von Lars Winter, €uro am Sonntag
Mit Aktien aus dem TecDAX war 2010 kein Blumentopf zu gewinnen. Das mickrige Jahresplus von knapp zwei Prozent entspricht lediglich einer Rendite auf Festgeldniveau. Damit rangierte Deutschlands Technologiebarometer weit abgeschlagen hinter den Standardindizes. Der DAX legte 2010 um 16, der MDAX um 32, der SDAX sogar um 43 Prozent zu.
Das schlechte Abschneiden des TecDAX im Vorjahr lag vor allem an der Kursschwäche der Ökoaktien. Gut ein Viertel der gesamten Indexgewichtung ging auf Werte aus dem Bereich der regenerativen Energien zurück. Q-Cells, Solarworld und Co litten jedoch unter der Kürzung der Einspeisevergütung für Fotovoltaikstrom. Obendrein machte der anhaltende Preisdruck in der Solarbranche, bedingt durch Dumpingangebote asiatischer Konkurrenten, der heimischen Solarindustrie schwer zu schaffen. Folge: Die neun im TecDAX gelisteten Papiere aus dem Bereich der erneuerbaren Energien verloren im Vorjahr zusammen satte drei Milliarden Euro an Börsenwert.
Jetzt wendet sich das Blatt: Durch die Katastrophe in Japan und die laufende Atomdebatte in Deutschland kam der Technologiewerte-Index kräftig in Schwung und erreichte ein neues Dreijahreshoch. Seit Anfang 2011 legte die Techbörse bereits um elf Prozent zu und ließ damit andere deutsche Indizes weit hinter sich.
Die Redaktion von €uro am Sonntag hat alle 30 TecDAX-Aktien auf den Prüfstand gestellt, bewertet und die Favoriten für das laufende Jahr herausgefiltert. Ein Großteil unserer Favoriten fällt – wenig erstaunlich – unter den breit gefassten Bereich Technologie. Aber auch Aktien aus den Segmenten Biotechnologie und Medizintechnik sowie ausgewählte Titel aus dem Sektor der regenerativen Energien haben gute Kurschancen. Welche das sind, lesen Sie auf den folgenden Seiten.

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Aus fundamentaler Sicht spricht derzeit viel für den TecDAX. Die Gewinne der 30 enthaltenen Unternehmen werden 2011 im Schnitt um 20 Prozent zulegen. Bis auf wenige Ausreißer, etwa die Solarfirma Q-Cells, werden fast alle Firmen am Jahresende ein positives Ergebnis ausweisen. Die gewonnene operative Stärke zeigt, dass die Hightechbörse den Kinderschuhen entwachsen ist. Unseren Berechnungen zufolge wird der aufsummierte Gewinn je Aktie aller TecDAX-Unternehmen im laufenden Jahr bei rund 60 Euro liegen.
Damit errechnet sich auf Basis des aktuellen Indexstands ein durchschnittliches Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von knapp 16. Auf Basis der Schätzungen für das kommende Jahr werden TecDAX-Aktien im Schnitt sogar nur mit dem 13-fachen Jahresgewinn bewertet. Aus historischer Sicht ist dieses Niveau für dynamisch wachsende Technologiefirmen günstig, zumal zahlreiche Unternehmen sogar Weltmarktführer auf ihren Gebieten sind. Zum Vergleich: 2007 lag das Markt-KGV im TecDAX bei 28, im Jahr 2008 bei über 50. In der Krise 2009 mussten die meisten Unternehmen aus diesem Segment sogar Verluste verkraften.
Die wiedergewonnene Attraktivität des TecDAX lockt nun vermehrt institutionelle Investoren an. Das zeigt die aktuelle Entwicklung des Bull-Bear-Index der Marktforscher von Cognitrend, die im Auftrag der Deutschen Börse wöchentlich die Stimmung der mittelfristig orientierten Anleger messen. Private Anleger zeigen sich trotz des aktuellen Aufschwungs nach wie vor zurückhaltend. Laut Cognitrend warten diese vermutlich noch ab, welche Folgen die Krise in Japan und die Unruhen im Nahen Osten für die Weltwirtschaft haben werden.
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Bildquellen: BMU/H.-G. Oed