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12.06.2012 03:00

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€uro am Sonntag

EURO AM SONNTAG-TITEL

Schicksalswahl in Griechenland: Zerbricht der Euro?

Heineken zu myNews hinzufügen Was ist das?



Zerbricht der Euro?
Am 17. Juni entscheidet sich, ob die Griechen im Euro bleiben. Worauf sich Anleger einstellen müssen. Was Profis jetzt empfehlen.

von Andreas Hohenadl, Euro am Sonntag

Freitag vor einer Woche konnten Nutzer von Bloomberg-Terminals schon mal einen Blick in die mögliche Zukunft erhaschen. Denn der Daten- und Nachrichtendienst, der überwiegend von Finanzprofis genutzt wird, testete um die Mittagszeit ein neues Kürzel: XGD Crncy. Die Buchstabenkombination steht für die Währung „Griechische Drachme (post Euro)“. Kurse gab es keine, und nach wenigen Stunden war der Spuk vorbei. Doch der Funktionstest, den Blogger zufällig entdeckten, kommt in einer Zeit, in der viele ihren Glauben an Griechenland verlieren.

Am 17. Juni unternehmen die Griechen einen neuen Anlauf, eine handlungsfähige Regierung zu wählen. Nicht nur für ihr Land, sondern für die gesamte Eurozone könnte dieses Datum zum Schicksalstag werden. Sollte Alexis Tsipras mit seinem Bündnis der radikalen Linken (Syriza) an die Macht kommen, ist die Gefahr groß, dass Griechenland den Währungsraum verlässt. Der Syriza-Chef will die Kreditverträge mit der Europäischen Union aufkündigen und den Sparkurs beenden. Ein „Grexit“ wäre wohl unvermeidbar.

So weit muss es nicht kommen. Doch die Unsicherheit ist groß, da sich die Radikallinke und die Sparbefürworter von der konservativen Partei Nea Dimokratia in den Umfragen ein Kopf-an-Kopf-Rennen liefern. Momentan scheint die Nea Dimokratia knapp vor Syriza zu liegen. „Doch schon bei den vergangenen Wahlen waren die Umfragen nicht sehr treffgenau“, gibt Anastassios Frangulidis, Chefökonom der Zürcher Kantonalbank, zu bedenken.

Für den Volkswirt ist klar, dass es bei der Stichwahl auf einen Zweikampf dieser beiden Parteien hi­nauslaufen wird. Die sozialistische Pasok, die wie die Nea Dimokratia am Sparkurs festhalten will, liegt in den Umfragen mit deutlichem Abstand auf dem dritten Platz. Seit einer Woche gibt es allerdings keine neuen Stimmungsbilder mehr, „denn zwei Wochen vor den Wahlen dürfen keine Umfragen mehr veröffentlicht werden“, sagt Frangulidis.

Selbst wenn die Spargegner von Syriza gewinnen, muss das nicht den sofortigen Exit aus dem Euro bedeuten. So sieht es zumindest Willem Verhagen, Ökonom bei ING Investment Management. Seiner Meinung nach könnte sich die radikale Linkspartei doch noch um einen Kompromiss bemühen. Dann würden wohl auch die europäischen Politiker dem Land entgegenkommen. Leichter würde sich die Troika aus EU, Europäischer Zentralbank und IWF freilich mit einer Regierung aus Nea Dimokratia und Pasok tun. „In diesem Fall könnten die EU-Führer das Tempo der haushaltspolitischen Anpassung deutlich drosseln und unter Umständen sogar eine Art Marshall-Plan konzipieren“, so Verhagen.

Krise erfasst auch Deutschland
Nicht nur viele Griechen wehren sich vehement gegen den Sparkurs. Auch immer mehr EU-Beamte und -Politiker erkennen, dass Sparen allein die Eurokrise nicht löst. Deshalb kursieren selbst in Berlin schon Arbeitspapiere, die zum Ziel haben, das Wachstum zu fördern. Schließlich spürt auch die deutsche Wirtschaft die Krise immer mehr. Im Mai hatte der Ifo-Index nach einem halben Jahr Anstieg den Rückwärtsgang eingelegt, Auftragseingänge und Industrieproduktion gehen spürbar zurück. Und der DAX hat die Gewinne seit Jahresanfang nahezu komplett abgegeben.

Auch immer mehr Unternehmen bereiten sich auf einen griechischen Exit aus dem Euro vor. So hat beispielsweise Heineken seine Cash­bestände in der gesamten Eurozone stark abgebaut. Der Brauereikonzern parkt das Geld lieber in US-Dollar oder Britischen Pfund. Viele Firmen verlangen für Lieferungen nach Griechenland höhere Vorauszahlungen oder verkürzen das Zahlungsziel von 30 auf 15 Tage.

Doch was wird konkret passieren, sollte Griechenland tatsächlich aus dem Euro austreten? Zerbricht dann der Euro? Glaubt man den Experten, dann wird dies nicht der Fall sein. Dennoch: Die Folgen sind derzeit kaum abzuschätzen. „Die griechische Wirtschaft wird um 25 Jahre zurückgeworfen“, sagt Tim Stevenson, Europaaktienspezialist der Fondsgesellschaft Henderson. Auch die anderen Volkswirtschaften der Eurozone würden leiden. „Ein solcher Schritt würde die restlichen Euromitglieder rund drei Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts kosten“, so Stevenson.

Bei diesen Größenordnungen dürfte es nicht bleiben, wenn es zu einem Dominoeffekt kommt. Dies ist die eigentliche Furcht der Märkte: Dass ein Austritt Griechenlands die Finanzierungskosten für andere kriselnde Eurostaaten in unbezahlbare Höhen treibt. Bereits jetzt hat Spanien, dessen Banken seit dem Platzen der Immobilienblase auf einem riesigen Berg an faulen Krediten sitzen, ernsthafte Probleme, an frisches Geld zu kommen. Die Rufe nach einer europäischen Bankenunion mit einer zentralen Aufsicht und gemeinsamer Haftung für Spareinlagen werden deshalb lauter.

Klar scheint zu sein: Sollte sich die Eurokrise weiter verschärfen, wird es auch für Anleger eng. Kommen weltweit die Kurse ins Rutschen, bieten nur Bundesanleihen und Gold ­einen guten Schutz (siehe €uro am Sonntag, Ausgabe 22/12). Doch zehnjährige Papiere werfen derzeit gerade mal eine Rendite von 1,2 Prozent ab. Bei einer Eskalation der Krise würden die Kurse noch weiter steigen und die Rendite auf 1,0 Prozent fallen. Sobald sich aber die Lage beruhigt, werden die Kurse ins Rutschen kommen. All das macht die Papiere nicht attraktiv.

Eine höher verzinste Alternative sind Unternehmensanleihen. Anleger sollten hier genau auf Bonität und Branche achten. Bankbonds sowie Firmen aus konjunktursensiblen Sektoren sind keine gute Wahl.

Und Aktien? „Auf kurze Sicht ist die Unsicherheit für diese Anlageklasse hoch“, sagt Stevenson. Doch wer an ein Überleben des Euro glaube, für den sei jetzt ein guter Zeitpunkt. „Europäische Unternehmen sind so billig wie zuletzt vor 30 Jahren, als hätte es all die Fortschritte in der Profitabilität nicht gegeben.“

Doch es kann auch alles ganz anders kommen: Bestätigen die griechischen Wähler den Sparkurs, einigen sich Athen und EU im Anschluss auf ein Wachstumsprogramm, und bekommt Spanien mithilfe Europas seine (Banken-)Probleme in den Griff, dann wird von einem Ende des Euro keine Rede mehr sein. Zumindest nicht in dieser panikartigen Stimmungslage.

Bildquellen: istocks/Aleksandar Nakic

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Kommentare zu diesem Artikel

Botox49 schrieb:
13.06.2012 16:04:05

Liebe Griechen, wählt bitte die radikale Linke und dann schnell raus aus dem Euro, der euch doch nur drangsaliert.

frabit schrieb:
Wertung: 2/5

12.06.2012 15:04:31

Ein etwas eigenartiger Kommentar: Alles und nichts kann passieren. Zugegeben, eine reelle Prognose ist sehr schwer und würde wahrscheinlich die Kleinanleger mehr verunsichern als informieren.
Ab dem 18. Juli werden wir - was Griechenland betrifft - mehr wissen.

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