital Growth (ISIN: LU0241337616) mit der €uro-FondsNote 1. Mit einer Wertentwicklung von knapp 22 Prozent in diesem und 56 Prozent in den vergangenen drei Jahren hat der reine Nebenwertefonds in den Ranglisten die Nase weit vorn. Er investiert überwiegend in Titel aus dem deutschsprachigen Raum, wobei auch Aktien aus den Benelux-Staaten sowie Anleihen beigemischt werden dürfen.

Anlageschwerpunkt sind wachstumsstarke Unternehmen, die unterbewertet sind. Auf der Suche nach solchen Werten stößt Fondsmanager Stephan Hornung auf Aktien wie die des Münchner IT-Spezialisten SHS Viveon, die der breiten Masse der Anleger unbekannt sein dürfte.

Am besten unter den Deutschland-Fonds hat sich in diesem Jahr mit knapp 51 Prozent Gewinn der Lyxor ETF Lev DAX geschlagen (ISIN: LU0252634307). Der gehebelte Indexfonds verspricht die zweifache Wertentwicklung des deutschen Auswahlindex. Geht es nach oben, ist das zwar eine feine Sache, geht es nach unten, schmerzt es aber dafür doppelt. Daher ist der ETF nur etwas für Anleger, die einen Rückschlag am deutschen Aktienmarkt ausschließen. Vorsichtigere setzen besser auf börsennotierte Indexfonds, die wie der Comstage ETF DAX TR (ISIN: LU0378438732) das Auf und Ab im DAX eins zu eins abbilden.

Vorteil der Indexfonds: Sie schneiden wegen deutlich geringerer Kosten auf lange Sicht meist besser ab als das Gros der aktiv gemanagten Produkte. Größter Nachteil: Anleger bekommen mit einem ETF sämtliche DAX-Titel ins Portfolio — darunter auch Titel wie Bankaktien, die viele derzeit nicht unbedingt halten möchten.

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