aktualisiert: 26.05.2013 10:54
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Rekordbörsen: Warum weltweit die Aktienkurse steigen

Euro am Sonntag-Titel
In New York und Frankfurt notieren die Indizes höher als bei der Rally 2007. Sind Aktien inzwischen zu teuer? Wo lohnt sich der Einstieg noch? €uro am Sonntag wagt den globalen Anlagecheck.
€uro am Sonntag

von Peter Gewalt, Julia Gross und Sven Parplies

Für einen traurigen Rest an Aktienbesitzern war der März 2009 alles andere als ein Wonnemonat. Nach drei Crashs innerhalb von zehn Jahren taumelten die großen Indizes erneut von einem Rekordtief zum nächsten. Statt hoher Rendite hagelte es bittere Verluste und viel Häme. Aktionäre galten daher nicht nur hierzulande als unverbesserliche Verlierer. Der Abgesang auf die Aktie als Langfristanlage erreichte seinen Höhepunkt, als der DAX auf ein Sechsjahrestief gefallen war.

Doch vier Jahre später feiern die Dividendenpapiere ein eindrucksvolles Comeback. Egal ob DAX, Dow, S & P, Nikkei oder FTSE — es vergeht kaum ein Tag, an dem die Aktienindizes in den Industriestaaten nicht entweder ein neues Allzeithoch oder wenigstens den höchsten Stand seit einigen Jahren erreichen. Mit Kursgewinnen von über 100 Prozent seit März 2009 dürfen sich all diejenigen freuen, die sich damals nicht irritieren ließen oder die allen Unkenrufen zum Trotz im Lauf der Rally eingestiegen sind.

Und die Chancen stehen nicht schlecht, dass der Boom an den Börsen diesmal weitergeht. „Da die Aktienbewertungen nach wie vor in Ordnung sind, die Volkswirtschaften sich allmählich wieder erholen und auch weiterhin eine lockere Geldmarktpolitik betrieben wird, halten wir unsere Übergewichtung in Aktien bei“, meint etwa Mark Burgess, Chefstratege der Fondsgesellschaft Threadneedle. Richtig optimistisch sind die Anlageprofis von Goldman Sachs. Sie gehen von Kurssteigerungen von bis zu 20 Prozent für die wichtigsten Aktienmärkte bis Ende 2015 aus.

Notenbanker heizen Rally an
Wichtiger Rückhalt für die Hausse waren und sind die Notenbanken. Denn seit Bernanke, Draghi und Kollegen die Notenpressen auf Hochtouren laufen lassen, eilen die Börsen von Rekord zu Rekord. Und das, obwohl die Rally nun schon über vier Jahre läuft, obwohl viele Privatanleger dem Boom nicht trauen, obwohl die Schuldenkrisen längst nicht überwunden sind und obwohl das Weltwirtschaftswachstum immer noch den Erwartungen hinterherhinkt.

„Aber solange die Notenbanken weiter so agieren, führt kein Weg an Aktien vorbei“, erklärt Christoph Bruns, Chef der Fondsboutique Loys. Denn als Anlageklasse mit höheren Gewinnchancen und als Sachwerte sind Aktien gerade in Zeiten der Geldflut und niedriger Zinsen attraktiv. Umgekehrt heißt das: Erst wenn die Notenbanker, allen voran die Fed, den Fuß vom Gas nehmen, könnte der Rückenwind nachlassen. Danach sieht es derzeit nicht aus.

Im Gegenteil: Die wichtigsten Zentralbanken haben zuletzt klargemacht, dass sie ihre lockere Geldpolitik nicht ändern, bevor die Konjunkturschwäche vorbei ist. Das war das Signal, das die Notenbanken in Europa, USA und Japan im April sendeten, als enttäuschende Konjunkturdaten die Stimmung drückten. Und gemäß dem Motto „Don’t fight the Fed“ („Kämpfe nicht gegen die Notenbank“) steigen die Kurse seither noch stärker als zuvor.

DAX gehört zu den Gewinnern
Zu den großen Profiteuren der Geldschwemme zählt der DAX, der vergangene Woche einen neuen Rekordstand von knapp 8400 Punkten erreicht hat: ein Plus von 31 Prozent in den vergangenen zwölf Monaten oder 126 Prozent seit 2009. Damit ist der deutsche Aktienindex noch nicht einmal die Nummer 1 unter den wichtigen Börsenbarometern. Der breit aufgestellte US-Index S & P 500 war in den vergangenen vier Jahren noch einen Tick besser, der japanische Nikkei zeigt hingegen aktuell deutlich mehr Schwung.

Dass Doping durch die Zentralbank allein nicht ausreicht, um zur Spitze zu zählen, beweist der europäische Auswahlindex Euro Stoxx, der unter der Krise der südeuropäischen Schuldenstaaten leidet. Und auch die BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China), einst als neue Börsenstars gefeiert, tummeln sich angesichts fallender Rohstoffpreise und hausgemachter Probleme nur im hinteren Mittelfeld.

Viel besser entwickelt haben sich die Börsen in wachstumsstärkeren Schwellenländern wie der Türkei, den Philippinen oder Indonesien. Zusätzlichen Schub verliehen auch hier Zinssenkungen der Notenbanken, die die heimischen Währungen vor der Aufwertung schützen und den Export stärken sollen.

Doch nirgends gehen die Notenbanker so aggressiv zu Werke wie in Europa, in den USA und in Japan. Nirgends sind die Anleiherenditen daher auf ein so niedriges Niveau gefallen wie in diesen Regionen: Für zehnjährige deutsche Bonds erhalten Anleger gerade mal 1,3 Prozent Rendite und in den USA rund 1,9 Prozent — ein Minusgeschäft für Sparer. Trotz niedriger Inflation.

Aktien sind attraktiver
Berechnet man das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) der Government-Bonds, ergibt sich bei deutschen Staatspapieren ein Wert von 75, bei US-Treasuries von 52. Im Vergleich zu den KGVs von DAX und S & P 500, die zwischen zwölf und 17 schwanken, zeigt sich die exorbitante Überbewertung der festverzinslichen Papiere. Hinzu kommt, dass allein die durchschnittlichen Dividendenausschüttungen der Unternehmen beispielsweise in Deutschland höher ausfallen als die Mickerzinsen bei den Bonds.


Die Kasse von Coca-Cola sind dank sprudelnder Gewinne prall gefüllt
Gleichzeitig sehen die Bilanzen der Unternehmen deutlich gesünder aus. Während etwa die USA eine Verschuldung in Höhe von 100 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung des Landes mit sich herumschleppen, sind die Kassen von Coca-Cola, Microsoft und ExxonMobil dank sprudelnder Gewinne prall gefüllt. Die Attraktivität der Aktien, die niedrige Verzinsung und offensichtliche Überbewertung der Bonds treibt daher immer mehr institutionelle Investoren in Aktien. So erhöhte zuletzt der eher defensiv agierende norwegische Staatsfonds, der sich aus den Öleinnahmen des Landes speist, seine Aktienquote erheblich.

Doch das Kapital wird nicht wild über den Globus verteilt, sondern vor allem da angelegt, wo die wirtschaftlichen und unternehmensspezifischen Faktoren zufriedenstellend sind, das Risiko daher gering erscheint. In Europa zählen neben Deutschland kleinere Nationen wie die Schweiz oder Schweden zu den bevorzugten Investitionszielen. So liegt über die Hälfte aller Aktien der DAX-Unternehmen inzwischen in den Händen ausländischer Investoren. „Deutsche Unternehmen sind die Gewinner der Krise“, sagt Fondsexperte Bruns.


Amerikanische Aktien stehen bei den Anlegern hoch im Kurs
Besonders beliebt sind bei den Renditesuchern allerdings die USA. Laut einer aktuellen Umfrage unter internationalen Investoren favorisieren über die Hälfte der Befragten in den kommenden zwölf Monaten Aktien made in USA. Denn die Wirtschaft in den Vereinigten Staaten nimmt langsam, aber sicher Fahrt auf, der Häusermarkt erholt sich, die Energierevolution im Land unterstützt das Comeback der Industrie, und die Bewertungen der Unternehmen werden als nicht zu hoch eingeschätzt. Ebenfalls begehrt bei den Investmentprofis ist Japan, das zuletzt mit überraschend starken Konjunkturdaten aufwartete und dessen Exportunternehmen dank der Schwäche der heimischen Währung immer bessere Gewinne machen.

Sehr risikobereite Anleger sehen sich dagegen bei neuen Stars unter den Schwellenländern um oder greifen zu Papieren aus den europäischen Sorgenländern. Auch in diese Märkte ist Vertrauen, sprich Geld zurückgekehrt, wie die steigenden Notierungen beweisen.

So hat sich der Wert des griechischen Aktienindex nach einer mehrjährigen Verluststrecke innerhalb von 12 Monaten mehr als verdoppelt. Aber auch die gebeutelte italienische Börse zeigt wieder Stärke. Insbesondere international agierende Unternehmen, die nicht so stark vom lahmenden Binnenkonsum betroffen sind, bieten risikobereiten Anlegern in Südeuropa Chancen.

Zugleich ist ein Einstieg aber eine Wette darauf, dass die Eurokrise ihren Höhepunkt bereits überschritten hat. Wo sich ein Einstieg noch lohnt, hat die Redaktion von €uro am Sonntag analysiert.

Unabhängig davon lehrt die Erfahrung, dass der Börsenaufschwung nicht ohne Unterbrechung verlaufen wird. So verloren die Indizes in den vergangenen Jahren in den Sommermonaten deutlich. Auch Gewinnmitnahmen könnten für Verluste sorgen. Mit Rückschlägen sollten Anleger daher fest rechnen und sich mit Stoppkursen absichern. Schließlich will man am Ende nicht als Verlierer dastehen und Häme über sich ergehen lassen müssen.

Deutschland
Globaler Champion
Einmal Crash und zurück. Knapp sechs Jahre hat der DAX gebraucht, um seine alte Rekordmarke aus dem Juli 2007 zu knacken. Der Index der deutschen Schwergewichte gilt für viele Investoren als Messlatte. Wer aber auf Einzelaktien setzt, der lebt in komplett anderen Welten: Die Vorzugsaktie von Volkswagen hat als Top-Performer des DAX ihren Wert seit Juli 2007 verdoppelt. Mit Henkel und Adidas haben Anleger mehr als 80 Prozent Kursgewinn erzielt.
Bemitleidenswert sind Aktionäre der Commerzbank: Der Wert ihrer Aktien hat sich seit dem alten Rekordstand des DAX mit einem Minus von rund 95 Prozent fast komplett aufgelöst. Mit der Deutschen Bank, RWE, ThyssenKrupp und Eon haben Anleger über 60 Prozent verloren. Auffallend: Unter den Topwerten des DAX finden sich viele exportstarke Unternehmen. Volkswagen, Henkel, BWM, Bayer oder auch Linde können sich durch Geschäfte in wachstumsstarken Regionen der Welt von der wirtschaftlichen Schwäche Europas abkoppeln.
Verlierer kommen dagegen vor allem aus defensiven Branchen. Die müssten in der Theorie in einem schwierigen Wirtschaftsumfeld eigentlich stark sein. Viele aber leiden unter speziellen Problemen, die Versorger etwa unter den Folgen des deutschen Atomausstiegs. Auch wenn Börsenkurse oft von Emotionen getrieben werden — langfristig sind die realen Gewinne der Unternehmen die maßgebende Größe für die Entwicklung der Aktienkurse. In dieser Kategorie stehen Deutschlands Topkonzerne trotz der vielen Krisenherde blendend da: Im vergangenen Jahr haben die 30 DAX-Mitglieder netto zusammen knapp 63 Milliarden Euro erwirtschaftet. Nur im Jahr 2007 waren die Konzerne noch erfolgreicher.

Wichtiger als die Vergangenheit sind die Erwartungen an die Zukunft. Und auch da sieht es gut aus: Für 2013 trauen Analysten dem DAX laut Daten des Finanzdienstes Bloomberg einen Gewinnanstieg von zehn Prozent zu. In den Rechenmodellen der Analysten kommt der DAX für das laufende Jahr auf ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 12,4. Zur Orientierung: Über die vergangenen zehn Jahre gestand die Börse dem DAX im Schnitt ein KGV von 12,1 zu. Auf aktuellem Niveau ist der Index also kein Schnäppchen mehr — aber auch nicht überteuert.
Gewinnschätzungen haben den Makel, dass sie chronisch unzuverlässig sind. Schließlich sind Analysten keine Hellseher. Als zusätzliche Kennziffer bietet sich der Buchwert an, der die Substanz eines Unternehmens beziffert und weniger stark schwankt als Gewinnschätzungen. Grob gesagt gilt ein Unternehmen oder Index als unterbewertet, wenn das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) unter 1,0 rutscht. Der DAX wird derzeit mit einem KBV von etwa 1,5 bewertet. Das entspricht dem Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre.
Die Redaktion bevorzugt unter den deutschen Aktien weiterhin Unternehmen mit einem hohen Exportanteil. Mit diesen Werten können Anleger von der Wachstumsdynamik der Schwellenländer profitieren, ohne sich die Risiken exotischer Aktien ins Depot zu holen.

Fünf Favoriten aus Deutschland

Adidas, ISIN: DE000A1EWWW0  
Bayer, ISIN: DE000BAY0017
Deutsche Post, ISIN: DE0005552004
HeidelbergCement, ISIN: DE0006047004
Linde, ISIN: DE0006483001

Europa
Die Hoffnung lebt
Nimmt man die harten volkswirtschaftlichen Daten als Basis, ist Europa ein geteilter Kontinent mit den wirtschaftlich soliden Staaten im Norden und den Krisenherden im Süden. An der Börse hat sich der deutsche DAX langfristig besser entwickelt als die italienischen und spanischen Aktienindizes. Zuletzt aber hat der Trend gedreht.
Fundamental sind die großen südeuropäischen Märkte niedrig bewertet. Der Börsenwert des italienischen Aktienindex FTSE MIB liegt mehr als zehn Prozent unter Buchwert. Der spanische IBEX 35 ist mit dem 1,2-fachen des Buchwerts ebenfalls deutlich billiger als der DAX. Sollte sich die Realwirtschaft in den Krisenregionen verbessern oder die Risikofreude der Anleger steigen, wäre also Raum für Kurssprünge.
Nicht alle südeuropäischen Aktien sind in gleichem Maße von der europäischen Schuldenkrise betroffen. Unternehmen wie die spanische Handelskette Inditex sind globale Schwergewichte, die nur einen kleinen Umsatzanteil im Heimatland erzielen. Diese Aktien haben ihre Landesindizes deutlich geschlagen. Extrem sind die Kursausschläge bei südeuropäischen Finanzwerten. Mit Aktien griechischer Banken konnten Anleger in kurzer Zeit dreistellige Gewinne erzielen, aber genauso schnell massive Verluste erleiden.
Die Krise Südeuropas bestimmt auch die Kursentwicklung der europaweiten Indizes. Einen schweren Stand hat der Euro Stoxx 50, der die größten Unternehmen der Eurozone abdeckt und dadurch stark von Finanzwerten, Versorgern und Telekomwerten bestimmt wird. Attraktiver für langfristig orientierte Anleger dürfte der Stoxx Europe 600 sein. Dieser Index investiert in deutlich mehr Unternehmen, darunter auch Aktien aus der Schweiz und Großbritannien.

Fünf Favoriten aus Europa

ETF Stoxx Eur. 600, ISIN: LU0378434582
Italien MIB 30 Zert., ISIN: DE0007036832
Fidelity Iberia, ISIN: DE0006231004
Dividend Aristocrats, ISIN: DE000AA5Z8F2
Stoxx 600 Banks ETF, ISIN: LU0292103651 (Riskant!)

USA
Fels in der Krise
Amerikas Topkonzerne bieten Anlegern im Vergleich zu europäischen Konkurrenten Vorteile: Sie sind nach Umsatz deutlich größer und haben damit mehr Möglichkeiten, Kosten zu drücken. Die Rahmenbedingungen in den USA sind mit wachsender Bevölkerung, niedrigeren Energiepreisen und moderaten Steuersätzen attraktiver als in vielen europäischen Ländern. Außerdem sind die USA bei der Bekämpfung der großen Finanzkrise besser vorangekommen als Europa. Das sollte sich positiv auf die Unternehmensgewinne auswirken.
Analysten erwarten laut Daten des Finanzdiensts Thomson Reuters, dass die Unternehmen des breit aufgestellten US-Index S&P 500 im laufenden Jahr einen Rekordgewinn von 111 Dollar je Aktie erzielen — es wäre die dritte Bestmarke in Serie. Bis zum Jahr 2015 soll der Gewinn auf 137 Dollar anwachsen. Das entspräche Zuwachsraten von jährlich mehr als zehn Prozent.

Angesichts der strukturellen Stärke vieler US-Unternehmen werden amerikanische Aktien generell höher bewertet als europäische Papiere. Das durchschnittliche Kurs-Gewinn-Verhältnis des S&P 500 über die vergangenen zehn Jahre liegt bei 14,5. Aktuell wird der Index mit dem 15-Fachen der für das laufende Jahr erwarteten Gewinne bewertet. Auch US-Aktien sind also nicht mehr billig, aber noch nicht überbewertet.
Langfristig die besten Chancen sollten Anleger auch in den USA mit global aufgestellten Unternehmen haben. Mutige Anleger, die kurzfristig auf steigende Kurse setzen, dürften mit Nebenwerten bessere Chancen haben, da kleinere Unternehmen oft stärker an der Binnenkonjunktur hängen. Da US-Nebenwerte in Deutschland kaum gehandelt werden, bieten sich als Investment dafür eher Aktienfonds an.

Fünf Favoriten aus Amerika

Bank of America, ISIN: US0605051046
Google, ISIN: US38259P5089
McDonald’s, ISIN: US7170811035

Alger Amer. Growth, ISIN: LU0070176184
Thread. Am. Small., ISIN: GB0002769643

Japan
Das Lachen ist zurück Der erste Schritt war radikal, aber einfach. Seit Shinzo Abe im vergangenen Dezember zum Premierminister gewählt wurde, hat er in Japan den geldpolitischen Turbo angeworfen: Geldmengenverdopplung mittels eines 1,3-Billionen-Euro-Stimulus bis Ende 2014, Verdopplung der Inflationsrate auf zwei Prozent binnen zwei Jahren, unbegrenzter Kauf von Staatsanleihen durch die Notenbank. Die Reaktion der Finanzmärkte ließ nicht lang auf sich warten: Der Yen ist gegenüber dem US-Dollar um mehr als 20 Prozent gefallen. Der Leitindex Nikkei schloss vergangene Woche zum ersten Mal seit sechs Jahren über 15 000 Punkte, er hat seit Jahresanfang um 45 Prozent zugelegt.

Der nächste Schritt wird erheblich schwieriger: Nun muss sich zeigen, ob diese Impulse wirklich die japanische Wirtschaft beleben und das Land aus der Deflationsspirale befreien. Die Gewinne exportorientierter Firmen wie Sony steigen aufgrund der Yen-Abwertung, die Exporte lagen im ersten Quartal um 3,8 Prozent über dem vorausgegangenen Quartal. Die Gesamtwirtschaft wuchs von Januar bis März um 0,9 Prozent. Auch viele Stimmungsindikatoren haben sich verbessert. Die Preise sanken jedoch im April wieder um ein halbes Prozent. „Die Realität hinkt den Erwartungen noch hinterher“, kommentiert Takeshi Minami, Chefökonom des Forschungsinstituts Norinchukin.
Deshalb sind die kommenden Monate entscheidend. Ruhen sich Firmen auf der Yen-Abwertung aus oder finden sie auf den Innovations- und Wachstumspfad zurück? Kann Premier Abe wichtige Strukturreformen durchsetzen? Wie lange tolerieren andere Länder, besonders Korea, die Yen-Abwertung? Die Uhr tickt in dieser Übergangsphase, die Entwicklung der japanischen Konjunkturindikatoren wird von den Märkten immer aufmerksamer verfolgt werden  — übertriebene Reaktionen bei Enttäuschungen sind nicht ausgeschlossen. Das durchschnittliche KGV des Nikkei für 2014 beträgt immerhin schon 19,6. „Wir sehen die Bedingungen für einen längerfristigen Bullenmarkt durchaus gegeben“, sagt Ben Williams, Investmentdirektor des Vermögensverwalters GAM. „Trotzdem würden wir uns über eine Verschnaufpause oder kurzfristige Gewinnmitnahmen nicht wundern.“
Anleger sollten daher ihre Investments mit Stoppkursen absichern. Und wer jetzt auf einen langfristigen Aufschwung Nippons setzen will, tut dies am besten über einen Fonds mit erfahrenem, langfristig erfolgreichem Management. Vorsichtige wählen ein Produkt, das gehedged — also währungsgesichert — ist.

Fünf Favoriten aus Japan

Aberdeen Jap. Sm. C., ISIN: LU0476877054
Fidelity Japan Adv., ISIN: LU0611489658
Parvest Jap. Small C., ISIN: LU0194438841
iShares Nikkei, ISIN: DE000A0H08D2
ComStage Topix, ISIN: LU0392496773

Schwellenländer Zwischen Boom und Bangen
Dass ein Investment in Schwellenländerwerte in jedes diversifizierte Portfolio gehört, hat sich mittlerweile herumgesprochen, auch wenn immer noch nicht alle Anleger dieser Empfehlung folgen. Und gerade die Skeptiker sehen sich durch die Entwicklung der vergangenen Monate bestätigt: Die seit Jahren gerühmten BRIC-Börsen — Brasilien, Russland, Indien und China — blieben hinter DAX und Dow zurück. Auf der anderen Seite glänzen so exotische Länder wie Thailand, Kenia oder die Philippinen mit haussierenden Indizes.

Der Widerspruch kommt dadurch zustande, dass unter dem Etikett „Schwellenländer“ naturgemäß sehr viele und sehr unterschiedliche Länder firmieren. Riesige Volkswirtschaften wie Russland oder China fallen ebenso darunter wie die wirtschaftlichen Fliegengewichte Pakistan oder Myanmar. Generell stimmt die These jedoch nach wie vor, dass man in diesen aufstrebenden Staaten überdurchschnittliche Wachstumsraten und eine überdurchschnittliche Entwicklung an den Finanzmärkten erwarten kann. Und im Durchschnitt betrachtet sind Schwellenländertitel auch weiterhin günstig bewertet: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis des Index MSCI Emerging Markets für 2014 beträgt gerade einmal 9,9. Doch die Schere klafft weit auseinander: Während beispielsweise Chile und Mexiko KGVs von weit über 20 aufweisen, rangiert Russland bei 4,3.
Die „Probleme“ einiger Schwellenländer liegen teilweise auch in den mittlerweile sehr hoch gesteckten Erwartungen der Finanzmärkte. „Investoren sind besorgt, weil Chinas Wachstumsrate auf 7,7 Prozent gesunken ist. Wann haben denn die USA, Japan oder Deutschland zuletzt ein solches BIP-Wachstum verzeichnet?“, fragt der Emerging-Markets-Pionier Mark Mobius von Franklin Templeton. „Kein Markt schneidet beständig besser ab als andere.“
Neben dem langsameren Wachstum belasten vor allem die Themen Immobilienblase und Bankenregulierung die chinesischen Börsen. Hier muss die Regierung in Peking Wege finden, Übertreibungen einzudämmen, ohne die Wirtschaft zu sehr zu belasten.
Reformen sind auch das große Thema in Indien und Brasilien. Zwar will Indiens Regierung längst überfällige Veränderungen, etwa bei Investitionen ausländischer Anleger, angehen. Doch kleinere Koalitionspartner und der Beamtenapparat verzögern die Umsetzung. In Brasilien bereiten die hohe Inflation und das geringe Wachstum Sorgen. Viele Experten glauben aber mittelfristig an ein Comeback der größten Volkswirtschaft Südamerikas.
Was Russland anbelangt, so sieht Ronan Carr, Anlagestratege bei Morgan Stanley, Chancen auf eine Erholung im zweiten Halbjahr. Der Ölpreis, von dem die zahlreichen russischen Rohstoffkonzerne abhängen, habe seinen Boden gefunden und die russischen Aktien seien völlig überverkauft. Viel Aufmerksamkeit erhalten aktuell auch afrikanische Länder wie Kenia und Nigeria. Sie verfügen über wertvolle Ressourcen und konnten zuletzt von erheblichen Investitionen, vor allem aus China, profitieren.
Nur wenige Anleger haben Zeit und Lust, ständig zu verfolgen, welche Schwellenländerbörsen gerade laufen, und ihr Depot entsprechend anzupassen. Hier spielen aktiv gemanagte Fonds ihre Stärke aus: Meist können die Fondsmanager auf das lokale Fachwissen von Mitarbeitern in aller Welt zurückgreifen.
Eine Alternative dazu sind Indexfonds, beispielsweise auf den MSCI Emerging Markets. Sie versprechen nicht die Rendite der gerade „heißen“ Börsenplätze, dafür ist das Risiko breiter gestreut. Für offensivere Anleger lohnt sich ein Blick auf Frontier-Fonds: Sie suchen vor allem in Afrika und im Mittleren Osten nach lohnenswerten Aktien und sind zurzeit sehr erfolgreich.

Fünf Favoriten aus den Schwellenländern

db-x-tr. MSCI E.M., ISIN: LU0292107645
Aberd. EM Sm. C., ISIN: LU0278937759
Vont. EM Eq. € hed., ISIN: LU0218912235
Lyxor ETF Russia, ISIN: FR0010326140
Templ. Front. Mkts., ISIN: LU0390137031

Bildquellen: Patryk Kosmider / Shutterstock.com, Christopher Parypa / Shutterstock.com, AR Pictures / Shutterstock.com, Rambleon / Shutterstock.com, Jim Barber / Shutterstock.com, istockphoto
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