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02.09.2012 09:00

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€uro am Sonntag

EUROKRISE

Deutschland: Die Krise ist angekommen

ThyssenKrupp zu myNews hinzufügen Was ist das?



In der Eurozone läuft es alles andere als rund
Die Konjunktur bekommt immer mehr Gegenwind, die Exporte nach Südeuropa brechen ein. Dennoch sind deutsche Aktien nach wie vor gefragt. Ein wichtiger Grund dafür: die Eurokrise.

von Andreas Höß, Euro am Sonntag

Erst ThyssenKrupp, dann Opel, nun vielleicht bald Schaeffler: Die Eurokrise bringt die Kurzarbeit zurück nach Deutschland. Schon im August fuhr der Stahlkonzern Thyssen­Krupp die Schichten für seine Beschäftigten herunter. Nun schließt auch der Autozulieferer Schaeffler nicht mehr aus, Angestellte weniger arbeiten zu lassen. Denn zu seinen Kunden gehört der Autobauer Opel, der ab September 10.000 Mitarbeiter in einen Zwangsurlaub schickt.

Doch das könnte erst der Anfang sein. Denn die Eurokrise erreicht langsam, aber sicher die deutsche Wirtschaft. Auch die deutschen Verbraucher spüren das. Doch anstatt ihr Geld für schlechtere Zeiten zu sparen, geben sie es aus. Und auch Investoren aus dem Ausland pumpen nach wie vor Geld nach Deutschland. Angesichts der heraufziehenden dunklen Wolken ist das auf den ersten Blick verwunderlich.

Aussichten trüben sich ein
Denn es zeichnet sich ab, dass das kleine deutsche Wirtschaftswunder vorüber ist. So sank das vom Münchner Ifo-Institut ­ermittelte Geschäftsklima nun schon zum vierten Mal in Folge. Der wichtigste deutsche Konjunkturindikator signalisiert damit eine Rezession. Besonders sorgenvoll blicken im Moment die Unternehmer in die Zukunft. Und das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung bestätigt diese Sorgen. Die Berliner warnen vor Stagnation, „trüben Aussichten“ und mehr Kurzarbeit, vor allem bei exportorientierten Branchen wie der Chemieindustrie, dem Maschinenbau oder den Autobauern.

Es ist also kein Zufall, dass die Opelaner zu den Ersten gehören, die zwangsweise weniger arbeiten. Opel muss seine Autos in Europa verkaufen, um der US-Konzernmutter General Motors keine Konkurrenz zu machen. Doch zumindest die südeuropäischen Staaten importieren immer weniger aus Deutschland, weil sie in tiefen wirtschaftlichen Problemen stecken und den Konsumenten das Geld für teure deutsche Produkte fehlt. Allein im ersten Halbjahr 2012 exportierten deutsche Unternehmen 14 Prozent weniger nach Portugal als im ersten Halbjahr 2011. Die Ausfuhren nach Spanien, Italien und Irland brachen um fast zehn Prozent ein, so das Statistische Bundesamt. Dass es insgesamt trotzdem ein Exportplus gab, lag an der gestiegenen Nachfrage aus Übersee, Asien und Osteuropa, wo sich die Konjunktur aber ebenfalls abzukühlen droht.

Europäer schichten ihr Vermögen um
Trotz Konjunktursorgen legen die Bundesbürger ihr Geld aber nicht auf die Seite. Sie sparen so wenig wie noch nie seit der Wiedervereinigung. Und auch hier ist die Eurokrise einer der wichtigsten Gründe: „Die Furcht vor einem Stabilitätsverlust der Währung ist groß“, erklärt die Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung die Abneigung gegen das Sparen. Zudem seien die Zinsen für Bundesanleihen und für Spareinlagen so niedrig, dass sie nicht einmal mehr die Inflation ausgleichen.

Deshalb haben die Deutschen sogenannte Sachwerte für sich entdeckt. Sie kaufen Häuser, weshalb der Bausektor zu den stärksten deutschen Branchen gehört. Und sie investieren wieder in Aktien. Laut Berechnungen des Deutschen Aktieninstituts stieg die Zahl der Aktionäre inklusive Fondsbesitzer im ersten Halbjahr um 1,5 Millionen. Der DAX ist seit Jahresbeginn fast 20 Prozent im Plus und hat damit die Leitindizes anderer großer Industriestaaten weit hinter sich gelassen. Das liegt auch daran, dass Ausländer Deutschland als Hort der Sicherheit in Europa sehen. Von Januar bis Mai haben sie für fast zehn Milliarden Euro deutsche Aktien gekauft, mehr als 2010 und 2011 zusammen.

„Deutsche Aktien können trotz schlechterer Konjunktur weiter steigen“, glaubt deshalb Martin Hüfner vom Vermögensverwalter Assenagon. „Eines Tages ist das aber zu Ende“, warnt er. Etwa wenn die Eurokrise eskaliere. Oder wenn sich eine funktionierende Eurorettung inklusive Fiskalunion abzeichne. Investoren könnten wieder risikofreudiger werden und Kapital in Unternehmen jener Staaten investieren, die bisher am stärksten unter den Eurosorgen gelitten haben. „Profitieren würden dann Märkte wie Italien, Spanien, auch Griechenland“, so Hüfner. Die deutsche Wirtschaft wäre zwar einige Eurosorgen los, der deutsche Aktienmarkt aber auch das Geld vieler Krisenflüchtlinge.

Bildquellen: Mast/Fotolia

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Kommentare zu diesem Artikel

khaproperty schrieb:
02.09.2012 17:29:46

Fiskalpakt geht nur unter Verzicht aller auf ihre Souveränität. Das aber wird niemals geschehen, vor allem nie in Frankreich, aber auch nicht bei den naiv-dämlichen Deutschen, wenn sie erst mal darüber haben nachdenken dürfen.

Also: Euro ist tot, Rückabwicklung tut not.

Hamtaro schrieb:
02.09.2012 14:37:04

Um Geschäfte zu machen braucht es nicht unbedingt Südeuropa. Die Welt ist Rund. Wie läuft es denn da so?

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