von Peter Gewalt, €uro am Sonntag
Mit einem Glas Sekt in der Hand verfolgen die Zuschauer auf ihren Luxusjachten das Wettrennen der mehr als 100 Segelschiffe in der Bucht von La Palma. Die sechstägige Regatta Copa del Rey vor Mallorca ist das maritime Sporthighlight der Insel, das jährlich Tausende Besucher anlockt. Die Balearenhauptstadt zeigte sich am Donnerstag vor einer Woche von ihrer besten Seite: Die Sonne scheint, eine leichte Brise weht, die Stimmung ist gelöst.
Doch hinter der entspannten Kulisse brodelt es gewaltig. Selbst in der erfolgsverwöhnten Touristenhochburg bröckeln die Immobilienpreise, die Arbeitslosigkeit hat mit 28 Prozent einen neuen Spitzenwert erreicht. Vielen auf Mallorca steht daher nicht der Sinn nach Feiern. Im Gegenteil. Am Abend ziehen Zehntausende mit Sprechchören und Plakaten durch die Straßen, um gegen die Sparbeschlüsse der spanischen Regierung zu demonstrieren. Die Protestwelle läuft an diesem Tag durch das ganze Land.
Spanien und damit der Eurozone steht ein weiterer heißer Sommer bevor. Ein milliardenschweres Sparpaket jagt das andere, die Wut der Iberer steigt genauso rasant wie die Renditen spanischer Anleihen. Mit 7,4 Prozent erreichten sie vergangene Woche zwischenzeitlich ein neues Rekordniveau.
Jubel über die EZB
Zu viel für das krisengeschüttelte Land, dessen Sparbemühungen allein durch hohe Zinszahlungen ins Leere laufen. Die Angst vor der Zahlungsunfähigkeit der viertgrößten Volkswirtschaft der Eurozone hat daher die Finanzmärkte vergangene Woche genauso erschüttert wie der mögliche Austritt Griechenlands aus der Eurozone. Die Aktienkurse brachen ein, der Euro verlor weiter an Wert, sichere Investmenthäfen wie deutsche Staatspapiere wurden mit Anlegergeld überschwemmt.
Erst am Donnerstag gelang es Mario Draghi, die Situation zu entschärfen. Der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) hatte erklärt, dass die EZB innerhalb ihres Mandats bereit sei, alles Erforderliche zu tun, um den Euro zu erhalten. Die Börsen quittierten das Hilfsangebot mit einem Kursfeuerwerk.
Damit kehrt die EZB wohl zur Politik von 2011 zurück, als sie über 200 Milliarden Euro in den Aufkauf der Staatsanleihen Not leidender Staaten gesteckt hatte. Der Kursverfall der Bonds wurde gestoppt, die Refinanzierung der Staaten erleichtert.Doch mehr als eine Verschnaufpause wird auch dieser Rettungsversuch nicht bringen. Denn der weitere Weg Spaniens scheint aufgrund hoher Schuldenberge, grassierender Arbeitslosigkeit, leerer Kassen und einer schrumpfenden Wirtschaft vorgezeichnet zu sein.
Die Situation der spanischen Provinzen gibt einen Vorgeschmack auf das, was im Großen droht. Murcia und Valencia können sich nicht mehr auf dem Kapitalmarkt finanzieren und verlangen Hilfsgelder aus Madrid. „Ein Gang Spaniens unter den Rettungsschirm in den kommenden Monaten ist unvermeidlich“, prophezeit daher Martin Hüfner, Chefvolkswirt der Vermögensverwaltung Assenagon.
Spätestens dann dürfte es auch für das hochverschuldete Italien sehr eng werden, obwohl das Land wirtschaftlich besser als Spanien aufgestellt ist. Denn Hand in Hand mit den spanischen ist auch der Wert der italienischen Staatsanleihen zuletzt gefallen, die Zinsen spiegelbildlich gestiegen. „Die Finanzmärkte sind derzeit nicht bereit, in der südlichen Peripherie Risiken einzugehen“, erklärt Uwe Zöllner, Leiter europäische Aktien bei Franklin Templeton.
Italiens Premier Mario Monti will daher nicht ausschließen, dass sein Land künftig in irgendeiner Form finanzielle Unterstützung benötigt. Seither blühen die Spekulationen, wann und wie die drittgrößte Volkswirtschaft der Eurozone die Rettungsschirme anzapfen will. Eine Pleite der Italiener würde Banken und Versicherungen, die stark in italienischen Staatspapieren investiert sind, Milliardenverluste und den Finanzmärkten schwere Verwerfungen bescheren.
Langfristige Lösung gesucht
Ein Hilferuf aus Italien wäre auch ein Desaster für die europäischen Staatschefs, deren bisherige Politik der kleinen Schritte damit endgültig gescheitert wäre. Scheinbar isoliert begann die Krise im Mai 2010 in Griechenland, inzwischen sind fünf von 17 Euroländern auf Geldspritzen ihrer Partner angewiesen.
Der Druck wächst daher, dass die Staats- und Regierungschefs eine langfristige Lösung finden. „Europa steuert schlafwandelnd auf eine Katastrophe von unabsehbaren Ausmaßen zu“, warnt ein Gutachten
von 17 europäischen Ökonomen. Die Wissenschaftler verlangen von den Regierungen deutlich stärkere Anstrengungen, um den drohenden Kollaps noch zu vermeiden.
„Entweder die Eurozone bricht in den kommenden drei Monaten auseinander und alle Länder kehren zu ihren nationalen Währungen zurück“, prognostiziert daher Hüfner. „Oder es kommt doch noch zu einer wesentlich engeren Zusammenarbeit etwa durch eine Fiskalunion der Euroländer.“ Die Entscheidungen über Steuer- und Finanzpolitik würden dann in Brüssel, nicht mehr in Berlin oder Paris fallen. Ein für viele Politiker und Bürger noch undenkbarer Schritt.
Auch andere politisch höchst umstrittene Maßnahmen sind im Gespräch, um das drohende Unheil abzuwenden. „Eurobonds in begrenzter Form wären eine Möglichkeit — zum Beispiel als Instrument zur Finanzierung eines Schuldenabbaufonds“, sagt Zöllner.
Dies würde Problemstaaten helfen, ihre Hausaufgaben wie die Senkung der Löhne und Staatsausgaben zu erledigen. Dass dies möglich ist, zeigen Irland und Portugal. Die Wettbewerbsfähigkeit der beiden Volkswirtschaften hat sich deutlich verbessert, Sparziele wurden erreicht. Irland gelang vergangene Woche sogar, sich auf normalem Weg am Anleihemarkt Geld zu leihen.
Wenig Hoffnung gibt es dagegen für Griechenland. Schon im Vorfeld des Besuchs der Troikavertreter von EZB, IWF und EU vergangenen Dienstag in Athen, die die Spar- und Reformbemühungen überprüfen sollen, stand das ernüchternde Ergebnis fest. Ob bei dem Abbau von Stellen im öffentlichen Dienst, der Privatisierung von Staatsunternehmen und der Reform der Verwaltung — bei allem hinken die Hellenen dem vorgegebenen Zeitplan hinterher.
Bis September muss das Einverständnis der Troika kommen, damit neues Geld fließt und Griechenland nicht endgültig zahlungsunfähig wird. Die griechische Regierung will daher das vereinbarte Ziel, das Haushaltsdefizit bis Ende 2014 unter die EU-Obergrenze von drei Prozent zu drücken, um zwei Jahre verschieben. Schätzungen zufolge könnte dieser Aufschub die internationalen Geldgeber 50 Milliarden Euro zusätzlich kosten. Doch angesichts häufig gebrochener Zusagen mehren sich die Stimmen, Athen nicht entgegenzukommen. Die US-Bank Citigroup sieht die Wahrscheinlichkeit eines Austritts Griechenlands daher inzwischen bei 90 Prozent.
So oder so wird das Athen-Abenteuer sehr teuer. Falls Griechenland zahlungsunfähig aus dem Euroraum ausschert, kommen laut Ifo-Institut auf den deutschen Steuerzahler Kosten von bis zu 89 Milliarden Euro zu. Die möglichen dreistelligen Milliardenverluste Deutschlands im Rahmen der Eurorettung sind ein Hauptgrund, weshalb die Ratingagentur Moody’s zuletzt den Ausblick für die deutsche Bonität gesenkt hat.
Welche weiteren negativen Nebeneffekte ein Grexit für den Rest der Eurozone hat, ist unsicher. Befürchtet wird ein Bankrun in Griechenland, der auch die Sparer anderer Problemländer ansteckt. Pessimisten prophezeien gar einen Schock wie nach der Lehman-Pleite. Dagegen spricht, dass Finanzinstitute und Regierungen sich seit über zwei Jahren auf diesen Notfall vorbereiten. So ist die Aussage des deutschen Wirtschaftsministers Rösler zu verstehen, dass für ihn „ein Austritt Griechenlands längst seinen Schrecken verloren hat“.
Abgeschreckt sind Investoren dennoch durch die Turbulenzen in Spanien, Italien und Griechenland. Heftige Schwankungen an den Währungs-, Aktien- und Anleihemärkten sind in den kommenden Monaten unausweichlich. Der Euro wird angesichts der Möglichkeit eines Auseinanderbrechens der Währungsunion, der sich verschlechternden Konjunkturaussichten und weiteren Leitzinssenkungen unter Druck bleiben, lautet die Meinung von Währungsexperten.
Deutsche Staatsanleihen und Fluchtwährungen dürften trotz des Warnschusses von Moody’s teuer bleiben. Alternativen für Investoren, ihr Geld sicher anzulegen, sind begrenzt. Zudem winken ausländischen Anlegern Währungsgewinne, sollte die Eurozone auseinanderbrechen. Eine neue Währung für Deutschland oder Kerneuropa wird begehrt sein und erst einmal kräftig aufwerten. „Auch deutsche Aktien würden in diesem Fall von massiven Kapitalzuflüssen profitieren“, glaubt Hüfner. „Bei einer Lösung der Krise könnte es zu einer Erleichterungsrally kommen.“ Unterstützend wirkt, dass Aktien im Vergleich zu Anleihen derzeit sehr günstig bewertet sind und zudem global viel Anlegergeld auf der Suche nach attraktiven Investments ist.
Empfehlenswert sind daher besonders deutsche Unternehmen mit gesunden Bilanzen und widerstandsfähigen Geschäftsmodellen. Dass sich Qualität „Made in Germany“ auch unter Stressbedingungen durchsetzen kann, beweist Jochen Schümann. Die deutsche Segellegende triumphierte bei der Copa del Rey in seiner Klasse.
Griechenland Leben mit der Pleite
Fremdherrschaft kennen die Griechen nicht erst, seit die Troika samt Kontrolleuren in den geschichtsträchtigen Mittelmeerstaat eingezogen ist. Nachdem die Hellenen 1830 ihre Unabhängigkeit vom Osmanischen Reich erkämpft hatten, setzten die europäischen Mächte mit Otto von Wittelsbach einen Bayern auf den griechischen Thron. Mit der Unabhängigkeit kehrte die Drachme zurück und mit Otto kamen europäische Kredite. Es begann die Geschichte der modernen griechischen Staatspleiten.
60 Millionen französische Francs — damals eine Weltwährung — hatte der junge Staat von den Europäern als Anschubfinanzierung erhalten. König Otto sollte ein modernes Steuersystem in Griechenland etablieren, scheiterte damit jedoch kläglich. 1834 gab es den ersten Aufstand gegen den fremden König, 1843 jagten die Griechen seine Beamten aus dem Land, 1862 floh Otto zurück nach Bayern.
Vom Kapitalmarkt war Griechenland da längst abgeschnitten, Zinsen zahlte es eher sporadisch. 1893 kam dann erstmals das schlichte Bekenntnis von Ministerpräsident Trikoupis: „Wir sind leider pleite.“
Seit ihrer Unabhängigkeit sind Schuldenkrisen ein ständiger Begleiter der Griechen. Fünf Pleiten gab es seit 1830. Fast die Hälfte der Zeit befand sich Griechenland in einem Umschuldungsprozess. 1908 wurde das Land wegen Betrugsvorwürfen faktisch aus der Lateinischen Münzunion mit Frankreich, Belgien, Italien und der Schweiz geworfen.
Sollte Griechenland nun einen größeren Schuldenschnitt durchführen und den Euro verlassen, wäre das also nichts Neues. Griechenland habe immer „im Frieden mit dem Staatsbankrott“ gelebt, bemerkte der Schriftsteller Edmond About 1858.
Banken Von Kollaps bis Erholungsrally
Der Montag vergangener Woche lieferte bereits einen Vorgeschmack darauf, wie deutlich selbst heruntergeprügelte Bankaktien auf eine mögliche Ausweitung der Euroschuldenkrise noch reagieren können. Spekulationen über eine Staatspleite Griechenlands, einen Euroaustritt des Landes, aber auch eine Eskalation der Krise in Spanien zogen die Bankkurse in der Eurozone auf neue Rekordtiefs. Vor allem die Notierungen italienischer und spanischer Häuser gingen in den Keller, Banktitel waren zeitweise vom Handel ausgesetzt. Die Aktie der Commerzbank sackte um sechs Prozent ab, die Anteile der Deutschen Bank um fast neun Prozent.
Die Furcht vor einem Ausfall griechischer Anleihen und Verbindlichkeiten spielt für solche Panikreaktionen kaum noch eine Rolle. Diese direkten Folgen wären nach Einschätzung von Experten wie DZ-Bank-Analyst Oliver Piquardt überschaubar, zumal viele Institute seit 2011 bereits einen Großteil ihrer Griechen-Risiken — Staatsanleihen, Unternehmensanleihen und Privatkredite — reduziert haben. So lag das sogenannte Griechenland-Exposure der Deutschen Bank nach einer Studie von Kepler Capital Markets zuletzt noch bei 500 Millionen Euro, bei der Commerzbank waren es noch 300 Millionen Euro. Ausgedrückt in Prozent des Kernkapitals sind das ein bis eineinhalb Prozent — der direkte Kreditausfall wäre kein Klacks, aber kein existenzgefährdender Schlag. Einzelne Banken in Frankreich oder Portugal haben da noch ganz andere Leichen im Keller: So könnte laut DZ Bank ein Totalausfall aller griechischen Forderungen das portugiesische Bankensystem rund ein Viertel seines Eigenkapitals kosten. Sehr hohe Griechenland-Risiken im Volumen von rund 19 Milliarden Euro hat auch die französische Großbank Crédit Agricole mit ihrer griechischen Tochter Emporiki, von der sie sich gerade trennen will.
Indirekte Effekte nicht abschätzbar
Bei den direkten Effekten kommen die deutschen Geldhäuser allerdings dann wieder stärker ins Spiel, wenn die Krise auf Spanien oder gar Italien übergreift. So lagen nach Zahlen der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) die kompletten Auslandsforderungen deutscher Banken gegenüber Griechenland Ende März 2012 bei 2,9 Milliarden Euro, gegenüber Spanien immerhin bei 58 Milliarden Euro und gegenüber Italien bei 259 Milliarden Euro.
Dabei gibt es bei den einzelnen Instituten deutliche Unterschiede. So hält die Commerzbank knapp drei Milliarden Euro in spanischen Staatsanleihen und 8,4 Milliarden Euro in Italien-Bonds. Ein Schuldenschnitt in diesen Ländern hätte für die Commerzbank weitaus gravierendere direkte Folgen als für die Deutsche Bank, die in Spanien und Italien mit 1,4 beziehungsweise zwei Milliarden Euro Risiken unterwegs ist. „Neben den direkten müsste man jedoch noch die indirekten Effekte berücksichtigen“, erläutert Philipp Häßler vom unabhängigen Analysehaus Equinet, „und wie sich die Situation auf das allgemeine Kapitalmarktumfeld auswirkt. Das kann derzeit noch niemand abschätzen, und solange dies nicht klar ist, wird die Unsicherheit im Markt bleiben.“
Das gelte für die große Mehrheit der europäischen Banken, glaubt auch DZ-Bank-Analyst Piquardt. „Die indirekten Effekte sind jedoch kaum eingrenzbar, müssten doch auch Marktreaktionen und Gegenmaßnahmen von offizieller Seite, etwa der EZB, bekannt sein, da sie die potenziellen Verluste im europäischen Bankensektor maßgeblich beeinflussen.“
Geldhäuser stärker betroffen als Versicherer
Laut DZ-Bank-Analyst Piquardt könnten demnach über Ansteckungs- und Dominoeffekte selbst Banken in den Strudel der Krise geraten, die kaum Risiken in den Krisenländern hätten oder in einem anderen Währungsraum lägen, wie etwa skandinavische Geldhäuser. Das bekamen zuletzt auch die beiden Schweizer Großbanken Credit Suisse und UBS zu spüren. Die Schweizerische Notenbank SNB hatte auf deren europaweite Verflechtungen und ihre vergleichsweise dünne Kapitaldecke hingewiesen. „Das Risiko des Zusammenbruchs einer großen Bank bleibt substanziell“, glaubt die SNB, die vor allem die Credit Suisse unmissverständlich aufforderte, sich wetterfest zu machen. Um rund 15 Milliarden Euro erhöht das Institut nun sein Eigenkapital in mehreren Schritten.
Equinet-Analyst Häßler sieht zudem Bankaktien generell von solchen Krisenszenarien stärker betroffen als Versicherungsaktien. „Der Versicherungskonzern Allianz hält zwar italienische Staatsanleihen im Volumen von 31 Milliarden Euro. Im Falle eines Schuldenschnitts in Italien würden allerdings vor allem die italienischen Lebensversicherungskunden der Allianz und nicht die Aktionäre den Großteil der Verluste tragen.“ Für die Versicherer sei außerdem das allgemein niedrige Zinsniveau das weitaus größere Problem, weil es real sei und direkt auf die Profitabilität durchschlage.
„Eines sollte klar sein“, lautet das Fazit von Equinet-Analyst Häßler, „wer an das komplette Auseinanderbrechen des Euro glaubt, der sollte die Finger von Bank- oder Versicherungstiteln lassen, denn ein solches Szenario wäre für dieses Segment absolut negativ. Kommt es aber lediglich zu einem Austritt Griechenlands und geht vielleicht Spanien noch unter den Rettungsschirm, dann könnte sich die Lage an den Märkten auch wieder beruhigen oder sogar eine Erholungsrally einsetzen.“
Schleifspuren im laufenden Geschäft
Welche Schleifspuren die Euroschuldenkrise derzeit im laufenden Geschäft der Bankhäuser hinterlässt, zeigt sich unterdessen exemplarisch in den Zahlen, die die Deutsche Bank diese Woche vorgelegt hat: einen überraschend deutlichen Gewinnrückgang vor Steuern um 44 Prozent auf rund eine Milliarde Euro.
Verantwortlich dafür ist insbesondere die Verunsicherung an den Finanzmärkten, die vor allem die Hauptertragssäule der Deutschen Bank trifft — das Investmentbanking. Das Geschäft mit Übernahmen und Börsengängen läuft schleppend. Und auch im Aktienhandel herrscht wegen der weltweiten Verunsicherung der Investoren Flaute. Der Gewinneinbruch bei der Deutschen Bank ist aber auch Folge der krisenbedingten Euroschwäche, die zu einem Anstieg der in Dollar und Pfund anfallenden Kosten führt.
Investor-Info
EFSF und ESM
Reicht der Rettungsschirm?
Noch bis Juni 2013 läuft der provisorische Stabilisierungsmechanismus EFSF. Sein Nachfolger, der ständige Stabilitätsmechanismus ESM, kann starten, wenn das Bundesverfassungsgericht am 12. September grünes Licht gibt. Doch es ist absehbar, dass EFSF und ESM nicht für alle möglicherweise notwendigen Hilfspakete ausreichen werden. Schon 2014 könnte allein der Refinanzierungsbedarf Italiens und Spaniens die Mittel des ESM inklusive Hilfen des Internationalen Währungsfonds übersteigen.
Euro/Dollar
Unter Druck
Die ständigen Eurodiskussionen setzen die europäische Gemeinschaftswährung immer wieder unter Druck. Am vergangenen Dienstag markierte der Euro ein Zweijahrestief bei 1,2059 Dollar. Devisenhändler halten es für möglich, dass der Euro bis hin zur Dollar-Parität nachgibt. Anleger können von einem fallenden Euro und steigenden Dollar mit einem Zertifikat (ISIN: DE 000 A1E K0V 2) profitieren.
Gold
Neue Luft für das Krisenmetall
Wegen Konjunktursorgen und der Eurokrise könnten die Notenbanken weltweit die Geldschleusen in den nächsten Monaten weiter öffnen. Das untergräbt das Vertrauen in das Papiergeld. Die Krisenwährung Gold sollte deshalb bis Jahresende wieder zulegen. Anleger können etwa auf die physisch besicherte Schuldverschreibung von db X-trackers setzen (ISIN: DE 000 A1E 0HR 8).
EADS
Vom Dollar profitieren
Die Aktie des Luft-, Raumfahrt- und Rüstungskonzerns profitiert vom hohen Auftragsvolumen der Airlines und hat seine Prognose für 2012 gerade angehoben. Eine Hochstufung durch Goldman Sachs hat der Aktie zuletzt neuen Schwung gegeben. Profitieren kann der Flugzeugbauer insbesondere vom starken Dollar. EADS produziert vor allem in Europa, verkauft die Flugzeuge aber meist in Dollar.
LInde
Macht Bogen um Krisenländer
Linde ist in vier von fünf Wachstumsregionen weltweit Marktführer. In der Kernsparte Gase kommt nur noch ein Viertel des Umsatzes aus Europa. Kaum präsent ist Linde in Eurokrisenländern wie Spanien oder Portugal. Der Kurs war zuletzt unter Druck
wegen der Kapitalerhöhung für die Lincare-Übernahme. Den positiven Ausblick für 2012 hat der Konzern gerade bekräftigt. Kaufgelegenheit.
Aareal Bank
Konservatives Management
Die Aareal Bank ist als gewerblicher Immobilienfinanzierer gut aufgestellt und gilt als vergleichsweise risikoarm mit konservativer Geschäftspolitik. Das Institut ist relativ stabil durch die Krise gekommen und könnte über höhere Margen vom Rückzug der Commerzbank aus der gewerblichen Immobilienfinanzierung profitieren. Vorsicht bei Kriseneskalation: italienische Staatsanleihen im Portfolio.
Stoxx 600 Banks Short ETF
Wette gegen die Banken
Einige europäische Banken tragen in Sachen Griechenland, Spanien und Italien noch immer erhebliche Risiken. Aber auch unbeteiligte Geldhäuser können leicht in den Strudel der Krise gezogen werden, insbesondere, wenn sie eine schwache Eigenkapitalausstattung haben. Der ETF von db X-trackers
profitiert von fallenden Bankaktien.
Bildquellen: istock/Thomas Lehmann