von Andreas Höß, Euro am Sonntag
Europäische Bankaktien stürzten in den vergangenen Jahren jäh ab. Seit 2007 verloren die im Euro Stoxx vertretenen Finanztitel zwischenzeitlich mehr als 80 Prozent ihres Börsenwerts, die Aktie der Deutschen Bank fiel zum Beispiel von 107 Euro auf heute 32 Euro. Nun gehen erste Großinvestoren und Fondsmanager bei den Banken wieder auf Einkaufstour — obwohl die Branche weiter in eine extrem unsichere Zukunft blickt.
Denn Europa bewegt sich immer weiter auf eine Bankenunion und eine stärkere Regulierung des Finanzsektors zu. Geplant werden etwa ein Bankenrettungsfonds, eine gemeinsame europäische Aufsicht oder ein Trennbankensystem, um Europas Banken krisenfester zu machen.
Strengere Regeln in Sicht
Eine EU-Expertengruppe schlug vergangene Woche vor, dass Banken ihr Investmentgeschäft künftig stärker vom klassischen Einlagen- und Kreditgeschäft trennen. Das soll die Risikolust der Banken dämpfen und die Einlagen der Sparer sicherer machen. Bisher nutzen Großbanken die Kundeneinlagen, um ihre Spekulationsgeschäfte günstig zu finanzieren.
Laut EU-Plänen soll das bald nicht mehr möglich sein. Investmentbanken müssten ihr Geschäft dann etwa mit neuen Anleihen finanzieren. Das wäre deutlich teurer, betroffene Häuser wie die Deutsche Bank würden Milliarden an neuem Fremdkapital brauchen. Verspekuliert sich ein Institut, könnte es zudem pleitegehen, ohne dass Sparkonten in Gefahr wären. Die staatliche Einlagensicherung müsste nicht einspringen, um Sparern Geld zu ersetzen. Großbanken würden nicht mehr auf staatliche Rettungsmaßnahmen vertrauen, so das Kalkül der Regulierer.
Anders als vom SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück vorgeschlagen, könnten Geschäfts- und Investmentbanken laut den Brüsseler Plänen aber weiter unter dem Dach einer gemeinsamen Holding operieren. Das Horrorszenario einer kompletten Abspaltung ist für die Banker damit wohl vom Tisch. Zudem sollen die strengeren Regeln erst greifen, wenn das Investmentbanking größer als 15 bis 25 Prozent der Bilanz oder 100 Milliarden Euro ist. Betroffen wären Institute wie die Deutsche Bank, die Commerzbank oder die französische Société Générale.
Die Mitglieder des Expertengremiums hoffen, dass ein großer Teil der Vorschläge bereits im Sommer 2013 umgesetzt wird. Angepeilt ist, dass bis dahin auch andere Reformen angepackt werden. So soll ab 2013 die Europäische Zentralbank (EZB) 6.000 Banken in der Eurozone kontrollieren. Außerdem müssen Europas Geldinstitute die geforderten erhöhten Eigenkapitalquoten zum Jahresbeginn umgesetzt haben, um krisensicherer zu werden. Die am Mittwoch veröffentlichten Ergebnisse des Bankenstresstests ließen auf Fortschritte in diese Richtung schließen. Nur vier europäische Banken hatten keine ausreichenden Risikopolster. Allerdings wurden einige Krisenbanken nicht geprüft.
Während höhere Eigenkapitalquoten beschlossene Sache sind, ist noch unklar, ob und wie viele Brüsseler Regulierungsvorschläge umgesetzt werden. Unsicher ist auch, ob Europas Geldhäuser Mittel für einen Bankenrettungsfonds bereitstellen müssen. Dass alle geplanten Maßnahmen umgesetzt werden, ist unwahrscheinlich.
Erste Anleger vertrauen Banken wieder
Trotz der Unsicherheiten interessieren sich einige Investoren wieder für Europas Finanzinstitute. Die Aktien der Deutschen Bank, der Commerzbank, aber auch einiger südeuropäischer Häuser stiegen in den vergangenen Wochen um über 30 Prozent. Ein wichtiger Grund sind die angekündigten Staatsanleihenkäufe des EZB-Chefs Mario Draghi. Sie reduzieren die Eurosorgen und lassen die Staatsanleihen, die Europas Banken massenhaft gekauft haben, weniger riskant erscheinen.
„Die Eurokrise wird nicht in einem Fiasko enden“, glaubt etwa Fondsmanager Olgerd Eichler, der in seinem über eine Milliarde Euro schweren Aktienfonds Bankwerte übergewichtet hat. Deshalb würden auch jene Banken wieder auf die Beine kommen, die die letzten Jahre für Reformen genutzt haben. „Natürlich gibt es Problembanken“, so Eichler. „Es gibt aber auch gute Institute, die kollektiv abgestraft wurden.“
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